Die Fabel von den Wölfen und Schafen, oder warum die Integration scheitern muß

Foto: Durch Vilenija/Shutterstock
(Foto: Durch Vilenija/Shutterstock)

Wer den Unterschied zwischen Wölfen und Schafen nicht erkennen will, beide zusammensperrt, – in der Hoffnung, die Wölfe würden sich schon bei den friedlichen Grasfressern der Schafe integrieren, –  der sollte sich über gerissene Schafe nicht wundern.

Von Renate Sandvoß

Doch nach dem tausendsten, zehntausendsten oder millionsten Opfer sollte man wach werden und bemerken, dass irgendetwas schief läuft. Wenn der Bestand der Schafe immer mehr schrumpft und sich die übrigbleibenden Tiere nur noch verängstigt und panisch in den Ecken verkriechen, – spätestens dann sollte man begreifen, dass Schafe und Wölfe nicht zueinander passen und eine zwangsweise gemeinsame Unterbringung für niemanden förderlich ist (außer für die Wölfe natürlich).

Der Bauer fühlte sich eigentlich seinen Schafen verpflichtet, die er gezüchtet, versorgt und be- und gehütet hat und nicht den Wölfen, die aus völlig fremden Ländereien gewaltsam eingedrungen sind, um ohne große eigene Anstrengung ihren Hunger zu stillen. Doch da die armen hungrigen Wölfe so mager aussahen und ihr Fell stumpf und zottelig herabhing, ließ sich der Bauer von ihrem Anblick täuschen und lud sie zu sich auf den Hof ein. Er hegte und pflegte sie  und gab ihnen sogar ein teures Sonderfutter, dass ihr Fell in kurzer Zeit wieder glänzen ließ  und sie so stolz und selbstbewußt in ihrem neuen Gelände herumspazierten. Doch es wurde langsam eng auf dem Hof, denn die Wölfe holten ihre Familien nach, die angelockt  von der reichlichen Versorgung aus allen Ländereien  über die Grenzen strömten. Auch für sie hatte der Bauer ein großes Herz, besonders die verspielten, possierlichen jungen Wölfe taten es ihm an. Doch es konnte seinem geschulten Blick nicht entgehen, dass die Schafe immer weniger wurden und die Wölfe immer mehr.

Die Schafe lieferten ihm Milch, Fleisch und ihre Wolle, die die Lebensgrundlage für ihn und seine Familie bildeten. Je weniger Schafe er besaß, umso geringer wurde sein Einkommen. Das begriff auch endlich der Bauer. doch er fand Gefallen daran, als Freund der wilden, exotischen und ungezähmten Wölfe zu gelten. Das sollte ihm erst einer nachmachen! Dagegen waren die Schafe  doch langweilig und er kümmerte sich kaum noch um sie. Überall im Land wurde er gelobt, dass es ihm gelungen war, die Wölfe zu zähmen. Gut, er hatte zwar viel Geld für ihre Versorgung hergeben müssen, doch dafür wurde er unter den Bauern gefeiert, weil er vorurteilsfrei diesen fremden Tieren geholfen und dafür so große Opfer gebracht hatte. Doch irgendwann, als nur noch wenige verängstigte Schafe übrig waren und das Vermögen des Bauern aufgebraucht war, wurde ihm langsam klar, dass man Schafe und Wölfe nicht zusammensperren konnte, weil sie völlig konträre Lebensvorstellungen und Gebräuche hatten. Doch es war zu spät. Der Bauer erkannte, dass seine Pseudohilfe falsch war und er mußte Haus und Hof verkaufen und von dannen ziehen. Die Wölfe blieben, was sie waren und machten sich auf, dem Nachbar-Bauern mit seiner prächtigen, riesigen Schafsherde einen Besuch abzustatten……

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