Die US-Schuldenblase beginnt zu platzen

Foto: Durch Marcos Mesa Sam Wordley/Shutterstock
Amerika ist verschuldet (Foto: Durch Marcos Mesa Sam Wordley/Shutterstock)

In den vergangenen 20 Jahren wurden in den USA massive Schulden aufgebaut. Nicht nur die Staatsschulden sind geradezu explodiert, sondern auch die Privathaushalte haben sich massiv verschuldet. In den USA ist es trotz Finanzkrise und der verheerenden Folgen normal, dass man Kreditkartenschulden für tägliche Ausgaben wie auch Kredite für Autos, das Studium und den Hausbau vor sich herträgt. In sämtlichen Bereichen sind die Schulden in den letzten Jahren gestiegen. Nun allerdings beginnt diese Blase laut Finanzanalysten zu platzen.

Von Ingmar Blessing

Den Hauptindikator für das Platzen der Schuldenblase sieht man bei Investment Research Dynamics im Rückgang um 10 Prozent auf dem Markt für Eigenheime. Zwar wurden auch andere Erklärungsmuster angeführt, die nichts mit der Überschuldung potenzieller Käufer zu tun haben, wie etwa, daß es einen Engpass an qualifizierten Arbeitskräften geben soll, allerdings sei dies nur an der Oberfläche der Fall. In Wahrheit aber sind die Löhne im Baugewerbe so weit gesunken, dass es sich nicht mehr lohnt, dort einer Tätigkeit nachzugehen. Als Fahrer für Uber zu arbeiten ist bei weitem weniger anstrengend und man kann fast das Doppelte dessen verdienen, was ein einfacher Bauarbeiter bekommt.

Würden die Baufirmen aber wettbewerbsfähige Löhne zahlen, dann hätte dies zur Folge, dass die Nachfrage nach neuen Häusern noch weiter einbricht. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Privathaushalte kaum mehr neue Schulden machen können, da ihnen sonst der Zahlungsausfall droht. Laut der US Kreditbankenvereinigung lässt sich die erreichte Decke der Kreditvergabe daran ablesen, dass die Neukreditvergabe seit einem halben Jahr fast durchgehend zurückgeht, obwohl die Zinsen für neue Kredite ebenfalls einen Rückgang erleben.

Obwohl mit den niedrigen Zinsen und mit der geringeren Neuverschuldung die Tilgung nach oben gehen sollte, sind die Ratenrückstände in den letzten drei Monaten in allen Bereichen privater Verschuldung nach oben gegangen. Die Zahlungsmoral bei der Bedienung von Krediten für Autos, Immobilien, und allgemein Kreditkartenschulden hat sich jeweils verschlechtert. Teilweise sind die Ausfallraten um mehrere Prozent gestiegen, wobei man bei Investment Research Dynamics schätzt, dass von allen Studienkrediten in Höhe von mindestens 1,2 Billionen Dollar etwa 60 Prozent nicht mehr eingetrieben werden können. Bei Studienkrediten kommt die Besonderheit hinzu, dass sie in den USA aufgrund eines Gesetzes aus der Clinton Ära nicht mit einer Privatinsolvenz gelöscht werden können, sie bleiben im Zweifel bis zum Lebensende. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Studium 60.000 Dollar kostet, dann sind es in absoluten Zahlen 12 Millionen Amerikaner, die sich mit ihrem Studium finanziell bis zum Lebensende ruiniert haben.

Bei den Autokrediten haben die Zahlungsrückstände inzwischen wieder das Niveau von 2007 erreicht, dem Jahr des Beginns der Finanzkrise. Nimmt man alle Kreditbereiche zusammen, dann liegt die Rückstandsrate bei weitem über jener im Bereich der Immobilienkredite, die 2007 zur Finanzkrise führte. Ähnlich wie damals, als Kreditderivate nicht in Risikoklassen eingeteilt wurden, sondern danach, wie zuverlässig ihr Risiko berechnet werden kann, sind vor allem Autokredite kaum einschätzbar in ihrem Risiko, zumal gebrauchte Fahrzeuge immer nur einen theoretisch sicheren Restwert haben. Dieser könnte in einer sich insgesamt verschlechternden Wirtschaft leicht verloren gehen. Noch viel schlimmer sieht es aber bei Studien- und Kreditkartenschulden aus, da es hier keinerlei Werte zur Absicherung gibt.

Aktuell hat der Aktienmarkt die möglichen Kosten der Schuldenkrise noch nicht eingepreist, was auch für die weitere Anhebung der US Schuldenobergrenze gilt. Im Oktober muss diese wieder angehoben werden, da dem Staatsapparat sonst ein Zahlungsausfall droht. Sollte sich bei den Ratenrückständen nicht bald eine Besserung einstellen, oder ein politischer Streit um die Schuldenobergrenze entstehen, dann muss man damit rechnen, dass die Schuldenblase ab September von einem Reißen in ein Platzen übergehen wird.

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