Ägypten macht ernst und versucht das Bevölkerungswachstum einzudämmen

(Foto: Durch aaelrahman89/Shutterstock
Mehr oder weniger Ägypter in Kairo? (Foto: Durch aaelrahman89/Shutterstock)

Momentan bringen ägyptische Frauen im Schnitt noch immer vier Kinder zur Welt und nach aktuellen Schätzungen soll die heute gut 90 Millionen Menschen umfassende Bevölkerung auf knapp 130 Millionen im Jahr 2030 wachsen. Nun aber wird Ägypten unter Präsident Sisi zum ersten muslimischen Land, das systematisch etwas gegen seine explodierende Bevölkerung unternehmen wird.

Von Ingmar Blessing

Erst kürzlich wurden die Zahlen des aktuellen Zensus aus Pakistan veröffentlicht, worüber auch JouWatch berichtete. In nur einer Generation hat sich die dortige Bevölkerung verdoppelt. Nicht anders sieht es in Ägypten aus, wo wie in vielen unterentwickelten Ländern der massive Bevölkerungszuwachs für enorme Entwicklungsstörungen sorgt, da die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen nicht mitwachsen können. Armut, Elend, Gewalt und Extremismus sind die Folge. Im Falle Ägyptens wird dies besonders deutlich am Assuan Staudamm, der zu Beginn der Planung doppelt so viel Strom produzieren konnte als Ägypten verbrauchte. Als der Bau begonnen wurde war es noch gleich viel, da sich die Bevölkerung verdoppelte und zur Einweihung war es noch die Hälfte des Stromverbrauchs, der über den Staudamm gedeckt werden konnte. Heute ist es noch gut ein Zehntel, während der große Rest importiert werden muss.

Vor allem in den ländlichen Gebieten des Landes grassieren Bevölkerungswachstum und Armut, wogegen die Regierung nun aber mit einem Programm systematischen vorgehen will. Wie Reuters berichtet, erachtet Präsident Sisi das Bevölkerungswachstum sogar als eine „Gefahr für die nationale Entwicklung“. „Die beiden größten Gefahren für Ägypten,“  so Sisi, waren immer schon „der Terrorismus und das Bevölkerungswachstum, was beides die Entwicklung des Landes hemmt..“

Im Jahr 2016 wurden laut offizieller Statistik 2,6 Millionen Kinder geboren, vier Mal so viele wie in Deutschland mit einer vergleichbar großen Bevölkerung und gleich viele, wie  in den vier bevölkerungsstärksten EU Ländern zusammen.

Bis 2030 soll aber nun ein mit gut 10 Milliarden Euro ausgestattetes Programm des Gesundheitsministeriums die Geburtenrate auf 2,4 senken, was nur knapp über dem Reproduktionswert von 2,1 liegt. Ziel des Programms sind vor allem Familien auf dem Land, wo es aufgrund religiöser Vorurteile noch immer Widerstand gegen Verhütungsmittel gibt, obwohl Kondome und Pille laut islamischer Lehrmeinung im Gegensatz zur christlich-katholischen Ansicht nicht verboten sind. Mit Hilfe kostenloser Untersuchungen, spezieller Kliniken und Beratern und kostengünstigen Verhütungsmitteln soll das ambitionierte Ziel erreicht werden. Ägyptische Experten gehen davon aus, dass die Bevölkerung aufgrund der immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten das Programm annehmen werden, da den meisten heute klar ist, dass sie sich nicht mehr als ein oder zwei Kinder leisten können.

Bereits unter dem abgesetzten Präsidenten Mubarak gab es ein Programm zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums. Allerdings wurde es wieder aufgegeben, da befürchtet wurde, dass es das wirtschaftliche Wachstum des Landes hemmt.

Ein Blick auf die Seite des deutschen Entwicklungshilfeministeriums zeigt leider wieder einmal, dass aus Deutschland für Ägypten keine sachdienliche Hilfe zu erwarten ist. Im Bundesministerium hat man andere Schwerpunkte gesetzt. „Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Schwerpunkte Energie, Wasser und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Darüber hinaus fördert das BMZ Maßnahmen in den Bereichen Stadtentwicklung, Teilhabe der Zivilgesellschaft sowie Stärkung der wirtschaftlichen Integration von Frauen.“  Dazu „werden vor allem die ägyptischen Reformkräfte in Regierung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft“ unterstützt. Also das übliche zeitgeistgetriebene Programm ohne Anfang und Ende. Ganz so, als wäre das Problem inexistent wird das überbordende Bevölkerungswachstum unter „Situation und Zusammenarbeit“ der Ministeriumsseite für Ägypten kein einziges Mal erwähnt.

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