Cato: Ich hätte dich gerne gut gefunden

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Hinter diesem Cover stecken auch kluge Köpfe (Foto: Screenshot)

Als ich las, dass es ein neues politisches Magazin gibt, dass sich nicht dem Mainstream verpflichtet, habe ich mich gefreut. Doch Cato macht es nicht einfach, begeistert zu sein.

Von Volker Kleinophorst

Nach Tichys Einblick wieder eine Print-Neugründung abseits des klassischen Mainstreams. Cato „Magazin für neue Sachlichkeit“. Das hat mich gefreut. Der Name Cato war mir zwar ein bisschen sehr nah am Cicero, aber warum nicht. Der Cicero ist jedenfalls ein gut gemachtes Blatt, das sich auch mal was traut.

Also gekauft.

Der Titel? Generell: Merkels missmutiges Gesicht hab ich genug gesehen. Jetzt auch noch mit Lorbeerkranz. Musste nicht sein. Fantasielos. Layout? Sehr luftig, sehr weiß. Bisserl Gähn. Teuer gemacht, wie ein Coffeetable Book. Nur seh ich nicht ein, was das bringen soll, außerdem weiß ich als ehemaliger CvD, was so was kostet. Zuviel Geld?

Die Autoren gefallen mir. Von Alexander Wendt, Michael Klonovsky oder Nicolaus Fest lese ich die Texte gern.

Doch richtig zu Ende gelesen habe ich erst mal nur „Brexit in das Reale“ und den Kleinkram, Zitate, Editorial, das mir gefiel, aber auch nicht wirklich neu ist, und so weiter. Der Rest kommt schon beim Durchblättern sehr elitär rüber.

– Was ist deutsch? Storm. Stöhn. Ein olles Bild? Gut Alexander Wendt schafft es, mich für „Liebeszauber“ um 1470 in meiner Heimat dem Niederrhein entstanden zu interessieren.

– Noch mal sechs Seiten Sieferle. Ich kann es nicht mehr lesen. Für mich ausdiskutiert.

– Dann das Architektur-Special. 18 Seiten über Utopien des Bauens die mir zu abgehoben sind.

– Der Nahe Osten. Hab ich neugierig gelesen, kenntnisreich. Ist aber schon was für den geschichtsinteressierten Leser.

– Nicolaus Fest. Les ich gerne. Ist aber nix Neues in dem Text. Lügenpresse hat für mich auch irgendwie einen Bart. Wer es nicht sehen will, dem kann man eh nicht helfen.

– Das Essay über Ceasar. Ich bin mehr Generation Asterix. „Sesterz nix mehr wert sein.“

Wen juckt was Coriolanus hätte anders machen können? 8 Seiten, ernsthaft?

– Die Kleinteile sind alle nett, aber nicht zwingend. „Zeitbilder“ abgehoben.

– Josef Kraus schreibt klarsichtige Sachen. Was er zur Bildungspolitik sagt, lässt einen schaudern.

– Luther? Wer es braucht.

– Deutschland und Polen von Thorsten Hinz. Ich kenn niemanden außer mir, den so etwas liest.

– Und leider frage ich mich auch bei dem Artikel von Michael Klonovsky „Gesang aus dem Jenseits“ über den Sammler verschollener Opernaufnahmen Jörg Friederich, wer soll das lesen. Ich bin Klonovsky-Fan, Musikenthusiast und les auch mal gerne was über Klassik aber die Tiefenbohrung in die Geschichte des Gesangs les ich nicht zu Ende.

– Rathenau. Man kann jeden aus der Kiste holen. Die können sich ja nicht wehren. Kann man die Welt nicht begreifen, wenn man nicht weiß wer Rathenau war?

– Den Maler Harald Metzkes würde ich mir nicht an die Wand hängen. Kein Bock mehr das auch noch zu lesen.

– Noch die Witzseite: Hier Retro-News. Ganz nett, am Schluss ist nicht ganz klar, wer das Ding mit den Mauern geschrieben hat.

– Das Fundstück ist keines. Bin ich zu blöd für. Ich hasse es, wenn mir eine Zeitschrift das Gefühl gibt, etwas nicht zu kapieren.

 

Der erste Artikel, bisher nicht erwähnt, heißt „Cato Tragik“. Hoffentlich ist keine Prophezeiung.

 

Cato hat ja Selbstmord begangen, weil er mit seinen Ideen nicht durchkam. Ich hoffe das dem „Magazin für neue Sachlichkeit“ überlebt. Etwas populär muss man schon sein, sonst diskutiert man mit sich selbst. Man sollte sich fragen, wie viele Leser man denn haben möchte.

 

Ich hätte Cato dich gerne besser gefunden.

 

Wobei: Ein Comic über Hannah Arendt. Das hat schon was.

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