Wanderer, kommst du nach Brandenburg…

Gesperrt! (Bild: Acid Pix: Brücke gesperrt - Sackgasse; CC BY 2.0: siehe Link)

…sage, du habest uns hier neben der Baustelle stehend sehen, wie das Gesetz es befahl. Leonidas würde sich geschmeichelt fühlen. Aber sicher nur der alte Spartanerkönig. Denn hier leidet man wirklich völlig sinnfrei. Ortsumgehung, die durch eine Umleitung umgangen werden. Gesperrte Straßen. Autobahnen zugestaut. Landstraßen im Bau. Der Gipfel: Eine elektronische Verkehrstafel in Potsdams Norden, wo der Herr Oberbürgermeister vor seine neue Villa gerade eine Straßenbahn bauen lässt. Hier rät das Blinklicht mitten auf einer Brücke vor einem „Gesperrt-Schild“: „Bitte Bus nehmen oder auf das Fahrrad umsteigen. Danke.“ 

Von Schlaglicht

Nicht selten braucht man von Berlin mit dem Auto zweieinhalb Stunden zum benachbarten Flughafen Schönefeld, der übrigens immer noch nur zweispurig ans Straßennetz angebunden ist. Wie da irgendwann einmal 58 Millionen Menschen samt Logistik hin- und herfahren sollen, ist den Brandenburgern wie den Berlinern derzeit eine Breze. Schließlich lebt die Hauptstadt zu mehr als 70 Prozent vom Tourismus, zu mindestens 30 Prozent vom Steuerzahler. Doch beide werden ausgesperrt.

Infrastruktur in Brandenburg, das ist das Land drum herum. Und das ist dieses ominöse Wort, das hier noch keiner ernst genommen hat. Ist doch der Speckgürtel um Berlin, der Verflechtungsraum, das einzige, was in Brandenburg wirklich wächst. Neben den Schulden und den Luftschlössern und den Chaosmeldungen natürlich.

Während die Regio-Züge nicht nur zu Stoßzeiten voll gestopft sind, dass man keinen Platz bekommt, vergisst die rot-rote Landesregierung mit ihrer Ministerin Kathrin Schneider (SPD), Park-and-Ride- Parkplätze an den großen Bahnhöfen rund um die Stadt zu errichten. Es werden gegen die unzumutbar vollen Züge morgens und nachmittags keine weiteren auf die Schienen geschickt. Querverbindungen zwischen den einzelnen Bahnhöfen auf dem Land – etwa mit dem Bus – fehlen. Schnell fühlt man sich an Zentralafrika erinnert.

39 Prozent der Straßen in Brandenburg sind sanierungsbedürftig. Bei den Ortsdurchfahrten, durch die sich immer mehr Lkw quälen, sind es sogar 62 Prozent. Mit einem 100-Millionen-Programm über sechs Jahre sollte Abhilfe geschaffen werden. Ergebnis: Von den etwa 70 Maßnahmen sind 30 fertig. Der Rest ist ein Versprechen.

Große Infrastrukturpläne vergammeln in den Schubladen. In den 90er-Jahren wurden dutzende Gewerbegebiete mit einer super Infrastruktur erschlossen. Ansiedlungen? Fehlanzeige! Es war die Rede von beleuchteten Wiesen.

Und das Chaos auf den Autobahnen, das jedes Jahr mehr und mehr Todesopfer fordert, wächst. Gemeint sind nahezu alle Autobahnen im Land: 40 Baustellen lähmen derzeit die A 2, A 9, A 13 und die A 15. Sie konzentrieren sich wie immer auf die Sommerferien. Die Ministerin Schneider von der SPD hat dafür nur spöttische Worte: „Besser wir bauen, wenn die Schulbusse nicht fahren!“

Als ob Schulbusse die Autobahn benutzten! Der Rechnungshof hat ihr Stillstand vorgeworfen. Politische Gegner geistigen. Doch die Dame scheint diese Kritik nur zu amüsieren. In Brandenburg sind trotz der vielen Millionen die Straßen wirklich so schlecht wie ihr Ruf, oder gerade gesperrt, weil unsichtbare Bauarbeiter daran herumtüfteln. Der Wähler wird es ihr danken.

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.
Loading...