Unglaublich: Bad Windsheim protestiert gegen Ausländerbehörde

"Bad Windsheim protestiert." - Ganz Bad Windsheim? (Foto: Max Erdinger/Jouwatch)

Im malerischen Bad Windsheim, einem Städtchen, das mit Eingemeindungen etwa 12.000 Einwohner hat und einziger Kurort Mittelfrankens ist, hat es Proteste gegen die Ausländerbehörde gegeben, wie auf nordbayern.de zu lesen ist. Hat ganz Bad Windsheim protestiert, wie die Schlagzeile insinuiert? – Wer genau hat protestiert und warum? Eine Medienkritik.

von Max Erdinger

Zitat: „Jungen Flüchtlingen wurde eine Zukunft mit Ausbildung und Arbeit verwehrt.“ – Zitatende

Vielen Bürgern in diesem Lande wird mit Verweisen auf Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen alles mögliche verwehrt. Das ist zunächst einmal nicht ungewöhnlich. Aber man kann hier schön erkennen, was eine tendenziöse Berichterstattung ist. Der Satz wäre nämlich auch deutlich neutraler zu formulieren gewesen, z.B. so: „Junge Flüchtlinge scheinen keinen Rechtsanspruch auf Ausbildung und Arbeit zu haben.“ Eine Zukunft wurde ihnen natürlich nicht verwehrt. Ausbildung und Arbeit scheinen ihnen verwehrt worden zu sein.

Zitat:“Die Ausländerbehörde untersagte Mohammad Mokhtar Nasseri seine Ausbildungsstelle als Hotelier am 1. September anzutreten. Die Gründe scheinen bizarr.“ – Zitatende.

Da hat den Autor wohl der Mut verlassen. Die Gründe „scheinen“? Scheinen sie außer dem Autor noch irgendjemandem bizarr zu sein? Warum schreibt er nicht „sind bizarr“? Sind sie womöglich nicht bizarr, sondern rechtlich bloß ärgerlich für die linken Freunde bei nordbayern.de? Und scheint ihnen etwas, weil ihnen die Rechtswirklichkeit nicht gefällt, sie das aber lieber nicht schreiben wollen? „Uns bei nordbayern.de gefallen Recht und Gesetz nicht“, wäre ja jetzt nicht genau das, was der Leser für informativ halten würde. Da scheint mir doch der bizarre Hund begraben zu sein.

Zitat: „Doch so wie Mohammad geht es vielen Flüchtlingen in Bad Windsheim.“ – Zitatende

Wieviele sind „viele Flüchtlinge“ in der malerischen Stadt, die von Spöttern gern auch „Bad Winzigklein“ genannt wird? In ganz Deutschland befindet sich bekanntlich eine riesige Zahl von Flüchtlingen, die sich illegal im Lande aufhält. Weder fallen sie unter eine Flüchtlingskonvention, noch können sie als Asylbewerber mit Erfolgaussichten auf Anerkennung gelten (Drittstaatenregelung) – usw.usf.

Einige davon werden wohl auch in Bad Windsheim zu finden sein. „Einige“ wäre aber etwas anderes als „viele“. „Viele“ halte ich für ausgeschlossen. Ich kenne Bad Windsheim sehr gut. Ich wohne mit Unterbrechungen seit vierzig Jahren da.

Zitat: „Deshalb startete nun ein Protest, bei dem einige schwere Vorwürfe gegen die Ausländerbehörde erheben.“ – Zitatende.

Einige also. In der Schlagzeile klang das noch so: „Bad Windsheim protestiert …“. Aber wie das bei Linken so ist: Insinuation und Desinformation, so weit das Auge reicht. Der Leiter der online-redaktion der Nürnberger Nachrichten, einem tiefroten Blatt, das den sog. Mantel für die Lokalpresse der Region liefert, ist ein Bad Windsheimer, der mir persönlich seit Jugendzeiten bekannt ist. Die Nürnberger Nachrichten waschen den Franken seit Jahrzehnten das Hirn. Mein Bekannter aus Jugendjahren war eine zeitlang Angehöriger der SPD-Stadtratsfraktion in unserem Städtchen.

