Kommt nach Deutschland!

Deutschland (Foto: Jouwatch)

Schienbeintritte und Albernheiten

Fragmente von Roi Henry

Verachtung ist ein großes Wort. Leichtfertig sollte man es nicht verwenden. Man sollte es vorsichtig angehen. Und konziliant natürlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen geht alles leichter, flüssiger.  A la rigueur dünnflüssig.

Ich lache für mein Leben gern. Ich lebe für mein Leben gern. Und doch ist sie da, die Verachtung. Ist irgendwann reingekommen und hat sich hingelegt wie ein zugelaufener Hund. Ich empfinde sie inzwischen für vieles. Sie steht mir in punkto Lebensfreude zwar bloss ein bisschen, aber deutlich im Weg. Was macht man damit? Ihr ausweichen, sie umgehen, kleinreden, zivilisieren oder gar füttern, wenn sie fast überall, wo man hinkommt, schon da ist? Hier wie in vielem: Im Wörtchen „fast“ liegt Rettung. Heureka!
Fast will man verachten, wenn man Eltern sieht, die gutes Funktionieren der Brut mit Verantwortung und Elternrolle gleichsetzen. Fast will man bitter werden, wenn man als Kinderarzt sieht, dass allenthalben Impfzwänge gefordert und gesetzlich verankert werden und die wichtigste Impfung – jene für Freiheit – nicht verabreicht wird. Wenn „den Kindern dienen“ bloss ein Bedienen und ansonsten reibungsloses Organisieren ist. Fast will man rufen: Es ist doch im Prinzip ganz einfach! Es kann heiter und schmerzlos über die Bühne gehen. Hört auf, in jeder Lebenslage auf ein Helmchen zurückzugreifen. Es ist lächerlich und würdelos, ständig die Verantwortung nicht nur für sein Tun und – schlimmer noch – für die Seinen von Anfang an wegzudelegieren. Das hat noch nie funktioniert und stets im Elend geendet.

Zum Glück bleibt es ein „Fast“.  Textfragmente wie dieses hier könnten Tritte sein. Tritte ins Schienbein. Man sagt, sie seien besonders schmerzhaft. Vielleicht sind viele Tritte erfolgreich, um etwas zu Fall zu bringen, was manche als „das System“, andere als „Wohlstands-Verwahrlosung“, „Versklavung“ oder andere als „kriminelle Machenschaften“ zwar hart, aber recht undeutlich anprangern. Es wabert ein giftiger Nebel durch das Land, durch alle Schichten und Häuser. Er hat noch keinen richtigen Namen, hat aber für viele schon fatal geendet.

Ich kann nicht leugnen, daß ich Freude daran habe, zu sehen, wie der staatlich organisierte und namenlose Moloch schwerfällig, laut ächzend und dennoch jämmerlich zu Boden geht. Tritte. Es braucht sie. Von vielen in grosser Zahl. Was wäre möglich, wenn in vielen Köpfen wieder nachgedacht würde? „Das Mögliche ist ungeheuer.“ Jeder muss selber entscheiden, ober er treten will. Wann und wie oft. Tritte sind etwas, das nicht andere für uns erledigen können.

Ansonsten bleibt nur das Verharren in der Helmchenmentalität. Ein Halbleben in der Gewissheit, daß die eigene Selbstzufriedenheit nicht im Geringsten davon tangiert wird, welche Partei eine Wahl gewinnt und wer über uns herrscht, sondern ausschliesslich davon, ob man für die folgenden Jahre wieder einen Grund hat, sich in den Leitplanken sogenannter Sicherheit wie immer zu verhalten. Weiter gehorchen, arbeiten und konsumieren. Das Spiel staatsfürsorglicher Rundum-Service-Zufriedenheit gegen sinnlose Gesinnungsdiktatur und Selbstaufgabe geht in die Verlängerung. Der Preis die Freiheit. Abschalten. Weggehen. Fast verachtet man. Aber nur fast. Die Liebe zum Land, das man das seine nennt, ist größer. Es bleibt Trauer.

Aber wie gesagt: Ich lache und lebe für mein Leben gern. Und als ein leidenschaftlicher und ungehörter Verfechter des Freiheitsgedankens kann ich von Herzen bekennen, daß es jedem Deutschen selbstverständlich zusteht, einen Hundehaufen anzubeten. Genauso, wie es mir zusteht, besagten Haufen vor der eigenen Tür still und leise zu beseitigen und mich ansonsten darum zu kümmern, selber sauber zu bleiben. Und mich ab und zu der einen oder anderen Albernheit wie beispielsweise der untenstehenden Werbebotschaft für noch Migrations-Scheue und Fast-Reisewillige zu widmen (kann auch singend gelesen werden):
Kommt nach Deutschland. Deutschland ist ein schönes Land. Das schönste Land der Welt. Man kann gefahrlos über Straßen gehen, natürlich unter Beachtung der Regeln des Straßenverkehrs. Man kann Wunderwerke der Technik jetzt auf allen Feldern sehen. Windräder. Schön, wie sie so langsam vor sich hindrehen. Und wie sauber ihr Strom. Deutschland ist kinderfreundlich. Überall ist’s bunt. Kinder mögen Farben. Das Angebot in Deutschlands Supermärkten ist gigantisch. Die Medienlandschaft in Deutschland ist vielfältig. Über fast alles wird knallig berichtet. Besonders leserfreundlich lässt man Nachrichten, die schockierend wirken könnten, verantwortungsvoll weg. Die Volksgesundheit erreicht ungeahnte Ausmaße. Das Durchschnittsalter beträgt bald fast zweihundert Jahre. Die Medizin kommt kaum nach. Pflegeheime schießen wie Pilze aus dem Boden und machen den Alten das Leben schöner und den Arbeitsmarkt attraktiv. Die deutschen Politiker sind die besten der Welt. Treu, warmherzig und bodenständig. Die Grünen werden geliebt ob ihrer weisen Voraussicht, dass es sich mit Vorschriften und Helmchen gar ganz vorzüglich lebt. Die sozialen Medien sind besonders in Deutschland beliebt. Man kann sich so oft streicheln, wie man möchte. Es ist herrlich. Deutschland ist eines der offensten Länder der Welt. Offen für den Islam, offene Grenzen, offen für Dosenpfand und die Ehe für alle. Offen für euch. Man denkt an das Schlaraffenland. Politisch korrekt natürlich. Deutschland steht jetzt stramm in Tradition mit der DDR. Rechtes Gedankengut wird zu recht verfolgt. Das beste von damals und heute hat sich zum Vorteil aller vereint. Deutschland ist in der Welt so beachtet und geachtet. Von diesem Boden wird nie wieder etwas ausgehen. Kartoffeln und Gerste vielleicht. Das stimmt uns alle so friedlich. Hier leben wir gerne, gehen unserer täglichen geliebten Beschäftigung nach und rufen damit allen begeistert zu: Kommt nach Deutschland. Hier lässt es sich gut leben.

_____________________________________

Dieser wundervolle Text meines Freundes Roi Henry ist zuerst erschienen bei  frankjordanblog. Roi Henry war früher Kinderarzt. Er ist vor etlichen Jahren bereits aus Deutschland weggezogen und lebt am Atlantik in Frankreich. Vielen Dank an Frank Jordan und Roi für die Genehmigung zur Veröffentlichung. (ME)