James Damore: „Die Zensur bei Google beginnt schon beim Algorithmus“

Konservative Street Art von Sabo vor der Google-Niederlassung in Venice Beach, Los Angeles Foto: Jefferson Graham/Twitter
Konservative Street Art von Sabo vor der Google-Niederlassung in Venice Beach, Los Angeles Foto: Jefferson Graham/Twitter

James Damore hat seinen Master in Biologie 2013 an der Harvard University gemacht und wollte gerade promovieren, als er auf ein Puzzle in der Zeitung antwortete und daraufhin von Google angeworben wurde.

Von Collin McMahon

Nachdem er eine Zusammenfassung zum Stand der wissenschaftlichen Forschung zu Gender-Unterschieden im Technologiesektor bei Google intern veröffentlicht hat und ein Klima des Gesinnungsterrors bei Google angeprangert hat, wurde er – wie als Beweis seiner These – prompt entlassen.

Der konservative Autor und YouTuber Milo Yiannopuolos hat mit James Damore gesprochen, gestern brachten wir Teil 1 unserer Zusammenfassung:

James Damore: „Ich habe mein Memo vor etwa eineinhalb Monaten geschrieben, nachdem ich an einem Vielfaltsworkshop teilgenommen haben, und habe es auf die Vielfalts-Website gepostet, wo keine Reaktion kam. (Milo: „So eine Überraschung.) Ja. Ich habe es dann an einzelne Mitarbeiter geschickt , unter denen dann tatsächlich so etwas wie eine vernünftige Diskussion entstanden ist. Aber erst als das Memo an die Öffentlichkeit kam und viral gegangen ist, entstand der Shitstorm und die ganze Entrüstung.“

Milo Yiannopoulos: „Du wurdest also erst zur Hassfigur, als du zu einer Gefahr wurdest. Als du nur eine einsame Stimme warst, war es ihnen egal. Als du dann aber Unterstützung bekamst war ihnen klar, dass sie dich vernichten müssen. Wie ist das passiert? Wurdest du zum Vorgesetzten gerufen, oder hast du komische Blicke bekommen?“

James Damore: „Hauptsächlich waren es öffentliche Posts. Mein Vice President hat gepostet, ‚Oh, das ist schädlich, lest das bitte nicht. Das ist nicht wofür wir stehen.’ Dann haben andere mit eingestimmt, ‚Genau, der Kerl ist ein Frauenhasser.’ Mein Vorgesetzter hat also die Plattform geliefert, um seinen Angestellten öffentlich zu kreuzigen. Sie haben mich zu Human Resources geschickt, aber die haben nur gesagt, ‚Wir können nichts dagegen tun, das ist eine Meinungsäußerung auf einem politischen Forum, das extra dafür gemacht ist, wir haben da keine Handhabe.’ Ich habe die Personalabteilung auf viele Beispiele illegaler Diskriminierung innerhalb Googles aufmerksam gemacht, wo Mitarbeiter aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe anders behandelt wurden, aber die haben nie etwas deswegen gemacht…“

Milo Yiannopoulos: „Natürlich nicht. Wie gefährlich ist dieses Klima des Gesinnungsterrors bei Google, und wie weitreichend?“

James Damore: „Sehr gefährlich. Es hat schon viele unserer Produkte negativ beeinflusst, vor allem YouTube. Die machen oft Jagd auf konservative YouTuber die als „rechts“ gebrandmarkt werden. Es sieht vielleicht nicht so aus wie ein persönlicher Rachefeldzug, bei dem Konten gesperrt oder Beiträge demonetarisiert werden, aber die Zensur beginnt schon beim Algorithmus, mit dem entschieden wird welche Videos gefährdende Inhalte haben, das hat enorme Auswirkungen auf die Reichweite. Das haben wir immer wieder in Einzelfällen bei konservativen YouTuber sehen können.“

Milo Yiannopoulos: „YouTube hat sich als fruchtbares Umfeld für libertäre und konservative Meinungen herausgestellt. Ich kenne Leute, die vor zwei Jahren mit YouTube $20- oder $30.000 im Monat verdient haben, das ist kein Pappenstil. Die sagen, sie werden jetzt systematisch demonetarisiert auf eine Weise, wie es Linke nie trifft. Deshalb sind die Leute so wütend und sind dir gegenüber so dankbar, weil du es ans Licht gebracht hast.

