Irma bläst E-Auto um

Foto: Durch Taina Sohlman/Shutterstock
Keine Chance gegen Irma (Foto: Durch Taina Sohlman/Shutterstock)

Hurrikan Irma war kein Fan von Elon Musk und seinem Tesla. Schonungslos stellte sie das Marketinggetöse auf die wackeligen Füße.

Von Volker Kleinophorst

Fällt der Strom aus, ist ein Elektrofahrzeug am besten schon mal voll geladen. Denn sonst steht man auf dem Schlauch. Und besonders weit kommt man auch mit dem voll geladenen Fahrzeug nicht. Um vor einem Hurrikane zu fliehen nicht das Fahrzeug der Wahl, wie einige Anwohner Floridas, einer Tesla-Hochburg, feststellen mussten.

  1. Zu geringe Reichweite, knapp 500 Kilometer. Wenn man ihn tritt natürlich weniger.
  2. Ohne Strom, der zumindest in der maroden Infrastruktur der  USA, bei jeder Katastrophe  sofort weg ist – no charge. Vor allem no additional charge.
  3. Charge dauert. Manchmal superlange.

Auch die Freischaltinitiative, mit der Musk mal eben satte 50 Kilometer zusätzliche bereitstellen konnte, damit seine Kunden dem Orkan entkommen konnten, sah schnell aus wie Augenwischerei und Imagepflege. Ok, dem ein oder anderen mag es geholfen haben, zu einem Freund zu kommen, der ein richtiges Auto hat.

Denn Tesla kann zwar Updates an die Autos senden, sie aus der Ferne an und ausschalten, aber „Leistung“ kann Tesla per WLan nicht versenden. Genau für zwei Modelle Model S und Model X mit nominell 60 kWh können durch die Freischaltung – wenn vollgeladen – auf die sonst nochmal kostenpflichtigen, aber bereits eingebauten 75 kWh zugreifen. So haben sie dann mehr Saft für 50 Kilometer. Hat man schon die 75 kWh Version gibt es auch keinen Nachschlag, weil nicht möglich.

Irma hat die wolkigen Marketingsprüche der E-Mobilität einem knallharten Praxistest/Stresstest unterzogen. Ergebnis: 500 Kilometer und dann nix, ist eben nix. Jeder moderne Kleinwagen kommt mit zwei 20 Literkanistern locker 1.200 Kilometer weit, manche 2.000. Ein Diesel fährt mit Alt-, Heiz- oder Salatöl, ja mit altem Pommesfett (Unbedingt durchsieben).

Prof. Dr. –Ing. Hans Günther Appel, Professor für Werkstoffkunde und ehemaliger Leiter der zentralen Metallografie bei VW,  in seinem sehr lesenswerten Artikel „Das Märchen vom E-Auto“ auf MMnews: „Unsere Autos fahren heute mit einer Tankfüllung zwischen 500 und 1000 Kilometer… Für 500 km müssen wir 40 Liter Treibstoff tanken. Dafür werden weniger als 2 Minuten gebraucht.“

Aufladen dauert. Wenn man einen BMW i 3 mit Haushaltsstrom auflädt, hat man nach 30 Minuten gerade mal 6 Kilometer in der Batterie.

Die Entwicklung „besserer“ Batterien sieht Professor Appel skeptisch: „Selbst theoretisch gibt es keine ausreichend leichten Batterien.“ Auch die Ladefähigkeit sei nicht so einfach nach oben zu schrauben.

Und was ist mit dem Aufladen? Woher soll der Strom kommen. Klar aus der Steckdose, aber ohne Lastwagen und Busse bräuchte man für Deutschland mindestens die zusätzliche Leistung von 20 Kraftwerken. Weiter belastet die Energiekosten, das die Batterien sich nur teuer herstellen lassen. Ob genügend Rohstoffe für die Herstellung vorhanden sind, ist bisher ungeklärt, wie Entsorgung (Uaaahhh) oder Recycling.

Durch das Freischalten in Florida hat Musk auch noch einmal den Focus auf eine andere Besonderheit der E-Mobilität gelegt. Es lässt sich komplett von außen bedienen, also an und ausschalten, beschleunigen, bremsen, Tür auf, Tür zu….. Auch wer wann wo ist, wohin gefahren ist. Bei einem Banküberfall besser kein Tesla.

Wohin sollte die Entwicklung gehen. Die Signale sind zur Zeit widersprüchlich. Weltweit hat man dem Verbrennungsmotor den Kampf angesagt. China will bis 2040 aussteigen. Nirgendwo sonst fahren bereits mehr E-Autos. Außer Tesla übrigens nur chinesische Fabrikate. Gleichzeitig stellt eine aktuelle norwegische Studie dem Elektroauto eine schlechte Umweltbilanz aus, eine schlechtere als dem Verbrennungsmotor.

Professor Appel: „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sollte die Entwicklung des Dieselmotors weiter betrieben werden. Er hat den höchsten Wirkungsgrad, verbrennt also die geringste Treibstoffmenge. Das ist ein entscheidender Beitrag zum Umweltschutz. Unverständlich ist die Diskussion über den Ausstoß von Stickstoffoxiden der Dieselfahrzeuge. Die geringen Werte führen bei Menschen und Tieren zu keinerlei Gesundheitsschäden. Der derzeitige politische Aktionismus durch eine einseitige Bewertung mit unsinnigen Grenzwerten ist kontraproduktiv. Der Grenzwert in Städten sollte umgehend aufgehoben werden oder auf den medizinisch begründeten Grenzwert für Arbeitsplatzkonzentrationen angehoben werden. Mit dieser Maßnahme lässt sich eine umweltschonende Weiterentwicklung des Dieselmotors anschieben.“

Dabei muss der Verbrennungsmotor ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Man arbeitet Motoren, die z.B. Methan verbrauchen. Es gibt noch die Brennstoffzelle auf die Toyota und Honda setzen.

Das allein politisch alternativlose E-Auto ist da nur ein Modell unter vielen. Und es ist eigentlich auch nur der heiße Scheiß von vorgestern. Das erste deutsche Elektroauto war der Flocken-Elektrowagen von 1888.  Die ersten Taxis in New York waren Elektroautos. Mangelnde Reichweite und zu wenige Ladestationen machten das Projekt unrentabel. Das Elektroauto ist also älter als der Verbrennungsmotor und so lange hat man es nicht geschafft, es zu einer brauchbaren Alternative zu entwickeln. Auch heute ist allein für Kurzstrecken und Ballungsräume eine Möglichkeit.

Das Paulus ein Saulus, nämlich ein Umweltsünder, ist, kann den „Klimarettern“, die das E-Auto durchdrücken wollen, eigentlich nicht entgangen sein.

Was soll das also? Möchte man damit den Individualverkehr entsorgen? (Uaaahhh. Er hat es nochmal gesagt.)

Wandere aus, solange es noch geht!
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