Kripo auf der Suche nach der rechten Tomate

Foto: Durch ULKASTUDIO/Shutterstock
Eine dieser Tomaten hat einen kriminellen Hintergrund. Finde Sie! (Foto: Durch ULKASTUDIO/Shutterstock)
Merkel kauft Tomaten (Foto: Screenshot Facebook)

Das hier ist eine Nachrichtenmeldung, die insofern keine mehr ist, als daß ich sie dezent verziert habe.

Max Erdinger

Hier ein „Frau“, dort ein „malerisch“ in den Text eingefügt – und schon wird es satirisch. Es tut mir leid: Zwar ist es ungehörig, Tomaten nach Personen zu werfen, aber schöner als Handgranaten ist es allemal. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß es wegen Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (63, CDU) neuerdings eine Menge bärtiger Männer in Deutschland gibt, die sich keinesfalls mit Tomatenwürfen begnügen würden. Die würden mit einem Laster über den Platz rasen, mit Maschinengewehren schießen, mit Messern um sich stechen – oder eben Handgranaten nehmen, keine Tomaten. Insofern will sich bei mir keine rechte Empörung einstellen, was mich wiederum etwas besorgt, zeigt es doch, daß ein Autor, der Tomatenwürfe nach Personen zutiefst verabscheut, in Zeiten wie diesen etwas weniger Abscheu dem abscheulichen Wurf gegenüber empfindet. Das wiederum ist eine besorgniserregende Entwicklung bei einem rechtschaffenen, grundanständigen und demokratisch gestählten Mitglied von „die Menschen“. Sei es, wie es sei: Hier die dezent verzierte Version einer Nachrichtenmeldung.

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Heidelberg – Unermüdlich ermittelt die Kriminalpolizei auch weiterhin, wer die Tomate nach Frau Kanzlerin Angela Merkel (63, CDU) bei ihrem Wahlkampfauftritt geworfen hat.

Es war der vegetarische Höhepunkt des Wahlkampfauftritts von Angela Merkel auf dem gut gefüllten Uniplatz der Neckarstadt: Zwei Tomaten wurden aus dem frei zugänglichen Zuschauerbereich heraus in Richtung Bühne geworfen, wovon eines der Nachtschattengewächse die Frau Kanzlerin an der Hüfte traf und kaum sichtbare Flecken auf ihrem roten Blazer hinterließ. Auch die weiße Bluse von Frau Moderatorin Claudia von Brauchitsch (42) neben ihr wurde beschmutzt. Die zweite Tomate verfehlte gottlob ihr Ziel und verglühte auf ihrem Weg nach Neckarsulm malerisch im Abendhimmel über der Heidelberger Schloßruine.

Der ungehörige Vorfall ereignete sich während der Abschlußrede von Gastgeber Herrn Dr. Karl A. Lamers (66,CDU), der sich die aggressiven Gemüsewerfer gleich gründlich zur Brust nahm: „Jetzt ist mal Ruhe dahinten! Ich bin stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem man auch demonstrieren kann. Aber denen, die sich hier sehr deutlich mit Trillerpfeifen kundtun, will ich sagen: Nicht auf den Kehlkopf sondern auf den Kopf kommt es an! Und da ist noch sehr viel Luft nach oben…“

Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel reagierte völlig unbeeindruckt auf die Attacke, wischte mit einem Lächeln auf den Lippen die Tomatenspritzer weg und verließ befleckt die Bühne.

Nun ermittelt die Kriminalpolizei Heidelberg, welche Halbtalentierten für die ‚Tomaten-Attacke‘ verantwortlich sind. Im Rahmen dieser dringlichen Ermittlungen befragt sie aktuell auch Zeugen und wertet die Videoaufnahmen der Veranstaltung aus.

Außerdem erhoffen sich die Ermittler Hinweise aus der Bevölkerung: Zeugen werden gebeten, sich telefonisch bei der Polizei zu melden.

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Ende der dezent verzierten Meldung. Und nun – Schreck lass´ nach, auch noch ein Kommentar.

„Der frei zugängliche Zuschauerbereich“ – do legst di nieder, wie der Niederbayer sagt. Wahlkampfveranstaltungen mit einer Bundeskanzlerin, die aus Sicherheitsgründen keinen freien Zuschauerbereich hätten, in einem Land, in dem der Kölner Dom und etliche andere Bauwerke, Plätze und Bahnhöfe überwacht und geschützt werden müssen, wären die bizarrsten Wahlkampfveranstaltungen jemals und überhaupt! Jemand, der verantwortlich dafür ist, daß die Leute, um deren Stimmen er wirbt, nicht frei zu ihm kommen können, um zu hören, was er zu sagen hat? – Hallo? – „Frei zugänglicher Zuschauerbereich“?

 

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