„Best Western“vs. AfD, oder wenn Demokratie zur Farce verkommt

Foto: JouWatch
Kein gern gesehener Gast: Alexander Gauland (Foto: JouWatch)

Alle Parteien befinden sich im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017. Wir von der AfD natürlich auch.

Einen der Höhepunkte für unseren gemeinsamen Wahlkreis 276 Odenwald-Tauber stellt die Großveranstaltung mit Dr. Alexander Gauland, dem Landes- und Fraktionsvorsitzenden der AfD Brandenburg, dar.

Von Dr. Christina Baum

Wir freuten uns sehr über seine Zusage, am 16. September unserer Veranstaltung im Buchen als „Zugpferd“ eine große Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Ein engagiertes Mitglied übernahm die Suche und die Buchung eines Hotels. Unsere Auswahl fiel auf das Best Western in Bad Mergentheim, da es dort einen kleinen Wellnessbereich gibt. Wir wollten Herrn Gauland nach einer langen Anreise den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten.

Bei der telefonischen Buchungsanfrage bestätigte man unserem Mitglied, dass Zimmer frei seien. Nun wollte man den Namen der Gäste notieren. Als die Dame am Empfang den Namen Dr. Gauland hörte und vernahm, dass die Rechnung an die AfD gesendet werden solle, kam die Antwort, dass sie ihren Vorgesetzten dazu befragen müssen. Nach ca. einer Minute kam als Antwort, dass Herr Gauland nicht erwünscht sei. Auch bei einer zweiten Nachfrage, unser Mitglied glaubte sich verhört zu haben, erhielt er die gleiche Antwort.

Er rief mich umgehend an und berichtete mir von diesem Vorfall. Ich war fassungslos  und wütend zugleich. Eine weitere Eskalationsstufe hatte sich aufgetan!

Wir AfDler wussten alle, dass es ein beinharter und unfairer Wahlkampf werden würde, aber dass unsere politischen Gegnern nun auf diese Weise Unterstützung erhalten würden, das hätten wir uns nicht träumen lassen.

‚Was ist nur aus unserer Zivilgesellschaft geworden ?‘, ging es mir durch den Kopf.

Wir beschlossen, nach einem anderen Hotel zu suchen.

Gleichzeitig entschied ich mich, diesen ungeheuerlichen Vorgang öffentlich zu machen. Ich verfasste einen „Aufruf an alle Demokraten“, schickte ihn an das Best Western Hotel und verbreitete ihn über Facebook und E-Mail. Am liebsten hätte ich diese Ungerechtigkeit in die ganze Welt hinaus geschrieben, so wütend war ich. Mir wurde immer deutlicher bewusst, wie unfair sich dieser Wahlkampf gestaltete.

Die Resonanz, die mich per E-Mail erreichte, war beeindruckend. Mehrheitlich wurde dieses Verhalten des Hotels gerügt und für nicht akzeptabel erklärt. Die einzigen, die sich „tierisch“ darüber freuten, waren meine üblichen Lieblingskritiker der Linken und Grünen auf meiner Facebook Seite.

Einige Zeitungen griffen diesen Sachverhalt ebenfalls auf und berichteten darüber. Fast alle hoben darauf ab, das es per Gesetz das gute Recht dieses Hotels sei, unerwünschte Gäste ablehnen zu können. Doch wie deklariert man „unerwünscht“ ? Betrunkene oder randalierende Gäste abzulehnen ist natürlich nachvollziehbar. Doch macht man künftig in den Hotels eine Buchung davon abhängig, ob der Gast auch das richtige Parteibuch besitzt?

Nun gut, wir mussten nach vorne schauen und fanden ein anderes Hotel, das uns die Buchung auch bestätigte. Natürlich beschlossen wir, den Ort geheim zuhalten, um Herrn Dr. Gauland keiner Gefahr auszusetzen.

Inzwischen war in unserer örtlichen Zeitung, den Fränkischen Nachrichten, ein Artikel erschienen, der über die Ablehnung von Herrn Gauland berichtete.

Kurz danach erfuhr ich, dass auch das zweite Hotel, der Rebenhof in Beckstein, seine bereits getätigte Zusage schriftlich storniert hatte.

Ich griff sofort zum Telefonhörer und konfrontierte eine junge Frau mit dieser Absage. Sie wiederholte, was bereits in der E-Mail stand:

Es (?) sei nicht mit der Hotel Philosophie vereinbar. Außerdem befürchte man, dass die anderen Gäste durch eventuelle Demonstrationen gestört würden. Auch meine Zusicherung, dass niemand von dieser Übernachtung erfahren würde, da wir selbst aus Sicherheit für unseren Gast daran interessiert seien, es geheim zu halten, änderte nichts an der Entscheidung der Dame.

Ich machte meiner erneuten Fassungslosigkeit Luft und sagte ihr, wie unerhört und demokratiefeindlich ich ein solches Verhalten finde und dass ich dies auch öffentlich machen werde.

Das beeindruckte sie gar nicht und sie sagte, das sei in Ordnung. Das würde man gerne inkaufnehmen.

Ich fragte sie noch, ob ich dann auch nicht mehr als Gast erwünscht sei, doch darauf gab sie mir keine Antwort.

Postwendend bekam auch dieses Hotel über Facebook meinen „Aufruf an alle Demokraten“, dem sich wieder eine Reihe empörter Bürger anschlossen, die ich ebenfalls informierte.

