Die Juden und Christopher Street: „Wie war das 1.Halbjahr 2017?“ Groß-ar-tig, Frau Springer!!

(Foto: Screenshot/Springer
Pat und Patachon (Foto: Screenshot/Springer)

Pat & Patachon?? Zwei Deppen aus dem Stummfilm. Einer lang, einer kurz. Beide ziemlich doof. Millionen Ommas und Oppas auf der ganzen Welt lachten sich einst einen Ast über die beiden dänischen Komiker. Gestern sah ich ihre Wiedergänger auf Video: Der baumlange Dr. Döpfner,der Stummel Dr. Deutz CEO (Chief Exekutive Officer) und CFO (Chief Financial Officer). Deutsch: Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer.Die Frage von Dr. Döpfner: „Wie war das 1.Halbjahr 2017 ?“. Die Antwort von Dr. Deutz: Groß-ar-tig!! Loriot hätte sich kaputt gelacht …

Von Peter Bartels

Letztes Jahr bei der „Springer-Show“ zum 3.Quartal, wirkte „Patachon“ Deutz (wie der Trecker!) im weissen, aber offenen Hemd noch irgendwie proletisch, diesmal trug er einen rotweiß gestreiften Schlips, sah etwas adretter, beflissener aus. Und platzte gleich mit bebenden Lippen raus, wie einst die Posaunen von Jericho: Wir hatten ein sehr gutes erstes Halbjahr … Wir haben unsere EBITA-Prognose erhöht. Ich denke, das sagt schon alles … Die Umsätze sind um fast sieben Prozent gestiegen und das EBITA um über 16 Prozent!

EBITA?? Für doofe BILD-Leser: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen. Ach sooo …Nach dem Augenschmatz vom langen Kerl, die eingeübt kecke Frage vom CFO an den CEO: „Wie steht es denn mit den Immobilien?“

Immobilien? Bis jetzt dachte der geneigte Zuschauer, er sieht und lauscht zwei very important people des größten europäischen Pressekonzerns. Wird er etwa von Pat & Patachon vergeigt? Neijan!! Dr. Döpfner: „Wir haben den Neubau und die Passage für 755 Millionen Euro verkauft. Das ist ein sehr guter Verkaufspreis … Und wir haben ein Gebäude, das wir für unsere kulturelle Transformation nutzen, ohne es besitzen zu müssen.“

Kulturelle Transformation? Wieder für doofe BILD-Leser: Analyse und Wandlung von Geschlecht, Gender, Feminismus und Geschlechter-Begriffe. Alles klar, auf der Andrea Doria? Jau, Udo …

Wer immer noch glaubt, die beiden Herren sind die Führung eines Presse- oder Zeitungshauses, darf sich die Augen reiben. Döpfner á la apropos: „Wo wir gerade über Zahlen und das Geschäft sprechen; Wie schlägt sich denn BUSINESS INSIDER deiner Meinung nach?“ Natürlich „seiner Meinung“ nach gut, sogar sehr gut: „Das Team hatte ein perfektes erstes Halbjahr, ein 50-prozentiges Umsatzwachstum –  ich finde, darüber können wir sehr glücklich und stolz sein.“ Und wieder eine Art apropos: „Wo wir gerade über BUSINESS INSIDER in New York sprechen…Wir waren dieses Jahr über die Kapitalmarkttage ja unter anderem in New York …“

Döpfer hat seinen Text gelernt, nimmt das Bällchen auf, spielt zurück: „… das war eine tolle Erfahrung. Wir waren gemeinsam mit den Geschäftsführern der Rubrikenangebote dort. Auf Wunsch der Investoren und der Analysten haben wir einen noch detaillierteren Einblick in die Finanzzahlen ihrer Unternehmen gegeben. Ich denke, das war ein großer Erfolg. Und wirklich eine tolle Erfahrung.“ Kapierst Du jetzt die hohen Reisespesen, Friede? „50 Prozent Umsatzwachstum!!“ Auf was??

Wieder für doofe BILD-Leser: „Business Insider“ ist KEINE Wirtschaftszeitung, wie Du vielleicht mit Deiner Mittleren Reife gedacht hast. Das ist ein 2009 in den USA gegründeter Dienst, der Nachrichtenseiten im Internet betreibt. Die Webseite bietet u.a. Politik- und Wirtschafts-Nachrichten an. Und macht Werbung. 2011 hatte der Laden 50 Mitarbeiter. 2012 hatte der Dienst 5,4 Millionen Zugriffe (JOUWATCH: 9 Millionen!!). Ende September 2015 kaufte Springer „weitere“ 88 Prozent, steigerte sich von 9 auf 97 Prozent, ist jetzt Eigentümer der Klitsche. Kaufpreis: 306 Millionen. Lire? Franc? Rubel? Euro!! Über 600 Millionen D-Mark. Über eine halbe Milliarde!!

