Muslimisierung ohne Islamisierung

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Ozy - für aufgeklärte Muslime und die es noch werden sollen? (Foto: Screenshot)

Eine Webseite stellt fünf muslimische Politiker in Europa vor. Interessant ist die Botschaft Und wer sie bezahlt.

Von Volker Kleinophorst

„Wir können es nicht leugnen. Diejenigen die diese Verbrechen begehen, sind Muslime, sie benutzen muslimische Argumente, sie benutzen Passagen des Koran,“ sagt der dänische Politiker Naser Khader und widerspricht energisch allen, die meinen zwischen islamisch und islamistisch unterscheiden zu müssen.

Der 53jährige Parlamentarier der Konservativen Volkspartei, sicher eine Ausnahme unter den muslimischen Politiker Europas, kritisiert Sharia, Terrorismus, Burka knallhart. Der syrische Einwanderer hat Demokratie und Freiheit auftätowiert und kämpft für eine Reformation des Islam.

Die US-Webseite OZY (s. unten) stellt auf ihrer Webseite wichtige muslimische Politiker in Europa vor. Bevor sie jetzt abwinken, interessiert mich nicht, was auf so einer Ami-Webseite steht. OZY ist so eine Art amerikanisches Bento, der Kinderseite des Spiegels, hochwertig gemacht, finanziert von der kalifornischen „Open Borders“-Society. Wer sich fragt, warum die jungen Leute heute so einen Narren am Islam gefressen haben, auf solchen Seiten wird die junge Meinung geformt.

Welche ist schnell klar. Es geht um Islamophobie, die immer gerne zitierten alltägliche  Angriffe auf Moscheen und Flüchtlingszentren. Doch neben dem Aufkommen von Nationalismus, in OZY-Sprech Rassismus, und rechtsextremer Politik gibt es einen Silberstreifen am Horizont. Immer mehr muslimische Politiker in den Parlamenten, mehrheitlich in linken Parteien. Doch auch in anderen politischen Strömungen ringen Muslime um Einfluss.

„Sind die neuen Gesichter der Politik in Europa hier, um zu bleiben?“ fragt OZY und stellt fünf einzeln vor, OZY-typisch unterteilt in Provokateure und aufgehenden Sterne.

Den Provokateur gibt neben Naser Khader, Ahmed Aboutaleb, der Bürgermeister von Rotterdam, dessen Statement zum Attentat auf Charlie Hebdo um die Welt ging: „Wenn es dir hier nicht gefällt, weil ein paar Leute die du nicht magst, etwas in ihrer Zeitung schreiben, dann, wenn ich das mal sagen darf, verpiss dich.“

In der Stadt des „ganz weit rechten Politikers“ Pim Fortuyn, so OZY, eine der gebürtige Marokkaner und Doppelpassler Aboutaleb die Stadt. Das in Rotterdam bereits die Hälfte der Einwohner einen Migrationshintergrund hat, fällt unter den Tisch. Das Fortuyn, von Aboutaleb ausdrücklich verteidigt, von einem linken Aktivisten ermordet wurde, ebenso.

Neben den Provokateuren, die ihren Glaubensgenossen eine Anpassungsleistung abverlangen, gibt es die Rising Stars, die aufgehenden Sterne.

Als solcher steht der italienische Politiker Khalid Chaouki ziemlich bedingungslos für Multikulti. Er möchte allen „Einwanderern“ sofort die Staatsbürgerschaft geben. Der 34jährige Überflieger aus Marokko kam mit 9 Jahren nach Italien und musste selber 9 Jahre auf seine Einbürgerung warten. Das er in der Zwischenzeit zwei Universitätsdiplome und eine Karriere bei der Nachrichtenagentur ANSA hingelegt haben soll, verwundert allerdings. Das er seine Kinder auf eine katholische Schule schickt auch. Ansonsten ist Chaouki voll auf OZY-Linie.

Die Schottin Tasmina Ahmed-Sheik war bei den Konservativen, kurz bei Labour, tritt nun für die Scottisch National Party an. Ungewöhnlich „in diesen Zeiten“ in denen Nationalismus und Rassismus doch eigentlich das Gleiche ist. Doch während OZY sie schon als künftige Premierministerin sieht, verlor Ahmed Sheik bei den britischen Parlamentswahlen im Juni 10,7% der Stimmen und ihren 2015 eroberten Sitz im Unterhaus.

Auch die Karriere von der Französin Rama Yade musste Rückschläge verkraften. Die selbsternannte muslimische Feministin war ein Aushängeschild der bürgerlich-konservativen Regierung Sarkozy/Fillon, wurde aber 2010 als Staatssekretärin für Sport entlassen, weil sie sich öffentlich zu häufig gegen die Parteilinie aussprach. Ihr Versuch bei den Präsidentschaftswahlen 2017 als unabhängige Kandidatin die „Abgehängten“ hinter sich zu versammeln , scheiterte schon an den notwendigen Unterstützungs­unterschriften. Im Moment ist Yade in einer Warteposition, aber mit drei Quotenjokern: Frau, Schwarz, Muslimin.

Rückschläge oder nicht. Von Europas muslimischen Politikern wird man noch hören. Sie sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn obwohl mehr Muslime in europäischen Parlamenten sitzen als Mitglieder populistischer Parteien, hätten die etwa 5% Muslime in der EU nur eine 1,5%tige Repräsentationsrate, so Abdulkader Sinno, von der Universität von Indiana. Das muss und werde sich ändern.

Für OZY eine tolle Entwicklung, denn die multiethnische Gesellschaft ist gesetzt. Ob die Auflösung von Ethnien und Nationen in eine weltweit einheitliche Mischbevölkerung rassistisch ist, diese Frage stellt sich gar nicht. Ob die Europäer das wollen auch nicht.

Im begleitenden Artikel „Die Geschichte von Europas erstem muslimischen Herrscher“ gibt es dazu „Hintergrundwissen.“ Es ist eine kleine Ode an die muslimische Unterwerfung des spanischen Südens im 8ten Jahrhundert. War das bunt, tolerant, ein Hochkultur ohne Gleichen, ohne die wir jetzt noch auf Bäumen säßen. Das Südspanien gewaltsam erobert wurde, dass Europa schon einige Versuche abgewehrt hat, islamisiert zu werden, findet nicht statt.

Wer die Absicht erkennt, muss verstimmt sein. Ich persönlich hoffe doch sehr, dass der erste muslimische Herrscher Europas auch der letzte bleibt.

PS: Wer ist OZY

Die Webseite OZY entstand 2013 und wird unter von Laurene Powell Jobs, der Witwe des verstorbenen Apple Gründers und weiteren Silicon-Valley-Investoren, unterstützt.  Die Axel Springer AG hält 16 %.

„Ozy“ so Gründer Carlos Watson will die „Change Generation“ ansprechen: „Menschen zwischen 25 und 49 Jahren, die besonders gebildet und neugierig sind und Veränderungen nicht nur tolerieren sondern forcieren. Alle Medien heutzutage, selbst die guten, schauen rückwärts. Wir schauen nach vorn.“

Der Name Ozy geht zurück auf Gedicht „Ozymandias“ von Percy Shelley. Ein Wanderer stößt der in der Wüste auf ein zerfallenes Monument des Königs Ozymandias. So mächtig der König war, so vergänglich ist doch seine Statue. Shelley gebe ihm in dem Gedicht zwei wichtige Ratschläge, so Watson in der Welt: „Setz dir hohe Ziele, aber bleib am Boden.“

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