Wessi-Schriftstellerin beleidigt Ossi-Kritiker

Foto: Collage
(Foto: Collage)

Für „Die Zeit“ schrieb die Nachwuchsschriftstellerin Jana Hensel nach einem Wahlkampfauftritt in Finsterwalde einen offenen Brief an Angela Merkel: „Warum haben Sie denen nicht die Meinung gesagt?“

Von Oliver Flesch

„Denen“ sind natürlich die üblichen Verdächtigen, die bösen „Rechtpopulisten“. Was kritisch klingen soll, ist in Wahrheit blanker Hohn. Der offene Brief ist eine Art Fanbrief an unsere großartige, einzigartige Bundeskanzlerin. Probe: „Ich mochte Sie, wie Sie da einfach so herbeigelaufen kamen. Die mächtigste Frau der Welt, the leader of the free world. Mitten unter den Finsterwaldern.“

Schleimspur-Schreibe wie sonst nur bei BILD-Postbote Wagner. Und eine perfide Abrechnung mit allen, die nicht im Merkel-Fanklub sind.

Mein Sohn ist Ihr Fan

Hensel besuchte mit ihrem Söhnchen einen Wahlkampfaufritt in Finsterwalde. Und Angela Merkel wurde mal wieder wie so oft ausgepfiffen. Und wie. Die Henselin, frei nach der Werbemasche, Hunde und Kinder kommen gut an, mit der auch Hitler einst Beliebtheit häkelte:

„Ich weiß nicht, ob man von einem neunjährigen Kind schon sagen kann, dass er ein Fan ist, aber ich weiß, dass er Sie schätzt, also auf seine kindliche Art stets gut von Ihnen spricht. Von Barack Obama redet er auch so, von Donald Trump nicht.“

Wenn’s stimmt, ist das nicht traurig? Ein 9jähriger Merkel-Fan! Hilfe! 9Jährige sollten Fans eines Fußballklubs, einer Band, meinethalben auch eines Playmates sein, aber von Angela Merkel??! Tanzt sie im Kinderkanal? Gibt sie da die Plumpabacke? Die Elefantin im Entengang? Irgendwas? Es kommt noch dicker, Leute:

Genau in diesem Augenblick hob ein unfassbares Pfeifkonzert an, plötzlich riefen die Leute „Hau ab, hau ab“ und bliesen wie wild in ihre Trillerpfeifen, die sie sekundenschnell aus ihren Jackentaschen gezogen hatten. Ein ohrenbetäubender Lärm. Da war sie, diese Wut und Brutalität, die man sonst hinter den schönen Fassaden nur vermuten kann, plötzlich war sie mit Händen zu greifen. Und Sie liefen weiter, mussten weiterlaufen, auf diese Menge zu, durch diese Menge hindurch. Jeder andere wäre weggerannt. Und Sie versuchten zu lächeln, mussten lächeln, natürlich, was sonst hätten Sie tun sollen. In den Gesichtern aller … normalen Bürger war großes Entsetzen zu lesen. In meinem sicher auch. 

Liest sich, als wäre Hensel in vermintem Kriegsgebiet gelandet., mitten im  Stalingrad? Aleppo? Als wäre sie Zeuge, wie die Kanzlerin durch eine Spießruten-Gasse zum Steinigungsloch watscheln müßte… Erstaunlich, dass sie da überhaupt wieder heil rauskam…

Distanzieren Sie sich von den AfD-Rassisten! 

Zwischendrin gibt Hensel der Kanzlerin noch Tipps, wie sie mit ihren Kritikern – alle von der AfD, klar, linke Merkel-Kritiker gibt’s im Osten natürlich nicht – umgehen sollte: „Distanzieren Sie sich von den Rassisten der AfD, von ihren menschenverachtenden Parolen und Forderungen. Sagen Sie denen, was es heißt, Deutscher zu sein.“

Himmel, als ob ausgerechnet Merkel das wüsste. Ans Ende ihrer peinlichen Unterwerfung hat Hensel wieder Sohnemann gesetzt. Sicher ist sicher. Da hat sie auch literarisch noch mal alles reingepackt in ihrem Kampf gegen die Trillerpfeifen-Menschen…  

Auf dem Marktplatz von Finsterwalde war es dunkel geworden, ich nahm die Hand meines Sohnes und er gab sie mir, obwohl er das sonst eigentlich nicht mehr macht. Es ist ihm peinlich. Aber nun bat er mich, schnell zu gehen, den Marktplatz zu verlassen und nicht noch einmal nach den Menschen mit den Trillerpfeifen zu schauen. Mit eiligen Schritten zog er mich weg, ich spürte sein Unwohlsein und wohl auch etwas wie Angst. Auf der Autobahn rollte er sich in seinem Sitz zusammen und sagte zu mir, wie schön er es fand, Sie (liebe Frau Merkel) einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben. Dann schlief er ein.

Widerwärtig? Nur peinlich! Kinder also, Frauen, Behinderte und andere Minderheiten müssen sich vor diesen Trillerpfeifen Menschen in Acht nehmen, die Bösen aus Ostdeutschland! „Ossis“, die keine Lust mehr haben, sich die Schwafelei von Merkel anzuhören,  die nichts mit ihren Sorgen und Nöten zu tun hat. Die Merkel in Wahrheit  auch einen Scheiß interessieren.

Ja, es gibt Menschen im Land, die „Unwohlsein und wohl auch etwas wie Angst“ hervorrufen. Aber diese Menschen kündigen sich vor ihren Missetaten nicht mit Trillerpfeifen an. Es sind auch keine Merkel-Kritiker, es sind Merkel-Fans.

Das wird Hensels Sohn früh genug in seinem Leben erfahren. Leider. Er kann ja nix für seine verlogene, verbogene Mutter.

Link zum offenen Brief: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-09/angela-merkel-finsterwalde-wahlkampf-demonstranten-brief/komplettansicht

S

 

 

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