In deinem Memo ging es ja auch nicht darum, dass Frauen weniger geeignet wären, solche Jobs zu machen, sondern dass sie oft von sich aus vorziehen, es nicht zu tun. Das wurde in der Presse absichtlich völlig falsch dargestellt. Hat es dich überrascht, wie verlogen die Medien geworden sind?“

James Damore: „Ja, muss ich schon sagen. Das hat mich schon sehr erstaunt.“

Milo Yiannopoulos: „Manche von diesen Reportern sind einfach bloß dämlich, aber andere wissen ganau was sie tun. Und wenn eine Publikation wie Engadget dein Memo veröffentlicht, aber alle Quellenangaben und Fußnoten entfernt, um dann zu schreiben,  das Memo hätte keine Quellen und wäre schlampig recherchiert, dann ist das einfach nur gelogen. Absichtlich und vorsätzlich. Und dieses Muster setzte sich durch die ganzen Medien  fort. Hat dich das gewundert?“

James Damore: „Rückblickend verstehe ich, warum sie das gemacht haben. Aber im Vorfeld war mir nicht klar, wie voreingenommen die Medien tatsächlich sind. Immerhin steht das Memo im Internet und jeder kann es nachlesen.“

Milo Yiannopoulos: „Mann kann das was sie schreiben mit dem Memo vergleichen und feststellen, dass es nicht stimmt. Was sie vergessen ist, dass die Leser mittlerweile sagen, Halt, moment, ihr habt mich bezüglich Trump angelogen, ihr habt mich bezüglich des Islams angelogen, ihr habt mich bezüglich der Masseneinwanderung angelogen, warum sollte ich euch jetzt glauben? Also werde ich mir die Originalquelle anschauen. Und wenn ich das getan habe, dann werde ich nicht mehr James Damore anprangern, sondern die Medien…

Was wird passieren wenn über 50% der Bevölkerung das Vertrauen ins Internet, in die neuen Medien verlieren? Das ist das Dilemma, dass die alten Medien jetzt haben. Und dieses Misstrauen in die Lügenpresse könnte jetzt auch den Technologiesektor erreichen. Die sind eine ganze Weile lang damit durchgekommen. Die Menschen waren fast überzeugt, dass auf Twitter Meinungsfreiheit herrscht. Sie waren fast überzeugt, dass es Facebook nur darum ging, Menschen zu verbinden. Sie waren fast überzeugt, dass Google nur eine geniale Wissensmaschine war, die keinem was böses wollte. Das glaubt aber bald keiner mehr. Wenn das Vertrauen in den Technologiesektor auf das Niveau der Medien sinkt – nur  39% der Amerikaner vertrauen den Medien noch – dann wird das eine Katastrophe für uns alle. Wenn Google nicht mehr funktioniert, ist das eine Krise der Demokratie. Unser ganzes Leben, meine Firma, würde ohne Google nicht mehr funktionieren. Was hat dir am besten daran gefallen, bei Google zu arbeiten?“

James Damore: „Es gab Essen umsonst.“

Milo Yiannopoulos: „Im Ernst? (lacht) Geschenkt. Du bist Libertärer. Da freut man sich über Gratisessen. Du hast gesagt, du hast sehr gerne dort gearbeitet. Aber du willst sie jetzt verklagen. Wie wird das vonstatten gehene?“

James Damore: „Es gibt mehrere Strategien. Sie haben sich mir gegenüber mehrfach fehlverhalten. Ich wurde diffamiert, sie haben öffentlich über mich gelogen, und außerdem habe ich in meinem Memo auf illegale Aktivitäten hingewiesen und wurde daraufhin entlassen. Ich habe mich darüber beschwert, dass meine freie Meinungsäußerung unterdrückt werden soll und wurde dafür entlassen. Es gab eine richtige Vergeltungskampagne von Google.“

Milo Yiannopoulos: „Du bist für viele Leute eine Art Held geworden. Was ist dein Rat an diese Leute? Sollen Sie es dir nachmachen?

