Draghi und die Druckerpresse

Foto: Durch Jirsak/Shutterstock
Foto: Durch Jirsak/Shutterstock

Von der Europäischen Zentralbank (EZB) wird erwartet, dass sie ihre Anleiheankäufe reduziren wird, um das Konjunkturprogramm mit dem Gelddrucken (Quantitative Easing/QE) nach und nach zu beenden. Trotzdem erzählen mir vertrauenwürdige Quellen, dass sie bei der EZB extrem auf der Hut sind, weil sie Angst haben vor dem, was passieren könnte, falls keine Käufer für Anleihen auftreten werden und die Zinsen nach oben schießen. Die Unterschiede zwischen EZB und FED sind hierbei sehr deutlich. Die EZB hat 40 Prozent aller Staatsschulden der Eurozone in ihren Büchern. Die FED dagegen hat nicht annähernd so viele.

Von Martin Armstrong, übersetzt von Ingmar Blessing

Ganz offensichtlich haben die europäischen Finanzmärkte eine Abhängigkeit entwickelt für den nie dagewesenen Zufluss an billigem Geld, auch wenn die Ziele, das Wirtschaftswachstum und die Inflation zu steigern, damit nicht erreicht wurden. Damit aber stellt sich eine Frage, die man sich nur hinter dem Vorhang zu stellen traut: Wird die Wirtschaft abstürzen, wenn das QE beendet wird? Da die FED nie das Niveau der EZB erreicht hat gibt es in diesem Fall keine Vergleichsmöglichkeit mit den Vereinigten Staaten.

Die EZB erwartet, dass sie die im Rahmen des QE getätigten Anleihenankäufe aus der Eurozone graduell zurückfahren kann, auch wenn diese für die betroffenen Staaten wie ein Lebenserhaltungsprogramm wirkten. Dies ist zum Teil der Grund, weshalb Macron Europa föderalisieren will. Man befürchtet nämlich, dass es in den kommenden Monaten auf den Wertpapiermärkten zu massiven Verwerfungen kommen wird. Gehofft wird, dass der Euro an Wert verliert, damit die Entwöhnung vom billigen Geld mit Hilfe verstärkter Exporte und einer steigenden Inflation weniger schmerzhaft wird. Eine niedriger bewertete Währung würde dabei helfen, die konjunkturelle Lage der Eurozone zu verbessern, während ein steigender Wert des Euro nur den deflationären Druck steigern würde.

Die EZB wird die aktuell gehaltenen Anleihen vermutlich einfach auslaufen lassen, anstatt sie wieder auf dem Markt zu verkaufen. Jegliche Nachricht, dass die EZB ihre Anleihen wieder loswerden will würde ohnehin eine Schockwelle durch die europäischen Märkte gehen lassen. Daher besteht der einzig gangbare Weg darin, (1) die Ankäufe zu reduzieren und (2) das aktuelle Portfolio weiter zu halten und zu hoffen, dass Geld in die Privatwirtschaft fließt. Auf diese Weise wird das Stillhalten der EZB bei den Anleihen nicht zu einer Kernschmelze führen, sondern ermöglicht einen Übergang hin zu privaten Käufern. Allerdings wird dieses in Gedanken wunderbar klingende Szenario angesichts der aktuellen Zinsen nicht Realität werden. Wahrscheinlicher ist, dass die EZB noch über Jahre eine wichtige Rolle auf dem europäischen Anleihemarkt spielen wird. Es ist bei weitem wahrscheinlicher, weil sie in diesem Lebenserhaltungssystem gefangen ist und dem ganzen nicht ohne gravierende Konsequenzen entkommen kann.

Die Zentralbank selbst muss sich nun aber überlegen, wie sie die Zinsausschüttungen aus den gehaltenen Anleihen ausgeben will. Die EZB kündigte an, dass sie flexibel vorgehen will und es so lange wie nötig machen wird. Europäische Analysten gehen davon aus, dass die Mehrheit der Gelder aus den gehaltenen Anleihen in Bundesanleihen fließen werden. Gehofft wird auch, dass italienische und französische Papiere davon profitieren werden. Die EZB kauft nun seit März 2015 im großen Stil Staatsanleihen und andere Papiere. Die gekauften öffentlichen Schuldscheine haben eine Laufzeit von zwei bis dreißig Jahre. Insgesamt hält die EZB heute Anleihen im Wert von 2,28 Billionen Euro.

Draghi kann die Debatten maximal bis zum Treffen diesen Monats unterdrücken. Die EZB wird auch so langsam, wie möglich vorgehen. Die EZB wird ihre monatlichen Ankäufe im Jahr 2018 daher wahrscheinlich erst einmal von 60 auf 40 Milliarden Euro reduzieren, sich allerdings kein fixes Ziel vorgeben, um bei Bedarf auf Marktstörungen reagieren zu können. Seine Rede im Juni 2017, wonach die EZB wegen der wirtschaftlichen Erholung möglicherweise einen weniger expansiven Weg gehen kann schickte die Märkte allerdings nach unten und nicht nach oben wie gehofft. Der DAX überschritt sein Maximum im Juni mit Draghis erster Stellungnahme hinsichtlich der Beendigung des QE. Die Konsequenzen daraus waren schmerzhaft und Draghi musste sich hinter dem Vorhang einiges an Kritik gefallen lassen.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Medizinskandal Herzinfarkt