Skandälchen gefällig? – „Welt“ wird wegen Alice Weidel hysterisch

Foto: JouWatch
Alice Weidel (Foto: JouWatch)

Unter dem Header „Demokratieverachtende Thesen“ titelte die „Welt“ gestern:Alice Weidel will Veröffentlichung rassistischer E-Mail stoppen.“ Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

Es geht um eine private Mail, die Alice Weidel am 24. Februar 2013 geschrieben haben soll – und vielleicht auch geschrieben hat. Die Mail schlummerte seit viereinhalb  Jahren im Posteingang eines ehemaligen Freundes von Alice Weidel, ohne daß sie jemanden interessiert hätte. Ein Schelm, wer glaubt, das Datum ihres Auftauchens gestern, zwei Wochen vor der Bundestagswahl, sei rein zufällig.

Vor viereinhalb Jahren gab es die AfD noch nicht. Was später dann zur AfD wurde, hieß damals noch „Wahlalternative 2013“ – und die „Wahlalternative 2013“ war nicht wegen nichts entstanden. Dafür gab es Gründe. Die Hauptsorge damals war die desaströse EU-Bankenrettungspolitik der Kanzlerin. Bis zur fatalen Grenzöffnung im September 2015 und dem völligen Kontrollverlust der Regierung Merkel sind es im Februar 2013 noch zweieinhalb Jahre hin gewesen. Damals ging gerade der Lucke-Stern auf, der nun auch schon wieder seit zwei Jahren verglüht ist. Die desaströse Bankenrettungspolitik der Kanzlerin spielt in der öffentlichen Wahrnehmung heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie wird seit zwei Jahren überlagert vom katastrophalen Staatsversagen im Zusammenhang mit der unkontrollierten Immigration in der Verantwortung der Regierung Merkel.

Worin sollen also die „Demokratieverachtung“ und der „Rassismus“ der Weidel-Mail bestehen? Immerhin stehen beide Vorwürfe ganz oben über dem „Welt“-Artikel, so daß die Behauptung auch denjenigen nicht entgeht, die den ganzen Artikel gar nicht lesen. Womit der Zweck des Artikels dann aber auch schon erfüllt wäre. Also: Wie sieht es aus mit der Demokratieverachtung und dem Rassismus von Frau Weidel? Was hat sie denn geschrieben?

Weidel gut zwei Jahre, bevor es dann richtig losging mit der Flutung Deutschlands – Zitat: „Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.“ – Zitatende.

Soll das schon der ganze Rassismus sein? Da darf man wohl einmal fragen, wo denn die Empörung der „Welt“ geblieben ist, als Jürgen Trittin sagte, es freue ihn, daß Deutschland jeden Tag ein Stückchen mehr verschwinde. Wo war die Empörung der „Welt“, als der spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer behauptete, Deutschland müsse von außen her eingehegt und von innen her verdünnt werden? Wo war die Empörung, als er behauptete, die Deutschen zeigten immer die Tendenz, aufgrund ihres Fleißes und ihrer Organisiertheit innerhalb Europas zum wohlhabendsten Volk zu werden und daß es deshalb nötig sei, den deutschen Nationalchauvinismus zu entschärfen, indem man dafür sorgt, daß den Deutschen von ihrem Geld nichts bleibt, ja, daß man es sogar verbrennen könne, weil Hauptsache sei, daß die Deutschen dieses Geld nicht haben? Wo war die Empörung, als die Bundestagsvizepräsidentin Roth bei einer Demo hinter einem Transparent mit der Aufschrift: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“, herlief? Wo war die Empörung der „Welt“, als die Kanzlerin Deutsche als „Menschen, die schon länger hier leben“ bezeichnete?

Es tut mir leid, daß ich noch einmal nachfragen muß: Wo, bitteschön, soll jetzt der böse Rassismus in der Weidel-Mail versteckt sein? Sie hat ja noch nicht einmal das böse Wort „Zigeuner“ verwendet, sondern von „Sinti und Roma“ geschrieben, was vielleicht noch nicht perfekt antirassistisch ist, aber rassistisch eben auch nicht. Perfekt antirassistisch wäre es gewesen, Zigeuner als „mobile ethnische Minderheit“ zu titulieren, wie das „die Menschen mit Sesselfurzhintergrund“ in der rheinland-pfälzischen Bürokratie tun.

War noch was? Ach ja, Alice Weidel soll vor über vier Jahren Regierungsmitglieder als „Schweine“ und „Marionetten der Siegermächte“ bezeichnet – und behauptet haben, Deutschland sei „nicht souverän“. Man sieht, Alice Weidel war schon im Februar 2013 ihrer Zeit etwas voraus. Als die „Wahlalternative 2013“ zur AfD wurde, war der erste Slogan der jungen Partei „Mut zur Wahrheit“. Das konnte Weidel im Februar 2013 noch nicht wissen und hat dennoch schon einmal die Wahrheit geschrieben. Freilich hätte sie nicht „Schweine“ schreiben müssen. Sie hätte Regierungsmitglieder auch als „Menchen mit einem sozialethisch fragwürdigen Charakter“ titulieren können. Am Vorwurf hätte das in der Sache nichts geändert. Wer schreibt schon von „Menschen mit sozialethisch fragwürdigem Charakter“, wenn er sich auch kürzer ausdrücken kann? Auch Frau Weidel hat ihre Zeit nicht gestohlen. Ob Deutschland nun souverän ist oder nicht, dazu hätte sie gar nichts zu sagen brauchen. Im Februar 2013 hatte bereits der inzwischen verstorbene Egon Bahr, einst Architekt von Brandts Ostpolitik, über die „Kanzlerakte“ geplaudert. Hier ein Interview, das der hoch angesehene Bahr vier Jahre vor seinem Tod, 2011 also, der „Jungen Freiheit“ zum Thema gegeben hat.

