Warum hat Luxemburg einen so niedrigen Moslemanteil?

Foto: Durch S-F/Shutterstock
Sieht hier jemand einen Moslem? (Foto: Durch S-F/Shutterstock)

Das kleine Land im Zentrum Westeuropas ist umgeben vom Saarland, Rheinland-Pfalz, der Grand Est Region im Osten Frankreichs und dem voll durchislamisierten Belgien. Obendrauf hat Luxemburg einen der höchsten pro-Kopf Einkommen der Welt, offene Grenzen und beinahe die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Ausländern. Trotzdem hat das Land einen Islamanteil, der mindestens um zwei Drittel niedriger liegt, als in den umliegenden Regionen.

Von Ingmar Blessing

Angesichts der vielen Terroranschläge in Belgien und der vielen Terroristen, die in Brüssel, Antwerpen und andernorts in Belgien einen Unterschlupf fanden, ist allgemein bekannt, dass das Land über einen sehr hohen Islamanteil verfügt, der so schnell steigt, dass der Islam in dem Land bereits in einer Generation die größte Religion sein dürfte. Offiziell liegt der belgische Islamanteil bei etwa sechs Prozent, wobei es starke regionale Unterschiede gibt. In Brüssel ist bereits heute jeder siebte ein Moslem. Inoffiziell kann man annehmen, dass der Anteil im ganzen aufgrund der Migrationskrise in den letzten Jahren weiter gestiegen ist. Insgesamt lässt sich festhalten, dass in Belgien bedeutend mehr Moslems leben, als im nur einen Steinwurf entfernten Luxemburg.

Ähnliches gilt für den Grand Est, der neugeschaffenen Region im Osten Frankreichs, die unter anderem das frühere Elsaß und Lothringen umfasst. Es ist bekannt, dass beide Regionen über einen sehr hohen Moslemanteil verfügen, da es es um frühere Zentren der Bergbau- und Stahlindustrie handelt. Entsprechend attraktiv waren die wichtigen Orte in der Nachkriegszeit und nach der Abspaltung Algeriens für zugewanderte Moslems. Leider liegen für Frankreich aufgrund des strikten Laizismus kaum zuverlässige Zahlen zur Religionsausübung vor. Sucht man indirekt nach Moscheen, dann finden sich etwa in und um Metz herum gleich ein Dutzend davon. Der Moslemanteil in Metz zumindest dürfte damit deutlich über dem Landesschnitt liegen, welcher vor der Migrationskrise konservativ bei acht Prozent bemessen wurde, was bereits beim vierfachen des luxemburgischen Wertes entspricht.

Als drittes ist das kleine Herzogtum von den deutschen Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz umgeben. Die Zahlen zu den beiden Bundesländern sind vage, als definitive offizielle Zahl gibt es nur eine von 2008, die den Anteil von Moslems in Rheinland-Pfalz bei 3,8 Prozent sieht. Dank der Migrationskrise, die den Moslemanteil in Deutschland in nur zwei Jahren um etwa zwei Prozent angehoben hat, und dem Schlüssel, mit dem die dadurch ins Land gekommenen „Flüchtlinge“ verteilt wurden, kann man davon ausgehen, dass auch in den beiden Bundesländern der Anteil Moslems in kürzester Zeit um jenen Anteil erhöht wurde, wie es überhaupt Moslems in Luxemburg gibt. Auch von deutscher Seite her gibt es also ein starkes Gefälle in Richtung Luxemburg.

Die große Frage ist, woran liegt das?

Wäre Luxemburg so arm wie etwa Mazedonien, der niedrige Anteil wäre verständlich, aber Luxemburg ist steinreich.

Hätte Luxemburg seine Grenzen geschlossen wie das verbrämte Ungarn, dann wäre es ebenfalls nachvollziehbar. Luxemburg aber ist integraler Teil von Schengen, der Ort Schengen liegt sogar in Luxemburg!

Ebenso wenig lässt sich die überwiegende Abwesenheit von Moslems im Großherzogtum mit der schlechten Erreichbarkeit erklären. Im Unterschied zu Irland oder Finnland liegt Luxemburg mittendrin und ist fest eingebunden in die kontinentalen Verkehrswege.

Könnte es vielleicht an den schlechten luxemburgischen Sozialleistungen liegen? Das Baltikum etwa nahm seinen Anteil Migranten bereitwillig auf und gab ihnen das, was ihnen zustand. Eine Unterkunft, drei Mahlzeiten am Tag und ein kleines Taschengeld. Trotzdem zogen die Migranten in Scharen über Polen nach Deutschland weiter. Luxemburg dagegen zahlt seinen Zukurzgekommenen üppig, die haben also kein finanzielles Interesse am gehen. Und liegt nicht das EUGh in Luxemburg? Also jenes Gericht, das immer wieder zugunsten von Migranten entscheidet und beispielsweise verlangt, dass ihnen die selben Leistungen wie Einheimischen zusteht? Daran kann es also auch nicht liegen.

Möglicherweise ist Luxemburg ja einfach nicht bekannt genug unter Pakistanis. Bei Schweden leuchten die Augen – aber Luxemburg? Eher nicht. Ähnliches gilt aber auch für Dänemark, wobei das Land bei der Weltumma seit der in der Jytllands Posten abgedruckten Mohammed-Karikatur einen ordentlich ramponierten Ruf genießt. Wer zieht schon gerne in ein so feindlich gesinntes Land, möchte man da meinen – und doch gibt es noch immer neuankommende Moslems in Dänemark. Nicht so aber in Luxemburg. Es muss also etwas anderes sein.

Bleibt noch die Sprache, Letzeburgisch ist nicht jedermanns Sache. Allerdings muss man nicht allzu viel graben, bis man feststellt, dass die Luxemburger standardmäßig vielsprachig sind. Kaum einer beherrscht Deutsch, Französisch und Englisch nicht fließend. Für die Kommunikation mit potenziellen „Neu hinzugekommenen“ stünde also alles bereit.

Mehr fällt mir nicht ein. Vielleicht findet noch jemand eine naheliegend Ursache für die deutliche Unterrepräsentation von Moslems in Luxemburg, aber man muss sich schon fragen, wie das kleine Land dieses Kunststück fertigbringt. Logisch wäre nämlich etwas anderes.

Aber wer weiß, vielleicht sind die Letzeburger am Ende einfach nur islamophob.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.