Werden demnächst die US Goldreserven aktiviert?

(Foto: Durch Scanrail1/Shutterstock
Zurück nach Deutschland? (Foto: Durch Scanrail1/Shutterstock)

In den letzten Wochen gab es zwei Geschichten rund um Gold, die sehr unüblich sind. Die eine handelte vom zurückgeholten deutschen Gold und die andere vom Gold in US Bundesbesitz, das vom amerikanischen Finanzminister inspiziert wurde.

Von Ingmar Blessing

Die geplante Rückholung von in den USA und andernorts gelagertem deutschen Gold konnte,wie berichtet wurde, vorzeitig abgeschlossen werden. James Rickard hält dies für eine Wahlkampfaktion, da die Rückholung deutschen Goldes rein zufällig kurz vor der letzten Bundestagswahl 2013 begann und nun kurz vor den nächsten Wahlen öffentlichkeitswirksam für beendet erklärt wird. Merkel versucht sich mit der Politisierung der deutschen Goldreserven bei konservativen Wählern offenbar einen Vorteil zu verschaffen, auch wenn mit 1.236 Tonnen ein Drittel der deutschen Reserven weiterhin in den USA lagern wird.

Laut Rickard wird das Gold trotz der theoretischen Möglichkeit, dass es von den USA konfisziert werden könnte, weiterhin dort gelassen, da es in New York (und in London) im Gegensatz zu Deutschland einen gut ausgebauten Markt für Papiergoldzertifikate gibt, für welche die deutschen Reserven verwendet werden können, um den Preis künstlich niedrig zu halten.

Während die Geschichte rund um das deutsche Gold also vor allem kurzfristigen Interessen geschuldet ist und nur nachrangig finanziell Gründe hat, könnte es sich bei der anderen Geschichte ums Gold, dem Inspektionsbesuch von US Finanzminister Mnuchin gemeinsam mit dem republikanischen Kongressanführer Mitch McConnell in Fort Knox, um etwas größeres handeln. Wie Rickard meint, könnten Mnuchin und McConnell sich vergewissert haben, dass das Gold auch tatsächlich noch da ist, weil sie etwas ganz bestimmtes damit vorhaben.

Momentan nämlich sind die US Goldreserven in den Rechnungsbüchern der US Bundesregierung mit 42,22 Dollar pro Unze bewertet. Der aktuelle Marktpreis des Goldes aber liegt bei etwa 1.300 Dollar, also dem 30-fachen. Die USA verfügen mit ihren über 8.000 Tonnen Gold folglich rein buchhaltungstechnisch über eine riesige Finanzreserve in Höhe von über 350 Milliarden Dollar.

Würde die Regierung die Bewertung des Goldes nun nach oben anpassen, dann stiege das buchhalterische Vermögen der USA deutlich an. Entsprechend sänke die Schuldenquote des Landes in Relation zum vorhandenen Vermögen und die Federal Reserve könnte einfach so weitere 350 Milliarden Dollar drucken, ohne sich technisch und politisch gesehen zu überschulden.

Dies hat deswegen eine Bedeutung, da es in den USA eine Verschuldungsobergrenze für den Bundesstaat gibt. Diese Grenze wird bei Bedarf zwar regelmäßig erhöht, allerdings wurde der Vorgang in den letzten Jahren immer mehr zum parteipolitischen Zankapfel, während es davor einen Konsens gab, diese Obergrenze gemeinsam effektiv zu ignorieren.

Nun aber, mit dem Außenseiter und Establishmentfeind Trump als Präsident ist es nicht unwahrscheinlich, dass die oppositionellen Demokraten gemeinsam mit einigen Republikanern versuchen werden, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs notwendige Anhebung der Schuldenobergrenze zu verhindern, um Trump damit einen weiteren, in diesem Fall möglicherweise schweren Schlag zu versetzen. Mit diesem Taschenspielertrick, den vor gut einem halben Jahrhundert Präsident Eisenhower bereits nutzte, würde Trump sich nicht nur Zeit verschaffen, sondern auch die entscheidenden Mittel, um seinen umfangreichen Infrastrukturplan finanzieren zu können.

Rickard stellt zu diesen beiden Geschichten fest, dass die Bedeutung von Gold nach außen hin zwar gerne kleingeredet wird und die Implikationen des Edelmetalles und seiner Preisentwicklung als irrelevant hingestellt wird, die hohe Politik das Gold in Wahrheit aber ganz genau im Blick behält.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...