Correctiv: „Der Troll im Wahlplakat“

Foto: Collage
(Foto: Collage)

Eine lust!ge Gesch!chte aus dem Fundus des Autorenkollekt!vs von „Correct!v“ („Correctiv“). Fein kommentiert.

von Max Erdinger

Die l!nken Sock Autoren des Kollektivs „Correct!v“ („Correctiv“) sind voller Sorgen. Die Sorgen von Linken hinwiederum muß man ernstnehmen, sonst werden sie fuchsteufelswild. Das muß nicht sein. Linke sind auch so schon ein wenig befremdlich. Bei „Correct!v“ treibt die Autoren gerade die Sorge um, daß persiflierte Wahlplakate und Satiren einen demokratischen Schaden im Bundestagswahlkampf anrichten könnten, der denjenigen, den sie selbst verursachen, noch übersteigt. So, jetzt wissen wir, was eine richtig schwere Sorge ist. Worum geht es? – Zitat: „Falsche Wahlwerbung lässt sich leicht produzieren und im Netz rasch verbreiten.“ – Zitatende.

Daß sich satirische Wahlwerbung leicht produzieren läßt, war mir bekannt. Aber daß sie sich im Netz auch noch rasch verbreiten läßt, ist schwer erstaunlich. Bisher war ich der Ansicht, daß Online-Nachrichten mindestens zwei Wochen vor ihrem Erscheinen geschrieben worden sein müssen. Danke, „Correct!v“! Endlich bin ich mir sicher, daß Aktuelles auch tatsächlich aktuell ist.

Unglaubliches haben die Autoren des Kollekti!vs Kollektivs recherchiert. So zum Beispiel, daß ein CDU-Plakat mit Original CDU-Schriftzug und einem Bild der Kanzlerin vor dem Hintergrund einer Flüchtlingskolonne eine Fälschung ist. Die Kanzlerin wird auf dem Plakat mit dem Spruch zitiert: „Für ein Land, in dem sie gut und gerne leben.“ Daran haben die Investigativ-Korrektiv-Kollektiven die Fälschung erkannt. Die Kanzlerin hat das nämlich nie gesagt. Angela Merkel hat statt „sie“ ein „wir“ verwendet. Schon ist die hinterlistige Fälschung aufgeflogen. Respekt.

Vor Jahren bereits gab es in der FAZ einen Artikel über den wohl bekanntesten Troll im deutschen Internet: Uwe Ostertag. Seine Memes waren am Rand immer klein beschriftet mit „In satira veritas by Uwe Ostertag“. Investigativ, wie die Correctiv-Mädels & Correctiv-Burschen nun einmal sind, haben sie herausgefunden, daß Uwe Ostertag allerweil wieder seine Runden bei Facebook dreht, nachdem er monatelang von der Bildfläche verschwunden war. Ostertag ist zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, wartet auf die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Würzburg und nutzt inzwischen die Zeit auf seine Weise. Es ist mir immer ein Rätsel gewesen, warum Ostertag Politikern Zitate in den Mund legt, die gar nicht von ihnen stammen. Sein neuestes „Meisterwerk“: Plakat im SPD-Stil, abgebildet ist Yasmin Fahimi. Ostertag läßt sie sagen: „Der Islam ist deutsch“.

Ich finde das überflüssig. Es gibt echte Politikerzitate, die jeden ausgedachten Satire-Text toppen. Gut erinnern kann ich mich an ein CDU-Wahlplakat aus dem Jahr 2005. Zu sehen war die spätere Kanzlerin mit dem Spruch: „Gemeinsam für ein neues Miteinander.“ Im Ernst: Da kann Ostertag einpacken. Dagegen ist er ein Stümper. Realsatire toppt Satire immer. Überhaupt sind die Original-Wahlkampfstrategen bessere Satiriker, als man es bis zu diesem Bundestagswahlkampf für möglich gehalten hätte. Die Original-Plakate beweisen es.

Insofern sind die Autoren von „Correct!v“ einfach hysterisch. Die Grünen z.B. geben sich einig, obwohl sie zerstritten sind. Claudia Roth auf einem Plakat: „Zukunft wird aus Armut gemacht“. Ob´s wohl ein Fake ist? Die Grünen nennen ihr Wahlprogramm anders: „Zukunft wird aus Mut gemacht.“ Es kann aber auch sein, daß die Zukunft der Grünen aus Unmut und Armut gemacht wird. Und zwar aus dem Unmut der Grünen darüber, daß sie an der 5-Prozent-Hürde gescheitert – und in der Armut gelandet sind. Ich kenne Arbeitgeber, die würden Grüne noch nicht mal als Nachtwächter anstellen vor lauter Sorge, daß sie das auch nicht können. Ist es nicht seltsam, daß man sich bei „Correct!v“ mit keinem Wort Sorgen darüber macht, woraus wohl die Zukunft der Grünen gemacht wird? „Zukunft machen“ – Kleinkindersprache und gespielte Infantilität sind doch bereits Stilmittel der Satire. Wozu also die Aufregung über gefälschte Wahlplakate? Es ist doch völlig egal, ob ein Wahlplakat ein Original-Plakat oder ein gefälschtes Plakat ist. Das nimmt sich doch wenig bis nichts!?

Daß sich in Deutschland einer vor Gericht verantworten muß und erst einmal zu 22 Monaten Haft verurteilt wird, weil er das macht, was er für Satire hält, ist allerdings keine Satire. Vermutlich deswegen ist „Correct!v“ darüber auch nicht besorgt.

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