Laut offizieller Zahlen geht es bergauf mit Italiens Wirtschaft

Foto: Durch Marion Richter/Shutterstock
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Italiens Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit sinkt, was vor allem den aktuellen italienischen Ministerpräsidenten Gentiloni erfreut, aber auch die politische Elite insgesamt, da demnächst Parlamentswahlen anstehen und mit der Fünfsternebewegung und der Lega Nord zwei entschlossene EU- und eurokritische Parteien vorne liegen.

Von Ingmar Blessing

Nach einem vollen Jahrzehnt mit einer Wirtschaftsdepression, Stagnation der Löhne, extrem hoher Arbeitslosigkeit und einer Auswanderungswelle, die vor allem Süditalien quasi leergeräumt hat, befindet sich Italien laut offizieller Zahlen wieder auf dem aufsteigenden Ast. Ansa berichtet, dass die italienische Wirtschaft im zweiten Quartal laut der neuesten Zahlen der italienischen Statistikbehörde ISTAT saisonbereinigt um 0,4 Prozent gewachsen ist. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft gar um 1,6 Prozent. ISTAT Zahlen zeigen, dass die positive Entwicklung bereits ab dem zweiten Quartal 2015 begann. Auch die Arbeitslosenzahlen entwickeln sich wieder in Richtung Vorkrisenniveau. Laut The Local stieg die Zahl der Beschäftigten an und liegt nun wieder merklich über 23 Millionen, wie es letztmals im Jahr 2007 der Fall war. Die Entwicklung wird der Arbeitsmarktreform unter Matteo Renzi zugeschrieben.

Der aktuelle Ministerpräsident Gentiloni bezeichnete die Zahlen als „gute Wirtschaftssignale“ und drückte seine Hoffnung aus, dass mit dem zusätzlich eingenommenen Geld „der Kampf gegen die Armut und den sozialen Ausschluss“ intensiviert werden kann. Wie genau die Zahlen zustande kamen wollte Gentiloni offenbar nicht preisgeben. Neben bekannten Statistiktricksereien – inzwischen werden selbst Schätzungen zum Kokainhandel in die Berechnung des BIP einbezogen – ist zu vermuten, dass die italienische Tourismusindustrie von der politischen Unsicherheit in der Türkei profitiert.

Ebenfalls einen großen Einfluss haben die in Italien ankommenden Migranten, die künstlich den Konsum im Land anregen. Ausgerechnet seit 2015, dem Beginn der „Erholung“, explodierte die Zahl der sich im Land aufhaltenden Asylbewerber und illegalen Migranten. Bis 2015 lag die Zahl der in Italien lebenden Asylanten laut Weltbank bei etwa 120.000, während laut Statista allein seit Juli 2016 etwa 200.000 sogenannte „Bootsflüchtlinge“ in das Land gelangten.  Damit lässt sich sagen, dass das Wachstum der Wirtschaft teuer erkauft wird mit neuen Schulden, die für die Betreuung der Migranten aufgenommen werden müssen, sowie mit sozialem Unfrieden und Terroranschlägen, die sich aus der Anwesenheit der größtenteils illegalen Migranten ergeben.

In wieweit die offiziellen Zahlen der Realität entsprechen oder auch nur einen psychologischen Effekt haben sei dahingestellt. In Süditalien jedenfalls hat sich selbst die Mafia dazu entschlossen, dem Land aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise, die vor allem den Bausektor betrifft, das Land zu verlassen. Wie JouWatch berichtete leben inzwischen 562 italienische Mafiosi dauerhaft in Deutschland. Immer neue Fälle mit kriminellem Verhalten durch die italienische Mafia in Deutschland zeigen, dass die Mafiosi nicht nur privat, sondern auch professionell Italien den Rücken kehren.

Bedenkt man zusätzlich noch, dass vor allem Süditalien nicht nur unter einer Kinderarmut leidet, sondern das Land im vergangenen Jahrzehnt auch eine Auswanderungswelle erlebte wie letztmals vor über einem Jahrhundert, dann muss man sich schon fragen, wo genau die italienischen Statistikkünstler ihren Aufschwung herhaben. Viel mehr als ein Wahlkampfmanöver zur Abwendung des überfälligen Euroaustritts Italiens dürften die Zahlen daher nicht sein, da mit der Fünfsternebewegung und der Lega Nord gleich zwei Parteien vorne mitmischen, die bereit sind, den Knopf des Schleudersitzes zu drücken.

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