Die AfD Nürnberg erwähnt ihn in dieser Stellungnahme bei Facebook – Zitat: „Matthias Oberth von der NN online Redaktion lässt ab jetzt keine abweichende Meinung mehr zu. Damit versucht er den Anschein zu erwecken als hätte die NN in den letzten Monaten zum Thema „Flüchtlingskrise“ differenziert berichtet, was, wie wir alle wissen, nicht der Fall war. Sie (Anm. die NN) haben sich bei dem Thema den Namen Lügenpresse sogar redlich verdient: Über eine Demo einer Bürgerinitiative am 31.01. gegen Merkels verfehlte Politik mit über 1000 Teilnehmern gemäß Angaben des Veranstalters und Teilen der Stadt (andere sprachen von 700) schrieb man in der Printausgabe der NN von 170 Teilnehmern um sie künstlich kleinzureden.

Während man am 19.01. eine Polizeistatistik zitiert mit „In Nürnberg lag der Anteil der von Flüchtlingen begangenen Straftaten an den Gesamtstraftaten bis Ende Oktober 2015 bei 6,4 Prozent.“, was bei ca. einem Prozent der Bevölkerung im gesamten Zeitraum einem Faktor von 6 Mal so vielen Straftaten wie in der Bevölkerung entspricht, schieb man am 31.01.: „Gemessen an der Zahl der Flüchtlinge sind das nur halb so viele Straftaten wie in der Bevölkerung.“

Aufmerksame Leser der NN wissen: Nie wurden wir und unsere sachlichen Einwände zu dem Thema gehört oder unsere Presseerklärungen veröffentlicht, nie wurde fair und neutral über uns berichtet. Wenn es etwas über uns zu schreiben gab, dann wurden wir in den Dreck gezogen – ohne uns vorher zu hören, ohne Rückfragen und ohne Information.“ – Zitatende.

So, jetzt wissen wir mehr über Matthias Oberth, den „Chef“ des Verfassers Harald J. Munzinger, von dem die gegenständliche „Protest-Meldung“ stammt. Munzinger ist Fotograf und Redakteur in Neustadt a.d. Aisch, etwa 20 Kilometer östlich von Bad Windsheim. Zurück zu seiner Meldung bei Nordbayern.de –

Zitat: „Der Abschied von Mohammad Mokhtar Nasseri aus seinem Kollegenkreis ( …)  wurde zu einer Solidaritätsbekundung für ihn, wie auch andere Flüchtlinge, die am 1. September ihre Ausbildungsstelle nicht antreten durften, da ihnen das von der Ausländerbehörde bei der Regierung von Mittelfranken versagt wurde. ( … ) rund 40 Mitarbeiter reagierten auf die Entscheidung der Behörde fassungslos, zwei jungen Männern aus Afghanistan die Chance zu nehmen, sich als Hotelfachleute ausbilden zu lassen. Umso mehr, als sich Mohammad Mokhtar Nasseri seit Dezember letzten Jahres in einem Qualifizierungsjahr bestens in seine Aufgabenbereiche eingearbeitet und in das Mitarbeiterteam integriert habe. „Wir sind MO“ solidarisierte sich dieses mit der Aufschrift auf T-Shirts, die das Bild des Abschiedsabends in einem eigens aufgebauten Zelt am Kurpark prägen sollten.“ – Zitatende.

Afghanen also. Afghanistan ist ein Land, in das abgeschoben werden darf, auch wenn einige Bundesländer keine Abschiebungen dorthin vornehmen. Die Sicherheitslage dort gilt als regional unterschiedlich. Ländliche Gebiete werden oft von Taliban kontrolliert. Etwa zwei Drittel der Afghanen wohnen jedoch in urbanen Ballungsgebieten, die selbst für die Bundesregierung als ausreichend sicher gelten, um dorthin abzuschieben. Pech also für die beiden Bad Windsheimer Afghanen, daß Bad Windsheim in Bayern liegt.

