Dann bauen wir mal ’ne Mauer in Afrika…

(Foto: Durch bogdanhoda/Shutterstock
Gibt es bald wieder eine Mauer in Deutschland? (Foto: Durch bogdanhoda/Shutterstock)

Wie hört man von allen Politikern allenthalben in TV-Sendern? Wir müssen die Fluchtursachen in Afrika bekämpfen. Egal ob Göring-Eckart von den Grünen, Schulz von den Roten oder unser aller Merkel, der „Berliner Kinderchor“ trägt seit mehr als zwei Jahren uns Bürgen dreistimmig und vielversig das Lied über die Rettung Afrikas vor. »Wir müssen uns vor Terror und Schlepperbanden schützen«, ein Statement, das so abgegriffen ist wie eine pensionierte Veddel aus dem Rotlichtviertel der Hamburger Herbertstraße.

Von Claudio Michele Mancini

Noch während des Partei übergreifenden und ziemlich erbitterten Definitions-Streites über „Wirtschaftsflüchtlinge“ und „Asylsuchende“ und die gegenseitige Zerfleischung über den richtigen Gebrauch der Termini „Migrant“ und „Refugee“ tobt, glaubt jede noch so dämliche Polit-Nase das perfekte „Wording“ für seine politischen Botschaften gefunden zu haben. Und da man, angesichts Hunderttausender Besucher mangels Ausweispapieren nicht so genau weiß, wen man wie bezeichnen muss, ist auch hilfsbereiten Bürgern nicht klar, welchem Besucher aus dem schwarzen Kontinent man helfen könnte oder sollte. Es ist eine erbärmlich banale Feststellung mit großen Auswirkungen, zumal der sympathische schwarze Mann mit blitzendweißen Zähnen und großen Kulleraugen genauso gut ein IS-Kämpfer mit ausgeprägtem Hang zur Meuchelei sein könnte. Man weiß es halt nicht und verlässt in geduckter Haltung den Edeka-Markt.

Während die GRÜNEN, allen voran Frau Göring-Eckart, am liebsten halb Afrika unter ihre Fittiche nehmen würde, spricht unsere Fleisch gewordene Buchstütze aus Würselen den Italienern Mut zu, Flüchtlinge angemessen in ihrem Land zu versorgen. Hauptsache, sie behalten sie gleich da. Im gleichen Atemzug regt er sich vehement darüber auf, dass Ungarn und Polen so inhuman seien und ihren Verpflichtungen nicht nachkämen, weil sie keine Flüchtlinge aufnehmen. Frau Merkel ist ebenfalls aufmüpfig und mokiert sich darüber, dass Österreich Soldaten an den Brenner schickt. Na, sowas! Dass seit Anfang 2017 weniger Fremde in unser Land kommen, reklamieren dagegen unsere Parteiführer als eigenen Verdienst. Nun ja, Erfolg macht sexy, auch wenn es nicht der eigene ist. Auf der gesamten Regierungs- und Partei-Ebene hat man völlig verdrängt, dass es der österreichische Außenminister Kurz war, der die Gefahr sehr früh erkannte, die Grenze dicht machte und Deutschland vor einem noch schlimmeren Desaster bewahrt hat.

Frau Merkel möchte nun das eigene Kontingent um 40.000 Flüchtlinge erhöhen, wohl wissend, dass die Balkanroute dicht ist und nicht nur die Anrainerstaaten, sondern auch unsere europäischen Nachbarn samt und sonders die Nase gestrichen voll haben. Jetzt allerdings landet Deutschland einen bemerkenswerten Coup in Sachen Lösungsansatz gegen Überfremdung und Plünderung unserer Sozialsysteme. Sozusagen ein politischer Geniestreich, wie er nur in Berlin ausgedacht werden kann.

Am Wochenende hatte die „Welt am Sonntag“ berichtet, dass die EU helfen wolle, die Südgrenze Libyens gegen illegale Migranten abzusichern. Ein Mauerbau quer durch den afrikanischen Kontinent, angefangen in Eritrea über den Sudan und den Tschad bis Niger und Mali. Hat man sich nicht erst kürzlich über Trump und dessen Mauer an der Grenze Mexikos aufgeregt? Ist man nicht noch vor Kurzem verbal über Ungarn hergefallen, als man dort einen Zaun errichtete?