Musik-Studioso Mathias Döpfner hatte Friede Springer nach irgendeinem Crescendo am Flügel im Journalistenclub, mit den getäfelten Pinewood-Wänder der alten London Times, mal versprochen, aus Geist Geld zu machen. Wahrscheinlich hat Axels Witwe das irgendwie andersrum verstanden. Oder doch nicht? Jedenfalls stellt  Kammerschauspieler „Pat“ Döpfner nach dieser berauschenden Halbjahresbilanz seinem „Patachon“ die finale Suggestivfrage: „Julian, was bereitet dir eigentlich Sorgen? Alles scheint so großartig zu sein  – gibt es denn (wirklich) nichts, das nicht so gut läuft??“

Und dieser Julian Deutz erinnert sich tatsächlich, dass sie eigentlich mal ein Zeitungshaus waren, womöglich, noch sind: „ … zum Beispiel, dass die BILD-AUFLAGE um etwa 10 Prozent abnimmt, macht mir schon Sorgen, weil wir immer noch rund ein Drittel unseres Geschäfts in Print machen“.

„Patachon“ macht sich Sorgen, aber lächelnd. Nicht „Pat“, der Vorstandsvorsitzende des Zeitungshauses Springer. Warum soll sich also Julian Reichelt, der Chefredakteur der Chefredakteure Sorgen machen? Warum Tanit Koch, die First Frau von BILD? Reicht doch, wenn sich der First Finanzchef einen Kopf macht … Sorgen? Bei immer noch 30 Prozent Umsatz im Print – Bereich?!! Aber auch Cleverle Deutz kennt das Textbuch, lenkt gleich zu wirklich Wichtigem ab und über: „Das Team leistet großartige Arbeit, die Zahlen des ersten Halbjahres waren auch sehr gut, dennoch ist das eine schwierige Entwicklung…

Das Männeken kommt dann aber auf DEN wirklich wichtigen Punkt: „Vor zehn Tagen fand der Christopher Street Day in Berlin statt und es waren wieder fast 200 Mitarbeiter auf dem Axel-Springer-Truck mit dabei. Der Christopher Street Day ist zu einer wirklich wichtigen Veranstaltung für das Unternehmen geworden. Warum warst Du denn nicht dabei?“ Ouuups?!! Der Herr Dr.Döpfner wird ernst: „Ich kann dir sagen, warum. Ich war mit einem unserer Redakteure in Ost-Polen. Wir haben uns dort die Vernichtungslager Sobibor, Belzec und Majdanek angeschaut. Und wie du dir vorstellen kannst, war das ein sehr trauriges, bewegendes, schreckliches Erlebnis. Aber andererseits hat es mir auch vor Augen geführt, wie wichtig Toleranz und Vielfalt sind und warum der Christopher Street Day eine so wichtige Veranstaltung ist. Wir sollten nächstes Jahr wieder zusammen hingehen.“ Der kleine Herr Deutz pflichtet energisch mit feuchten Lippen und Augen bei: „Auf jeden Fall !!“

Juden … Aussöhnung mit den Israelis … wurden von Axel C. Springer auf ewig in die DNA-Matrix der Mitarbeiter gebrannt. Keine noch so schwüle Schwuchtel durfte deshalb Mathias vor Majdanek abhalten. Zumal er ja von den Nazi-Opfern „Toleranz und Vielfalt“ lernen konnte, dadurch endlich weiß, wie wichtig der „Christopher Street Day“ ist …

Wenn das keine Logik ist! Hitlers Nazis haben 6 Millionen Juden ermordet. In Deutschland leben noch etwa 72 Millionen richtige Deutsche. Dank Merkel gibt es inzwischen oben drauf schon 10 Millionen Moslems. Aber egal zu welcher Zeit: Es gab nie mehr als 0,5 Prozent Homosexuelle in Deutschland, und 3,5 Prozent „gelegentliche“. Nichtmal in der Steinzeit. Also vier Prozent von 72 Millionen (Moslems sind ja nie schwul!!). Großzügig aufgerundet gibt es also 3 Millionen Schwule und Lesben in Deutschland … Als BILD 5 Millionen Zeitungen verkaufte, wurden täglich 72 Millionen Menschen angehimmelt, das Blatt zu kaufen. Wundert sich etwa einer, warum bei 3 Millionen angefunkter Massen, weniger als 1,5 Millionen das Blatt kaufen? Und auch die immer weniger werden? Vielleicht verkaufen die 200 Springer-Leute beim nächsten Mal BILD und WELT gleich vom schwulen Christopher-Truck? Döpfner‘s neue Zielgruppe bräuchte jedenfalls keine langen und teuren Betriebswege mehr…

Jedenfalls: Dieses knapp drei Minuten kurze Video schickten „Pat & Patachon“ jetzt an die Springer-Mitarbeiter. Demnächst wird es wohl wieder am WWW.Springer.de zu googlen sein. Jouwatch präsentiert es hier und heute. Bitteschön …

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