Nach dem Waldsterben und dem Ozonloch kommt der Diesel-Pkw

Foto: Collage
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Es ist und bleibt ein Trauerspiel. Jedes Mal in der Geschichte bevorstehender Bundestagswahlen, werden die wahren Probleme verdrängt und der Wähler mit einer Umwelt-Horror-Meldung so geschockt, dass er alles andere vergessen soll. Frei nach dem Motto: Was kümmern mich noch die Flüchtlinge, wenn wir demnächst alle qualvoll ersticken werden, weil so viele Diesel-Pkw unterwegs sind. Pkw, wohlgemerkt. Die Lkw verpesten keine Luft. Davon gibt es in Deutschland (laut Kraftfahrtbundesamt 2017) auch nur 2,6 Millionen Fahrzeuge. Und die bringen Vater Staat rund 4,4 Milliarden Euro alleine an Mautgebühren in den Säckel. Schon allein deshalb sind die Dieselbrummer nicht umweltschädlich. Logisch. Aber:

Von Klaus Peter Schäfer

  • Jetzt, da unser Land, unsere Freiheit und unsere Demokratie ernsthaft bedroht sind,
  • Jetzt, da unserem Land der Untergang der eigenen Kultur droht,
  • Jetzt, da immer weniger Menschen Arbeit haben,
  • Jetzt, da die Jungen und Alten gleichermaßen vernachlässigt werden, usw…
  • Jetzt, ja jetzt – brauchen die PR-Chefs unserer Parteien dringend wieder ein Umweltthema, das alle anderen Probleme vergessen lässt. Ein Thema das ALLE BETRIFFT!!!

Diesmal ist es der böse Diesel-Pkw. Die Menschen entrüsten sich, vor allem die Dieselfahrer, sie diskutieren, argumentieren und zitieren. Studien werden veröffentlicht, im Auftrag gegeben und bezahlt von jenen, die die Ergebnisse vorgeben. Es ist wie immer. Und offensichtlich wirkt es wie immer. Oder haben Sie die Themen der Weltuntergangsszenarien der Vergangenheit schon vergessen?

Der deutsche Wald ist nicht mehr zu retten: Das Waldsterben

 In der alten Bundesrepublik – und auch ich bin dort groß geworden – hatte man so rund um 1980/1981 das Ende direkt vor Augen. 1981 sagte Bernhard Ulrich, Professor für forstliche Bodenkunde und Waldernährung (Göttingen) voraus, dass schon bis 1986 die ersten großen, deutschen Wälder gestorben sein werden. „Über allen Wipfeln ist Gift“, schrieb der Stern seiner Zeit. Und auch alle anderen Medien sprangen auf die Endzeit-Stimmungsmache an.

Ich will es kurz machen: Das Waldsterben hat es nie gegeben. Der saure Regen hat weder den Wald, noch den Menschen zerstört. Erinnern Sie sich? „Erst stirbt der Wald, dann der Mensch“. Puh, was hatten wir doch für ein Glück.

Zur gleichen Zeit aber, als nämlich 1983 die Regierung Schmidt nach einer schweren Krise stürzt und es zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, sind die Hauptthemen das Wettrüsten und – ACHTUNG!!! – die Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosenzahlen übersteigen erstmals die zwei Millionen. Und dank des Waldsterbens ziehen langhaarige Politiker in Jeans in den Bundestag, ja wir sprechen von den Grünen. Die Themen des Rüstens, die steigende Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise sind nun nicht mehr so interessant. Schließlich heißt die Devise: Achtung, der Wald stirbt!

Gestorben ist er nicht, der saure Regen war gar nicht so sauer, dafür aber der Bürger. Der durfte seinen alten, bezahlten Pkw mit einem KAT nachrüsten, oder sich gleich auf Raten einen Neuen kaufen. Clever.

Wald hat überlebt, jetzt kommt das Ozonloch

Okay. Handeln wir dieses Thema stichpunktartig ab. Das Ozonloch wächst, bedroht uns alle; Schuld sind das FCKW und natürlich das Kohlendioxid (CO2); nach jedem Wetterbericht im Radio werden im Sommer die aktuellen Ozonwerte durchgegeben; Rentner und Kleinkinder sollten sich bei hohen Wert im Haus aufhalten. Die große Frechheit: Trotz der politischen Vorgaben, wird das Ozonloch kleiner. 1974 erstmals entdeckt, kommt das Ozonloch erst mit Verspätung so gegen 1986  auf das Tablett politischer Horrorvisionen.

Zwischen dem Ozonloch und dem Waldsterben gibt es – was die politische Ausschlachtung angeht – zwar ein paar Unterschiede, aber eben auch viele Parallelen.

Soziale Unruhe, Angst vor Flüchtlingen? – Da kommt der Diesel gerade recht

Vor der diesjährigen Bundestagswahl hat man es nun geschafft, den Bürgern einen neuen Diskussionsstoff zu bieten. Und wer selbst einen Diesel fährt, wird nun genau die wählen, die dafür sorgen werden, dass es für den Betroffenen nicht zu teuer wird, wenn er seine „alte Karre“ weiterhin bewegen will. Man sieht: Politik ist ein relativ einfaches Geschäft und der Vorgehensweise der Kirchen im Mittelalter nicht unähnlich. Ängste schüren, die man gar nicht kannte und gleichzeitig Lösungen anbieten. Nun, auf die Lösung der Diesel-Pkw-Problematik müssen wir noch warten. Die wird aber in den nächsten zwei Wochen noch von irgendjemandem kommen. Und genau den werden wir dann am 24. September wählen. Wie gesagt: Clever!

 

 

 

 

 

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