Marionetta Slomka und ihr Feindbild

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Und tschüs, Ihr Linksfaschisten (Foto: Screenshot/Youtube)

Der Puppe eines Bauchredners macht man keinen Vorwurf für das, was sie sagt, wie sie sich verhält und welche Grimasse sie zieht, schließlich hat sie die Hand ihres Schöpfers bis zum Anschlag im Arsch und hat das zu erzählen, was die Stimme aus dem Off sich so alles ausdenkt. Der Sinn einer solch künstlerischen, zumeist kabarettistischen Veranstaltung ist, das Publikum mit frechem Witz und oft genug auch mit plattem Humor zu unterhalten. Das johlende Publikum klatscht sich vor Vergnügen auf die Schenkel und applaudiert dem Vortragenden.

Von Claudio Michele Mancini

Insofern kann man der ZDF-Moderatorin keinen Vorwurf machen, wenn sie in einer politischen Sendung genau die Linie einhält, die der Arbeitgeber -, mit geschickter Führung in ihrem wohl proportionierten Gesäß vorgibt. Man braucht nicht viel Phantasie, wie die Bauchredner in den Sendern ticken. Daher habe ich mich nachträglich entschlossen, die Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ mit Marietta Slomka als Polit-Kabarett einzustufen. „Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politikern und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert“, erklärte ZDF-Chefredakteur Peter Frey in einem Statement, hat aber leider vergessen zu erwähnen, wo er während der Moderation seine Hand hatte.

Die Talkrunde hatte wieder einmal das Zeug zur Farce. Denn erneut versammelten sich – ganz im klassischen Format einer Hau-Drauf-Talk-Show -, 6 Gäste und eine Prügelknäbin. Teilnehmer der Runde waren Andreas Scheuer (CSU), Heiko Maas (SPD), Jürgen Trittin (GRÜNE), Katja Kipping (LINKE) und Katja Suding (FD) und unsere allseits geliebte Frau von der Leyen (CDU). Während Marionetta mit moralisch-belehrendem Vokabular die glasklaren Fakten der AFD-Vertreterin Alice Weidel mit geradezu herablassender Attitüde zu widerlegen suchte, erntete die AFD-Vorsitzende sowohl verbal und mimisch als auch gestisch die übliche Klassendresche.

Ob nun Frau Weidel den Eklat geplant hat, wie manche behaupten, oder sie nur gesundes Selbstbewusstsein und Rückgrat bewies, ich jedenfalls zolle Frau Weidel Respekt. Es war meinem Empfinden nach richtig, das Ränzlein zu schnüren. Die gehässige Schadenfreude, die Süffisanz und die Häme in den Gesichtern der politischen Kontrahenten wie auch in der Mine der Moderatorin bestätigt genau das Niveau, dem man sich keinesfalls aussetzt, wenn man Charakter und Format hat.

Man muss kein AFD-Anhänger sein, es gebietet der Anstand, der Respekt und die Kinderstube, den scheinbar Politiker längst über Bord geworfen haben: Niemand muss sich „coram publicum“ Herabwürdigung, Geringschätzung oder Diskreditierung gefallen lassen – schon gar nicht von einem CSU-Politiker wie Scheuer, der wegen unrechtmäßigen Führens eines akademischen Titels vor Gericht gezerrt wurde. Immerhin, er hat den Doktortitel von seinem Visitenkärtchen gestrichen. Aber das kennt man ja. Wer so gar nichts zu bieten hat, schmückt sich eben mit einem Titel, das macht bei den handverlesenen Claqueuren etwas her. Man könnte in Tränen ausbrechen, wenn man sieht, dass mehrheitlich Blindgänger und Verbalprotze ein Volk führen wollen.

Es hat an dieser Stelle wenig Sinn, sich inhaltlich noch einmal mit den politischen Themen und Zielsetzungen intellektuell höchst mittelmäßiger Kandidaten auseinanderzusetzen, zumal ihre standardisierten Floskeln und Worthülsen mittlerweile jeden Zuhörer minutenschnell ins Schlafkoma befördern. Wenn sich allerdings eine Moderatorin die Animositäten und Feindbilder der restlichen Anwesenden zu eigen macht und vorsätzlich eine missliebige Politikerin qua tendenziöser Moderation zur lächerlichen Figur machen will, dann kann man eine öffentlichen Wahl-Diskurs nicht mehr ernst nehmen. Offen gestanden, wenn ich Clowns, Kapriolen und Slapsticks sehen will, gehe ich in einen Zirkus, dann kann ich wenigstens lachen, wenn Hanswürste, Komiker und Possenreißer „ehrlich“ auf die Schnauze fallen.

Ich weiß nicht, wen man mehr bedauern soll -, die armseligen Geister, die mit professioneller Perfektion an jeder Kinderstube vorbeischlittern, es überdies an jeder Fairness mangeln lassen und sich gebärden wie hämische Kleinkinder oder das noch erbärmlichere Publikum, das diesen selbstverliebten Affen applaudiert. Nun ja, betrachten wir das Theater als schöne Aufführung eines Senders, der vorzugsweise Bauchredner als Moderatoren beschäftigen.

 

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