Hitler für den täglichen Gebrauch

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Nicht mehr ganz dicht- Magazine (Foto: Collage)

„Wie die Documenta den Holocaust relativiert“, heißt eine Headline der WELT N24 in der laufenden Woche. Felix Stephan macht sich Gedanken über die Verwurstung einer tragischen Geschichte für Zwecke der Tagespolitik. Es geht offenbar um die Gleichsetzung von Grenzschutz mit Judenvergasung.

Von Wolfgang Prabel

Ja, Kassel war immer schon etwas schräg. Früher erfreute und ergötzte sich der immer auf der Suche nach Scheußlich- und Abartigkeiten befindliche Bionadebürger ja sogar an fettigen und verkeimten Badewannen. Aber es ist nicht nur die documenta, die sich in logische Abgründe begibt. In der gleichen Woche erschien ein Hitler-Trump-Vergleich auf dem Titelblatt der faschistoiden Elitistengazette STERN. Für mich ist Donald Trump zumindest sympathischer und realitätsnäher, als seine Gegnerin Hillary. Für amerikanische Ost- und Westküstenverhältnisse mit ihren Rede- und Denkverboten eine wahre Lichtgestalt. Die Begründung will ich mir an dieser Stelle mal schenken, um beim Thema zu bleiben.

Wenn man Hitler für den Vergleich mit Donald Trump „verbraucht“, wen hat man denn dann noch für Vergleiche beispielsweise mit dem Kim-Clan, Bundeszensurminister Maas oder Pöbelralle zur Verfügung? Kaiser Bokassa, der seinen Landeskindern die Ohren abschnitt? Oder den römischen Kaiser Caligula? Mir fällt nichts Vernünftiges ein, weil Vergleiche einfach doof sind. Das Problem: Der Hitlervergleich des STERN-Herausgebers ist einfach kraß unverhältnismäßig. Schließlich hat Trump die abgehobenen und lügnerischen Reporter von CNN und CBS nicht vergasen lassen. Und Hitler hätte sich kürzlich im Grabe rumgedreht (wenn er eins hätte), als sein vermeintlicher Wiedergänger Donald Trump in Warschau den Polen sagte: „Polen ist das Herz Europas“.

Für die STERN-Redakteure scheint Adolf seinen Schrecken verloren zu haben, wenn er an der transatlantischen Front gegen Präsident Trump als Dutzendbösewicht so inflationär verschlissen wird. Dem Herausgeber der Fake-Hitler-Tagebuch-Gazette ist nicht klar, daß ein Tabu davon lebt, daß man es nicht betritt. Der STERN trampelte im Tempel des Antifaschismus wie der Elefant im Porzellanladen herum. Nun ist es passiert.

Seit dieser Woche sind alle Tabus gebrochen und die Einmaligkeit der Verbrechen der NSDAP ist Geschichte. Die Selektionsrampe von Auschwitz ist, wenn man den Machern der documenta folgt, mit dem Einlaß in eine Disco vergleichbar und Hitler befindet sich auf einer Stufe mit dem typischen GEZ-Verweigerer, der den Medien mißtraut.

Bereits 2006 hatte ich beim Niederschreiben meiner Broschüre „Der Bausatz des Dritten Reiches“ eine Ahnung geäußert, von dem was inzwischen bei der „Geschichtsbewältigung“ passiert:

„Die ersten 50 Jahre nach 1945 gab es hinsichtlich der jüngeren Geschichte einige rote Linien, die nicht überschritten werden durften, und das war nicht immer schlecht so. Im neuen Jahrtausend werden diese historisch bedingten Tabus in einer gegenläufigen Tendenz in immer kleinere politische Reservate zurückgedrängt. Im Radio wird das camice nero, das Schwarze Hemd besungen. Theaterregisseure, Architekten, Galeristen und Ballettänzer gehen kaum noch ohne schwarzes Hemd auf die Gasse.

Viele neu errichtete Gebäude sehen aus wie das casa del fascio in Como, das 1932-36 errichtet wurde. In den Kaufhäusern nimmt die Zahl der Braun- und Erdtöne unserer Bekleidung über einen längeren Zeitraum betrachtet zu. Nach einer Meinungsumfrage aus dem Jahr 2005 meinen 38 % der Bundesbürger, daß der Nationalsozialismus wieder die Macht ergreifen wird. Die Umfrage ließ leider offen, ob sie die nächste Machtübernahme erwarten oder befürchten.“

Jede Handlung hat ihre Kehrseite. Diejenigen, die die Nazikeule so gern gebrauchen, machen sie durch die Anwendung in läppischen Situationen stumpf, ob sie das wollen oder nicht. Hitler stand jahrzehntelang als Denkmal auf einem hohen Sockel, durch den er alle anderen Bösewichter der Geschichte überragte. Nun wurde er für Zwecke der Tagespropaganda runtergeholt. Nicht vom verfemten Höcke oder seinem Freund Poggenburg, denen die Presse das sicher gerne und genußvoll unterstellt hätte, sondern von den versnobten Medien- und Kulturschnöseln selbst.

Eine STERN-Stunde? Es gibt immer Chancen und Risiken. Schaun wir mal was draus wird! Eine gute Bekannte hat zwei Vermutungen zu den finsteren Hintergründen:

  1. Die Elitisten von den Systenmedien planen schlimmere und blutigere Verbrechen als Hitler und wollen ihn vorher rehabilitieren
  2. Mit Rücksicht auf die zugereisten Moslems wird der Kampf gegen den  Antisemitismus als Schnee von gestern zur Seite geräumt

Ist schon kraß, hoffentlich irrt sie. Aber ausgeschlossen ist nichts.

Wandere aus, solange es noch geht!
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