Michael Klonovsky: Sklaverei – Der „Tarantel-Biss“ des schlechten Gewissens

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Die Sklaverei - nicht nur ein weißes "Problem" (Foto: Durch Everett Historical/Shutterstock)

Wie so oft stellt ein alter weißer Mann die richtigen Fragen. „Als die Muslime ihr Weltreich eroberten, errichteten sie die größte und langlebigste Sklaverei der Weltgeschichte“, schreibt der Historiker Egon Flaig, Ordinarius für Alte Geschichte an der Universität Rostock, in seinem Buch „Weltgeschichte der Sklaverei“ (C. H. Beck, 2011, hier). Die muslimische Sklaverei sei aber seit dem 19. Jahrhundert beschönigt – man denke an die verschwiemelte Haremsromantik in der europäischen Kunst – und inzwischen nahezu zum Tabu erhoben worden.

Von Michael Klonovsky

Während die Sklavenhaltung der Weißen, speziell in den USA, zu Recht am Pranger steht, in Filmen und durch Denkmale an sie erinnert wird, während engagierte Linksextremisten in Übersee ihre Taliban-Instinkte an Konförderierten-Denkmalen ausleben – der Glaube an den Weihnachtsmann ist dort durch jenen ersetzt worden, es sei im amerikanischen Bürgerkrieg vor allem um Sklavenbefreiung gegangen –, stehen nirgendwo Monumente „für den riesigen Teil versklavter Afrikaner, welcher nicht exportiert wurde, sondern in den großen Versklaverstaaten verblieb“, notiert Flaig. „Und wo sind die Denkmale für den Export in die islamische Welt? Für die neun Millionen, welche durch die Sahara verschleppt wurden und die mindestens acht Millionen, die über den Indischen Ozean und das Rote Meer gingen?“

Solche Fragen seien unerwünscht. Doch indem man jene 17 Millionen Versklavten leugne, spreche man ihnen den Status ab, ebenso Opfer zu sein wie ihre zwölf Millionen Leidensgenossen, die nach Amerika deportiert wurden. „Warum?“, fragt Flaig. „Sind die Menschen von minderem Wert? Zwischen afrikanischen Ethnien waltet ein kräftiger Rassismus; doch was darf er ungestraft anrichten?“ Das Leugnen gehe jedoch noch viel weiter; verschwiegen werde ganz bewusst, dass Afrikaner Afrikaner verkauften. „Und es wird beharrlich geleugnet, daß es Afrikaner waren, die jene fast 30 Millionen Exportierten versklavten.“

Überhaupt kein Thema in den von Schuldvorwürfen an die Weißen bestimmten sogenannten Debatten sei, dass „die westliche Kolonialisierung – und nur sie – die Sklaverei in Afrika beendet hat, in mühsamem Kampf gegen die afrikanischen Eliten und Versklaver-Ethnien“. Inzwischen verbinden sich die Schuldzuweisungen bekanntlich mit Wiedergutmachungsforderung. Groteskerweise, so Flaig, seien es „großenteils die Angehörigen der ehemaligen Versklaver-Etnien“, die heute in der Opferrolle auftreten. So habe Ali Mohamed Osman Yasin, Justizminister des Sudan, auf der Durban-Konferenz 2001 Entschädigungen gefordert, als Regierungsmitglied eines Landes, „wo Schwarze seit über 30 Jahren erneut versklavt werden“.

Aber warum richten sich diese Wiedergutmachungsappelle ausschließlich an die weiße Welt? Die Antwort ist simpel: Weil dort – und nur dort – sowohl das schlechte Gewissen als auch die nötigen Gelder existieren, um zur Kasse gebeten resp. zur Ader gelassen werden zu können. Die muslimischen Sklavenhalternachkommen besitzen zwar, was die Ölstaaten betrifft, noch mehr Geld, aber der „Tarantel-Biss“ (Nietzsche) des schlechten Gewissens, der Protestanten und deren Nachfahren unheilbare psychische Schäden zufügen kann, ist für fromme Dienern Allahs bekanntlich vollkommen ungefährlich, sie spüren ihn nicht einmal. Zumal die Sklaven ja fast ausschließlich Ungläubige, also ohnehinnige Höllenkandidaten waren. Aber die närrische westliche Idee der Gerechtigkeit lässt immerhin die Frage zu: Falls die weißen Sklavenhalternachfahren Entschädigungen zahlen, die sich im hohen Milliardenbereich bewegen würden, warum dann nicht die anderen? Flaig: „Wieviele Billionen haben dann die moslemischen Länder des Sahel an ihre südlichen Nachbarn zu zahlen, und wieviele die nicht-islamischen Kriegerethnien an ihre Nachbarn? Wieviele Billionen müssen die Suhali an ihre Opfer zahlen? Ganz zu schweigen von den ungeheuren Summen, mit welchen die Kernländer des Islam ihre Schuld gegenüber Schwarzafrika tilgen müssten.“

Hier stoßen wir auf die nächste Falle der selektiven Erinnerung. Warum ist bei der Sklaverei immer bloß von Schwarzafrika die Rede? Auch Indien, belehrt uns der Historiker, könne „riesige Reparationsforderungen an Afghanistan, Pakistan, Persien und Usbekistan stellen“ – eine amüsante Vorstellung: Reparationsforderungen an Afghanistan, aber darf ich bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass Hindukusch „Hindu-Mörder“ bedeutet, zumindest in der Lesart des Forschungsreisenden Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert die gesamte islamische Welt durchquerte und den Namen auf die zahlreichen Hindu-Sklaven zurückführte, die bei ihrer Verschleppung in diesen Bergen ums Leben kamen. Einige Forscher wollen inzwischen zwar herausgefunden haben, dass sich „Kush“ aus dem Sanskrit ableitet und der Name schon lange vor der Entstehung des Islams bekannt war, was freilich nicht das Geringste am Sachverhalt ändert; „brav“ bedeutete früher auch einmal „tapfer“. Ferner, listet Flaig auf, könnten Russland und die Ukraine „enorme Summen“ von der Türkei, dem Irak und Persien verlangen.

Fassen wir zusammen: Sklavenfang und Sklavenhandel wurden nicht primär von Weißen betrieben, sondern von Schwarzen und Muslimen, die Weißen waren vor allem Sklavenhalter. Die meisten Sklaven verbrachten ihr trostloses Leben in der muslimischen Welt. Die Idee der individuellen Freiheit ist eine exklusiv westliche, sie brachte die Sklaverei in weiten Teilen des Planeten zum Verschwinden. Aber wird die globalisierte Menschheit ihr künftiges Zusammenleben auf jene westliche Freiheit gründen? Flaig: „Andernfalls war der größte Sieg in der Geschichte der Menschheit eine verebbende Welle, und unsere westliche Kultur bleibt eine Zeitinsel inmitten eines endlosen Ozeans von Unfreiheit.“ Die im Westen mit selektiver Erinnerung einen Neuanfang nehmen könnte.

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Noch zum Thema:

FdGr.geg.Sklavenhandel.jpgDer Kernsatz auf deutsch: „Der Handel mit Negern ist mir stets als eine Schmach für die Menschheit erschienen, niemals werde ich ihn gestatten oder durch eine Handlung meinerseits begünstigen.“

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