Wie die AfD mit der Regierung umgehen sollte

Foto (zugeschnitten und bearbeitet) Von Tobias Koch - OTRS, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35569432
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Frau Dr. Merkel hat über die Lügenpresse verlautbaren lassen wie sie im Bundestag mit der AfD umgehen will. Wahlweise wie im Kindergarten oder auf der Isolierstation. Jede Medaille hat jedoch zwei Seiten, jede Wurst zwei Enden. Also ist die interessantere Frage, wie die AfD mit der CDU und mit der SPD sowie mit der Restopposition umgehen sollte.

Von Wolfgang Prabel

Ich habe da ein paar Erfahrungen, denn ich sitze für die AfD jetzt schon drei Jahre in einem thüringischen Kreistag. Natürlich versucht die CDU alle Initiativen der AfD auszubremsen. Zum Beispiel durch eigene Änderungsanträge zu den AfD-Vorschlägen, die weitgehender sind und demzufolge zuerst abgestimmt werden. Es gibt da viele Tricks. Falsch ist es, wenn man darauf verärgert reagiert und sich verkrampft. In der Wut tut niemand gut!

In einigen Fällen hatte die CDU Anträge formuliert, die den AfD-Anträgen weitgehend entsprachen und die wurden mit großer Mehrheit angenommen. Besonders ärgert es die CDU, wenn man sie dafür überschwänglich lobt. Oder wenn man darauf hinweist, daß man sie aus einer Ruhestellung hochgescheucht hat.

Souveräne und spöttische Repliken auf parlamentarische Kindergartenspielchen kommen immer am besten an, sowohl bei den Medien wie auch beim Publikum. Nichts ist wirksamer, als die Kleinkariertheit des Gegners der Lächerlichkeit preiszugeben. Die sprachlich sehr ungelenke und hölzern auftretende Kanzlerin ist dem kaum gewachsen.

Was die anwesenden Medien betrifft: Man sollte sie schon öffentlich im Plenum kritisieren, wenn sie falsch berichten. Man kann es schaffen, daß man von der Pressebank zuerst gegrüßt wird. Allerdings nur wenn man sich Achtung verschafft, wenn man den Medien klar ansagt was man will. „Wir werden die Berichterstattung solange gemeinsam üben, bis das klappt!“ ist so ein Standardsatz.

Also prinzipiell kann man die anderen Parteien behandeln, als wären sie ganz normal. Sind sie zwar nicht, aber man kann ja so tun. Man sollte die Oppositionsparteien – Linke, FDP, Grüne – immer wieder auffordern die Regierung gemeinsam zu stellen, auch wenn man genau weiß, daß die sich wie die Zicke am Strick dagegen wehren werden. Auf Dauer schadet das ihrem Ansehen, wenn sie sich sachlichen Argumenten verweigern und nicht zielorientiert arbeiten.

Der FDP-Chef Christian Lindner wurde in einem Interview befragt, ob er gegen das Maasi-Zensurgesetz auch zusammen mit der AfD und den Linken vorgehen würde. Er hat das empört verneint. Aber hält er diese kindische Verweigerungshaltung wirklich vier Jahre lang durch? Will er nur mit den eigenen Förmchen in der kleinen FDP-Sandkiste spielen? Die Geschäftsordnung des Bundestags gibt autistischen Einzelkämpfern keinen großen Spielraum. Entweder man macht als Opposition Teamwork, oder man kann zu Hause bleiben.

Genauso könnte man die Frage natürlich Frau Wagenknecht stellen, die dem Gesetz auch kritisch gegenübersteht. Nur bei den Grünen ist Hopfen und Malz ganz verloren. Die hatten sich beim sogenannten „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ im Bundestag der Stimme enthalten. Wozu brauchts die noch? Um die Diäten abzuholen?

Was die Kritik an der Regierung betrifft, da ist je nach Lage ein selbstbewußter, spöttischer und manchmal auch sarkastischer Ton am Platz. Das wichtige bei einem öffentlichen Auftritt ist Präsenz. Es gibt Leute, die stehen als Autorität im Rampenlicht, andere werden nicht ernst genommen. Für erstere war Gerhard Schröder ein gutes Beispiel, ein diffuser Chaosauftritt war dagegen der von Bundesaußenminister Gabriel kürzlich in Halle. Wenn man die Laufwege des Ministers auf der Bühne in der Stadt der Halloren genau betrachtete, so fällt die Konfusion des SPD-Politikers glasklar ins Auge. Besonders als er gelogen hat, daß er die rückstandsfreie Entsorgung von Frau Merkel und ihrer Regierung nie gefordert hätte, lief er unruhig wie ein Tiger im Käfig umher und gelangte immer wieder kurzzeitig in ungünstige Rückenpositionen zum Publikum. Es gibt viele AfD-Kandidaten für den Bundestag, die sich bei einem Auftritt wesentlich besser organisieren können. Weidel hat beispielsweise eine freundliche Grundarroganz und eine ruhige und bestimmte Körpersprache. Das paßt. Sie ist da aber wirklich nicht die einzige vorzeigbare Person der AfD. Vor ein paar Tagen hatte ich schon einige Namen von guten Kommunikatoren genannt.

Man muß mal sehen, wie lange die Systemparteien die im Wahlkampf erzeugte Nazíhysterie durchhalten. Weidel wirkt eben auf den Durchschnittsbürger nicht wie eine Nazischlampe und Gauland argumentiert nicht so grob unhöflich, unfroh und ungeschliffen wie beispielsweise Pöbelralle. Eine bürgerliche Politik erkennt der Bürger an guten Manieren. Selbst auf der Baustelle ist man heutzutage oft diszipliniert und höflich. Nur in den Medien und in den Parteizentralen herrscht landläufig ein räudiger Ton. Man sollte als AfD-Politiker immer besser drauf sein, als die Konkurrenz und grobe Pöbeleien der anderen mit sarkastischer Höflichkeit leicht von oben herab parieren. Stegner ist da unterlegen, er kann sowas nicht. Siehe sein Spitzname…

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