Die neuen Vereinbarungen mit den afrikanischen Notstandsgebieten sind so wegweisend wie ein elegant ausgeführter Kopfsprung von der Golden Gate Brücke hinunter in die San Francisco-Bay. Um die Idee einer unüberwindlichen und beschützten Mauer zu verwirklichen, werden korrupte Potentaten, Warlords, grausame Diktatoren und gefährliche Despoten mit massenhaft Militärgütern, Geld und guten militärischen Beratern ausgestattet. Sie sollen helfen, Menschen, die der Hungernot entrinnen wollen, notfalls mit Waffengewalt zurückzuschlagen.

Es ist infam, ach was sag ich, Zynismus in Reinform, wenn europäische Politiker mit der Idee hausieren gehen, halb verhungerten Arbeitskräften vor Ort einzusetzen, um sich selbst einzumauern, damit sie hinterher nicht fliehen? Brunnenbauer, Agronomen, Saatgut und Traktoren wären fürs gleiche Geld auch zu haben und nicht in dubiosen Kanälen versickern. Gesicherte ärztliche Versorgung, Medikamente, Aufklärung über Krankheiten und Schwangerschaftsverhütungen würden in der Summe nicht annähernd so viel kosten, wie Waffen, Munition und Folgekriege…

Nur zur Erinnerung! Potentielle Terroristen rekrutieren sich überwiegend aus den IS-Gebieten, kommen aus Syrien, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. Es ist eine Kultur, die nichts anderes gelernt hat, als Gewalt, Unterdrückung, Hass und Fanatismus. Wirtschaftsflüchtlinge dagegen aus Eritrea, Sudan, Niger und Mali – also aus dem tiefen Süden, die ihr Land verlassen, weil sie in unbeschreiblicher wirtschaftlicher Not leiden. Die wirklichen Gefahren lauern eindeutig in Nordafrika, die ganze westliche Kulturen ins Wanken bringen und Nationen spalten, Bürger in Unsicherheit und Angst stürzen und uns hunderte von Milliarden Euros kosten. Jahrzehntelang!

Die Europäische Union ist aufs plötzlich höchste alarmiert. Angesichts der jäh ausbreitenden Aufregung entfleucht ein spontanes: Ach, was…! Es ist erschütternd, dass sich unter den Tausenden von Abgeordneten in Brüssels Geldvernichtungsmaschine nicht ein einziger politischer Kopf ifindet, der eine vernünftige Idee zur Handhabung des Problems geriert. Längst wissen diese intellektuellen Trauerfälle in Nadelstreifen und Kostümen, dass im vergangenen Jahr der Rekordwert von rund 180.000 Migranten registriert wurde, die in Italien zu 85% ohne Ausweispapiere ankamen. In den ersten Wochen dieses Jahres sind es noch deutlich mehr Personen geworden als im Vorjahreszeitraum.

Verstehe einer die europäische Logik. Plant man eine Mauer mitten in Schwarzafrika, um Wirtschaftsflüchtlinge abzuhalten, nicht aber Terroristen aus dem Norden? Ist das das Verständnis einer deutschen Regierung, Flüchtlingsursachen mit Waffengewalt in Gebieten zu bekämpfen, die man mit dem gleichen Geld aufbauen könnte? Wäre es nicht wirksamer, bitterarme Gebiete mit Ausbildung, Gerätschaften zur Selbstversorgung, Schulen, Lehrern, Ausbildern und technischem Know-How auszustatten und zu unterstützen? Denn diese Leute würden bleiben, wenn sie Erfolge sehen. Auch wenn ich keine Affinität zur damaligen DDR habe, aber die haben es mit Angola und Somalia vorgemacht. Geld: nein, Waffen: nein, ausbilden: ja, bleiben: nein. Während dieser Zeit war dort Ruhe im Karton.

Ich frage mich wirklich nicht mehr, was in deutschen Politikerköpfen los ist. Weshalb, wirft Gabriel nicht die politischen Klamotten einfach hin und arbeitet als Rezeptionist in der Zahnarztpraxis seiner Frau. Ich würde ihn nicht vermissen. Warum übernimmt Schulz nicht eine kleine Buchhandlung in Würselen, denn das traue ich ihm notfalls zu. Und wieso machen Heiko Maas und Göring-Eckard nicht eine schnucklige Eisdiele irgendwo in der Eifel auf. Dort ist es auch sehr schön. Anton Hofreiter könnte auf der Außenterrasse die Blumenkübel wässern und Özdemir die Gäste bedienen. Auf diese Weise stören sie nicht, wären nützlich und fallen nicht weiter auf.

Wandere aus, solange es noch geht!
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