Nürnberg: Redeverbot für Alexander Gauland?

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Immer gut für ein knackiges Statement: Alexander Gauland (Foto: JouWatch)

Die AfD wollte am kommenden Samstag eine Wahlkampfveranstaltung in der Nürnberger Meistersingerhalle abhalten. Ein SPD-Bürgermeister grätscht nun dazwischen und der Oberbürgermeister gibt seinen totalitären Segen zu diesem schweren Foul.

Max Erdinger

Die Meistersingerhalle ist angemietet, der Mietvertrag unterschrieben, die Wahlkampfveranstaltung der AfD könnte am Samstag beginnen. Man kennt das eigentlich: Parteien haben auch Spitzenkandidaten. Doch, oh Wunder, den Nürnberger SPD-Bürgermeister Christian Vogel (est nomen omen?) scheint das zu überraschen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel muß ihn die Einflüsterung seines Wissensreferenten (vermutlich ein normal Gebildeter aus dem oberen Aischgrund) getroffen haben, der zufolge es sich beim Spitzenkandidaten der AfD um den klugen und eloquenten Alexander Gauland handelt.

„Das geht aber gar nicht!“, scheint sich der SPD-Vogel daraufhin gedacht zu haben – und ließ von irgendwelchen SubalternInnen im Rathaus einen Brief an die AfD verfassen, der es in sich hat. Die AfD soll rechtswirksam zusagen, daß Gauland am Samstag als Spitzenkandidat seiner Partei auf einer Wahlkampfveranstaltung ebendieser Partei „das Wort“ – nicht – „ergreifen“ wird. Wortergreifung, Machtergreifung … irgendwie muß der rote Vogel so eine Assoziation gehabt haben.

Schreiben Nürnberg/AfD (Foto: Facebook Screenshot)

Die Befürchtung des Unterchefs aller roten Pfeffersäcke wahrscheinlich: Es war schon nicht besonders anständig damals, den Adolf reden zu lassen. Deswegen sind wir dann Stadt der Reichsparteitage geworden. Dumm gelaufen. Das hängt uns bis heute nach. Nochmal passiert uns das nicht. Alexander fängt schließlich auch mit „A“ an.

Na ja, „oh heilige Einfalt“ auf jeden Fall. Politisch sind die Nürnberger seit 1517 völlig neben der Kappe, worunter gottlob die Qualität ihrer Bratwürste nicht gelitten hat.

Zitat aus dem Schreiben des Nürnberger Bürgermeisters Vogel: „“Wir … fordern Sie auf, bis Dienstag, den 05.09.2017 12 Uhr, eingehend beim Bürgermeisteramt der Stadt Nürnberg, rechtsverbindlich zu erklären, dass Alexander Gauland in der Veranstaltung am 09.09.2017 in der Meistersingerhalle nicht das Wort ergreifen wird. Sollte diese Erklärung nicht fristgerecht eingehen, werden wir vertragsgemäß (§ 23 Abs. 2 der Mietvertragsbedinungungen) vom Mietvertrag zurücktreten. Damit wird gleichzeitig ein Widerruf der Zulassung zur Meistersingerhalle verbunden sein.“ – Zitatende.

Da steht einem doch nur noch der Mund offen!? Was ist mit dem Oberbürgermeister? – Geschenkt. Der Oberbürgermeister ist ebenfalls von der SPD, heißt Ulrich Maly und ist Präsident des Deutschen Städtetags. Dem Schreiben an die AfD war eine Vollmacht beigefügt, vom OB unterschrieben, vermittels welcher der Oberbürgermeister selbst die Dame vom Rathaus-Bürostuhl autorisiert hatte, diesen Brief an die AfD zu verfassen und abzuschicken.

Zwar kann ich mir – man schimpfe mich einen unverbesserlichen Optimisten – auch nach Merkel, Maas, Konsorten, NetzDG und Facebook-Löschorgien nicht vorstellen, daß ein solches Schreiben irgendeiner rechtlichen Überprüfung standhält, weil der Sachverhalt, um den es geht, einfach viel zu grotesk wäre. Der Oberbürgermeister einer Stadt will dem Spitzenkandidaten einer zugelassenen Partei, die voraussichtlich drittstärkste Kraft im Bundestag werden wird, den Mund verbieten! Das ist doch … das ist ja … ja, was ist denn das? Da fehlen mir glatt die Worte. Das hätte Adolf Nazi selbst nicht besser hinbekommen.

Die fränkischen SPD-„Genies“ berufen sich natürlich auf Gaulands medial gehypte Äußerung, die er im thüringischen Eichsfeld gemacht hatte, wie die AfD in einer Pressemitteilung bestätigte: Die Staatsministerin Özoguz (SPD) werde wohl irgendwann einmal in Ostanatolien entsorgt werden, hatte Gauland dort gesagt. Weil hierzulande außer der Sprache keine „spezifisch deutsche Kultur“ für sie zu erkennen sei, wie Özoguz selbst formuliert hatte.

Die Roten heben recht scheinheilig auf „Entsorgung“ ab. „Entsorgung“ geht irgendwie nicht, obwohl es hunderte von Beispielen gibt, in denen Politiker von „Entsorgung“ gesprochen haben, wenn es nicht um Müll ging. Daß unfähige deutsche Politiker gerne „in Brüssel entsorgt“ werden, ist sogar eine stehende Redewendung. Warum ausgerechnet die Frau Özoguz von der Politikerentsorgung ausgenommen zu werden hat, weiß außer den roten Vögeln kein Mensch. Es muß auch keiner wissen. Es muß reichen, daß die Sozen in Nürnberg „den Richtigen entsorgen“ wollen: Alexander Gauland. Nürnberg ist „Stadt der Menschenrechte“ – und Alexander Gauland offenbar kein Mensch.

Die Spezialdemokraten aus Nürnberg müssen entsorgt werden. Und zwar in Fürth. Das ist die schlimmste Srafe, die es für einen Nürnberger gibt. Was bildet sich diese pestilenzartige Zensorenblase eigentlich ein?

Wenn die Veranstaltung am 09.09.2017 trotz der Querschläger aus der Nürnberger SPD und dem Rathaus dennoch stattfindet: Meine Empfehlung! Es lohnt sich nicht nur wegen Alexander Gauland, sondern vor allem auch wegen des ehemaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus, der in Nürnberg als „Special Guest“ angekündigt worden ist und einer der klügsten europäischen Spitzenpolitiker überhaupt ist.

Das muß man sich einmal vorstellen: Fränkische SPD-Provinzler wähnen sich in der Position, eine Veranstaltung platzen zu lassen, auf der ein ehemaliger Staatspräsident als Redner angekündigt ist. Denen ist nichts peinlich. Die schämen sich vor lauter Selbstgerechtigkeit für gar nichts mehr. Was für entsetzliche Kretins. Ich fasse es nicht.

 

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