Zitat „Welt“: „Der WELT AM SONNTAG liegt eine brisante Mail vom 24. Februar 2013 mit rassistischen Bemerkungen und demokratieverachtenden Thesen vor. Der Absender: Alice Weidel.“ – Zitat.

Das stimmt ganz offensichtlich nicht. Der „Welt“ liegt lediglich eine uralte Mail vor, deren Absender Alice Weidel sein soll. Die Mail ist auch nicht mit „Alice Weidel“ unterschrieben, sondern mit „Lille“. Weder ist die Mail brisant, weil über vier Jahre alt, noch enthält sie rassistische Bemerkungen oder demokratieverachtende Thesen. Die Bundesrepublik enthält demokratieverachtende Politiker in den Altparteien, die ihren antiweißen Rassismus pflegen und den deutschen Selbsthaß perpetuieren. So schaut´s aus, wenn man auf den „Mut zur Wahrheit“ noch etwas gibt.

Zitat „Welt“: „Weidel versuchte die Berichterstattung zu verhindern, bestreitet, dass der Text von ihr stammt, und schaltete Anwälte ein. Sie teilten mit, dass es falsch und rechtswidrig sei, „öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben, oder auch nur diesen Verdacht zu äußern“. Doch der Redaktion liegen eine eidesstattliche Versicherung und weitere Aussagen vor, aus denen das Gegenteil hervorgeht.“ – Zitatende.

Sollte Alice Weidel diese Mail tatsächlich nicht geschrieben haben, dann müsste man also einem unbekannten Verfasser für seine glasklare Analyse und seine deutliche Wortwahl gratulieren. Allerdings: Sollte Alice Weidel doch die Verfasserin sein und heute lediglich versuchen, über juristische und legalistische Tricksereien aus der Sache herauszukommen, dann hielte meinereiner das für genau den verkehrten Weg. Wenn die Öffentlichkeit hier einen Skandal aufgetischt bekommen soll, dann sollte Weidel die Chance nutzen und Sendezeit verbrauchen, um ihre Aussagen von damals noch einmal zu präzisieren. Schließlich stimmen sie und dürften sachlich kaum zu widerlegen sein. Man könnte diesen „Skandal“ nämlich auch gewinnbringend nutzen, anstatt sich zu ducken. Eskalation ist nach meiner Überzeugung immer eine überlegenswerte Alternative zur Deeskalation. Wenn die Mail aber tatsächlich nicht von ihr stammt, dann wäre die Behauptung in der „Welt“, sie sei von Alice Weidel, geeignet, den Skandal umzudrehen und ihn der „Welt“ auf die Füsse fallen zu lassen. Dann muß eben das passieren.

Bei der Gelegenheit könnte man durchaus auch das innige Verhältnis der unchinesischen „Viererbande“ breittreten: Friede Springer („BILD“, „Welt“), Liz Mohn (Bertelsmann samt aller Bertelsmann-Studien), Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer bilden schließlich so etwas wie eine dick befreundete, politisch-mediale Einheit. Joachim Sauer erhält für seine Tätigkeit im Kuratorium der Friede-Springer-Stiftung jährlich 10.000 Euro. Von daher ist es kein Wunder, daß es ausgerechnet die „Welt“ ist, die in der Schagzeile einen Rassismus und eine Demokratiefeindlichkeit von Frau Weidel behauptet – und im Artikel dann jeden Beweis für diese Behauptung schuldig bleibt. Rassismus und Demokratiefeindlichkeit sind nun einmal nicht immer das, wovon die „Welt“ will, daß ihre Leser es dafür halten sollen.

Ein Schmankerl noch zum Schluß. Bereits im Februar 2013 soll Alice Weidel in der fraglichen Mail die Bundesregierung folgendermaßen „verunglimpft“ haben (Do not ever „verunglimpf“ your Bundesregierung!) – Zitat: „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen.“

Tja, wie sage ich jetzt da? 2017 war im Jahre 2013 noch Zukunft. Prognosen von damals können heute auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Wer „molekulare Bürgerkriege in Ballungszentren induziert“, der hat einen „sozialethisch fragwürdigen Charakter“ – oder kurz: Er ist ein Schwein. Sollte Alice Weidel die fragliche Mail also wirklich geschrieben haben, sie hätte bei allem „Mut zur Wahrheit“ kein Wort zurückzunehmen.

Die Mail wäre zugleich der Grund dafür, Alice Weidel zu wählen. Welcher andere Politiker hätte präzise Weitsichtigkeit allerweil eindrücklicher unter Beweis gestellt? – Eben.

 

 

 

 

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