Wird die größte Angst der Deutschen die Wahl beeinflussen?

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Angst (Foto: Pixabay)

„Die Ängste der Deutschen erleben einen historischen Umschwung“, titelte die „Welt“ heute.

Nach den Anschlägen von Berlin und in anderen europäischen Städten haben viele Deutsche Angst vor Terror. Die Sorge vor Terrorattacken rangiert auf Platz 1 der Langzeit-Umfrage „Die Ängste der Deutschen“, welche von der R+V Verischerug durchgeführt worden ist. Deutlich dahinter folgen Ängste vor politischem Extremismus und vor Spannungen mit eingewanderten Ausländern.

Die Deutschen gelten international als besonders ängstlich. Als Nation seien sie besonders anfällig für Sorgen aller Art. Das stimmt mit Befragungen und soziologischen Untersuchungen überein, die regelmäßig ein hohes Angst-Niveau der Deutschen bestätigen. Das gilt auch für 2017.

Dennoch ist in dieses Jahr etwas anders. Denn die „deutsche Angst“ erlebt einen grundlegenden Wandel. Der wiederum ist geeignet, die Bundestagswahl am 24. September zu entscheiden.

Nichts fürchten die Deutschen dieses Jahr so sehr wie politische Extreme und alltägliche Gewalt. Sie befürchten eine Überstrapazierung der gesellschaftlichen Grundstruktur und daß die Gesellschaft zerreißt.

Weit dahinter kommen andere Sorgen wie etwa die Kosten der EU-Schuldenkrise und Schadstoffe in Nahrungsmitteln. Die Studie „Ängste der Deutschen“ erregt besondere Aufmerksamkeit, weil sie als einzige langfristig angelegt ist. Seit Anfang der 90er-Jahre erforschen Politikwissenschaftler und Meinungsforscher die Sorgen der Bürger in Deutschland.

Wie bereits 2016 liegt die Furcht vor Terrorismus auf Platz eins. „Die Angst vor Anschlägen liegt mit deutlichem Abstand mit über 70 Prozent auf einem der höchsten Werte, der jemals in der Langzeitstudie gemessen wurde“, so die R+V-Expertin Brigitte Römstedt bei der Präsentation der Studie am Donnerstag in Berlin.

Der Politologe Manfred G. Schmidt, Professor an der Universität Heidelberg, sieht in den Ergebnissen einen historischen Umschwung. Seit den 90er-Jahren hatten wirtschaftliche Sorgen ein großes Gewicht. Die ökonomischen Befürchtungen seien jedoch in gesellschaftliche umgeschlagen. „Die Wirtschaftsängste sind dramatisch zurückgegangen“, so die Diagnose des Politikwissenschaftlers.

Der Paradigmenwechsel könnte auch die Bundestagswahl beeinflussen. „Mathematisch gesehen mag die Wahrscheinlichkeit höher sein, einen Sechser im Lotto zu landen, als Opfer eines Terroranschlags zu werden“, erklärte Politologe Schmidt. Dennoch solle man die Ängste ernstnehmen. Sie gruppierten sich um einen realen Kern.

Im Gegensatz zu Amerikanern, denen man ein „Streben nach Glück“ nachsagt, seien die Bundesbürger traditionell eher durch das „Streben nach Sicherheit“ zutreffend beschrieben. Die anhaltenden Ängsten spiegelten daher womöglich die „ungemachten Hausaufgaben“ der Politik. Die wiederum sollte die größte Sorge der Deutschen durchaus als Aufgabe begeifen.

Dass die Bundesbürger mit den Folgen der Migration stark beschäftigt sind, stimmt mit einer Erhebung des GfK – Vereins von vor zwei Wochen überein. Darin äußerten sich 56 Prozent der Befragten dahingehend, dass sie Zuwanderung und resultierend mögliche Komplikationen für die größte gesellschaftliche Herausforderung halten. (ME)

 

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