James Damore: „Ich kann keinem empfehlen, es mir nachzumachen, denn die Kosten waren doch sehr hoch. Aber man kann im Kleinen anfangen, dieses Klima der Intoleranz zu bekämpfen. Das können ja auch viele progressive Linke nachvollziehen. Niemand sollte intolerant gegenüber einer politischen Minderheit sein. Sobald ein Dialog wieder möglich wird, bekommen wir hoffentlich von sich aus ganz natürlich wieder die andere Seite in der Gender- und Vielfalts-Debatte zu hören.“

Milo Yiannopoulos: „Je mehr Leute wie du den Mund aufmachen, desto eher kommt der Tag, den dem der Würgegriff der politischen Korrektheit gebrochen wird und die Angst seine Meinung zu sagen verschwindet. Diese Herrschaft des Meinungsdiktats durch die Androhung des beruflichen Aus und der sozialen Isolation, um diese linken Verschwörungstheorien durchzusetzen ist ein unhaltbarer Zustand in Amerika, und der hat alle vier Säulen der wichtigsten Einrichtungen des Landes erfasst: Die Politik, die Medien, die Universitäten und nun den Technologiesektor. Ich finde das was du getan hast, sehr mutig, unvernünftig vielleicht für dich persönlich, aber ich bin aus rein egoistischen Gründen sehr froh, dass du es getan hast. Und du hast langfristig dem Land einen großen Dienst erwiesen.

So unsicher deine Zukunft jetzt auch aussieht – keine Ahnung wie dein Leben jetzt aussieht, wahrscheinlich bekommst du besorgte Anrufe von deinen Eltern, die fragen ob du Geld brauchst oder heimkommen willst (James: „Ja, so ist es.“) – will ich dir mitgeben, dass das was du getan hast in der Zukunft als eine epochale Zeitenwende gesehen werden wird, im unvermeidlichen Widerstand gegen diese politiche Korrektheit. Ich bin ein professioneller Beobachter dieser linken Spinner, und mein Gefühl ist, dass der Wind sich dreht – seit GamerGate, seit dir, seit Trump – man muss ja nicht alles gut finden, um zu erkennen woher der Wind weht: Ein gigantischer kultureller Widerstand, gegen Bestimmer, Besserwisser, militante Gutmenschen, und all diese Typen die uns sagen wollen wie wir zu leben haben und was wir glauben sollen, ohne irgendeinen Beleg dafür zu haben, nur weil es politisch korrekt ist. So schwierig die nächste Zeit für dich werden mag, glaube ich dass du mal als eine sehr bedeutende Figur in diesem kulturellen Meinungsumschwung angesehen werden wirst. Bitte halte uns weiterhin auf dem Laufenden, wie es dir ergeht. Denn die Linke herrscht nur durch Angst vor der Existenzvernichtung. Sie wollen, dass alle wissen, wenn du den Mund aufmachst passiert dir dasselbe wie James Damore. Aber sie haben dich nicht kleingekriegt, die haben dich nicht gebrochen, du lachst und trägst ein ‚Goolag’ T-Shirt, obwohl dein ganzer weiterer Lebensweg plötzlich völlig ungewiss ist. Das finde ich extrem spannend. Du hast etwas sehr Wichtiges getan, und dafür möchte ich dir danken. Vielleicht sprechen wir in einem halben Jahr wieder wenn du der Chef vom nächsten Google-Nachfolger bist.“

James Damore: „Alles klar. Danke“

 

Ein schönes Beispiel für Google-Zensur: Tippen Sie in der YouTube-Suchleiste die Buchstaben des Namens „James Damore“ nacheinander ein und warten Sie auf die Autocomplete-Funktion. Sie kommt nicht, obwohl es eine Fülle von erfolgreichen Videos zu dem Thema gibt.

JouWatch hat bereits mehrfach über mögliche Zensur konservativer SuchergebnisseWebseiten und Inhalte bei Google berichtet, sowie über Gesinnungsterror und Zwang zur politischen Korrektheit bis hinein in die Managementebene bei der weltgrößten Suchmaschine.

Wir haben bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und EVP-Chef Manfred Weber (CSU) angefragt, was die sonst so aktive Kommissarin und der Anführer der Konservativen im EU-Parlament zu den Vorwürfen von Zensur bei Google zu sagen haben. Das Büro der Abgeordneten der dänischen Radikalen Linken Vestager sagte uns nur: „Kein Kommentar.“ Manfred Weber hat bisher gar nicht reagiert. Die CSU war mal der Anwalt der deutschen Konservativen in solchen Dingen. Wir haben nachgefragt ob dem nicht mehr so ist.

James Damore im Gespräch mit Milo Yiannopoulos.

James Damore im Gespräch mit Jordan Peterson.

James Damore im Gespräch mit Stefan Molyneux

James Damore im Gespräch mit Ben Shapiro

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Bei Verlagsinteresse bitte Zuschrift.

 

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