Der Freistaat Bayern schiebt durchaus nach Afghanistan ab und ist dabei mit geltendem Recht im Einklang. Die Protestaktion in Bad Windsheim dokumentierte also nicht Empörung über einen Rechtsbruch der Ausländerbehörde, sondern lediglich den persönlichen Willen einiger Protestierer. Deswegen auch die Formulierung weiter oben: „Gründe scheinen bizarr“. Richtig: Sie scheinen den Protestierern bizarr zu sein, sind es realiter aber nicht.

Von „Bad Windsheim protestiert“ kann sowieso keine Rede sein. Letztlich haben die Protestierer mit ihrer Aktion also dokumentiert, daß ihnen bestimmte gesetzliche Regelungen nicht gefallen. Das sei ihnen unbenommen. Mir gefallen auch etliche Gesetze nicht. Noch nicht einmal, daß Nordbayern.de als Nachrichtenseite Partei ergreift, halte ich für besonders verwerflich. Nur hätten sie den Artikel dort halt nicht marktschreierisch („Bad Windsheim protestiert“) als Meldung bringen dürfen, sondern hätten es glasklar als einen Meinungsartikel markieren müssen. Aber selbst dann wäre „Bad Windsheim protestiert“ eine Lüge gewesen. Tatsächlich haben einige Wenige protestiert.

Zitat: „Zur prekären Lage der Flüchtlinge kommt jene der Betriebe ( … ) In allen Branchen herrsche Mitarbeitermangel und eine Behörde treffe ihre „Billigungsentscheidung“ nicht etwa im Interesse beider Seiten, sondern nach nicht nachvollziehbaren Kriterien, wurde dies massiv kritisiert. So schaffe man es ganz sicher nicht, kam es frustriert zu Ausdruck, dass dies „am Staat zweifeln“ lasse. Von himmelschreiender Ungerechtigkeit und Kurzsichtigkeit war in angeregten Gesprächen die Rede.“ – Zitatende

Ungerechtigkeit und Kurzsichtigkeit sind sehr subjektive Bewertungen. Auf die kann eine Ausländerbehörde verständlicherweise keine Rücksicht nehmen. Im Übrigen wäre mir neu, daß bei uns im Städtchen „in allen Branchen“ Mitarbeitermangel herrscht. Im Gegenteil: Leute mit zwei abgeschlossenen, durchaus gefragten Berufsausbildungen, finden hier in der Region oftmals lediglich Jobs als Produktionshelfer, für die sie keinerlei Berufsausbildung gebraucht hätten. Was meineneinen mit den Bad Windsheimer Protestierern vereint, das ist, daß wir „am Staat zweifeln“. Meinereiner allerdings aus völlig anderen Gründen.

Zitat: „Der SPD-Landtagsabgeordnete Carsten Träger begrüßte die Initiative, auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen und ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal zu setzen. Vielleicht verbinde sich damit gerade in Wahlkampfzeiten ein Funke Hoffnung.“ – Zitatende.

Carsten Träger (SPD) grinst mich allerweil täglich von hundert Wahlplakaten an. Von dem würde ich keinen Gebrauchtwagen kaufen. Es gibt zwei Sorten Plakate von ihm. Mit der einen will er anscheinend die Staatsgläubigen ansprechen, Leute also, die bis heute der Ansicht sind, daß ein geschniegelter Anzug seriös macht: Er grinst wie die Jugendausgabe von Sigmar Gabriel feist, rot krawattiert und selbstzufrieden durch die Frontscheibe ins Auto herein, daß man allerweil mit heruntergeklappter Sonnenblende durch den Landkreis fährt, um nicht die ganze Zeit von einem belästigt zu werden, der grinst, als hätte er gerade lustvoll Nachbars Kanichen erwürgt, ohne dabei erwischt worden zu sein. Auf der anderen Sorte Plakate spricht er mehr die Jugend an. Jackett zwar, aber lässig mit einem grünen oder einem pinkfarbenen T-Shirt unten drunter. Ich gebe es zu: Ich kann ihn schon wegen seiner Plakate nicht leiden. So sehen Karrieristen aus, keine Volksvertreter. Daß er aber wahrscheinlich ein Spezi von NN-Oberth und dessen Munzinger ist, glaube ich sofort.

 

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