In einem Leserbrief,  den ich daraufhin verfasste, verwies ich auf die hohe gesellschaftliche Brisanz und Tragweite dieser zwei Absagen.

Zumindest das Hotel Best Western hat aufgrund der Stigmatisierung eines Menschen, in dem Fall seiner politischen Weltanschauung, ganz bewusst diese Entscheidung getroffen. Das ist eine klare Diskriminierung und ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip des Grundgesetzes. Bleibt ein solches Verhalten ohne Konsequenzen, heißt es vielleicht beim nächsten Mal: „An AfD Mitglieder verkaufen wir kein Brot mehr!“.

Da wir auf politischer Ebene natürlich keine Unterstützung erhalten werden, höchstwahrscheinlich freut man sich heimlich über ein solches Vorgehen, sehe ich die Zivilgesellschaft in der Verantwortung.

Ich rufe deshalb alle Bürger dazu auf, dieses Vorgehen  öffentlich anzuprangern, sei es durch Leserbriefe oder Mitteilungen an die beiden Hotels. Stehen wir als demokratische Kräfte zusammen und verteidigen unsere Werte entsprechend unserem Grundgesetz: Artikel 3, Abs. 3: Niemand darf wegen… seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden….“.

Man stelle sich vor, es würden muslimische Gäste abgewiesen. Welch ein Aufschrei ginge durch die ganze Republik !

Ich beende meine Schilderung mit dem Satz, dem ich einen Redakteur schrieb: „Ich verspreche Ihnen, daran wird die Veranstaltung nicht scheitern!“

Ihre Dr. Christina Baum

Schriftliche Antwort Hotel Rebenhof:

„mit Absprache unserer Geschäftsleitung, muss ich Ihnen leider die Zimmer absagen, da dies nicht mit unserer Philosophie vertretbar ist.

Wir sind ein Ruhe- und Wellnesshotel und bei eventuellen Demonstrationen, unsere Wellnessgäste gestört werden.“

Mein Leserbrief an die FränkischenNachrichten zu: „Kein Bett im Parkhotel“ AfD-Spitzenkadidat Gauland „unerwünscht“

Die Ablehnung der Unterbringung unsere Gastes, Dr. Alexander Gauland, hat hohe Wellen geschlagen und dies zu recht.

Am 20.8.17 hat uns nun auch der Rebenhof in Beckstein das bereits bestätigte Zimmer storniert.

Die Berichterstattung dazu im o.g. Artikel der FN  entspricht leider in kleinster Weise der Brisanz und der Tragweite dieses Vorgangs.

Denn es geht nur ganz am Rande um eine rechtliche Relevanz, bei deren Prüfung der Ausgang zumindest sehr ungewiss wäre; es geht vielmehr um die gesellschaftliche Relevanz dieser Absage.

Das Best Western Hotel hat aufgrund einer Stigmatisierung eines Menschen, in dem Fall seiner politischen Weltanschauung, ganz bewusst diese Entscheidung getroffen. Das ist eine klare Diskriminierung und ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip des Grundgesetzes.

Man stelle sich vor, man würde zukünftig Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion abweisen oder ein Bäcker würde AfD Mitgliedern kein Brot mehr verkaufen!

Die Reaktionen vieler Bürger waren eindeutig. Ein solches Vorgehen ist vollständig inakzeptabel und einer Demokratie unwürdig.

Einen Vergleich mit dem Ausschluss von Interessenten bei einer AfD Veranstaltung zu ziehen, ist so an den Haaren herbei gezogen, dass diese Ausrede schon peinlich anmutet.

Während es sich bei der AfD mehrheitlich um private Veranstaltungen handelt, stellt das Best Western eine weltweit agierende Hotelkette dar, die für jeden Gast zugänglich ist. Ich vermute, dass ein derartiges Vorgehen auch für dieses Unternehmen ein Novum darstellt.

Eine solches Verhalten trägt nicht dazu bei, die tiefen Gräben innerhalb der Gesellschaft zu schließen, die durch die Entscheidungen der Regierungen der letzten Jahre unter Frau Merkel entstanden sind.

Best Western und der Rebenhof spalten die Gesellschaft weiter und verhindern einen fairen Wettstreit der Parteien- eine Grundvoraussetzung für eine gelebte Demokratie.

Viele Bürger sehen genau wie ich die Entwicklungen in Deutschland mit großer Sorge, wie ich den Zuschriften auf meinen „Aufruf an alle Demokraten“ entnehmen konnte.

Dr. Christina Baum MdL

Und hier der Aufruf:

‼️ Aufruf an alle Demokraten ‼️

Am 16. September erwarten wir Herrn Dr. Gauland zu einer Wahlveranstaltung in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis).

Das von uns für die Übernachtung ausgewählte Hotel, das Best Western in Bad Mergentheim, hat uns eine Absage erteilt. Herr Gauland sei in diesem Hotel unerwünscht.

Daraufhin habe ich nachfolgendes an die Geschäftsleitung geschrieben.

Vielleicht möchte der eine oder andere von Ihnen diesem Hotel ja auch noch mal die Meinung sagen.

Sehr geehrte Geschäftsleitung,

Sie haben uns heute mitgeteilt, dass Herr Dr. Alexander Gauland, den wir als Kreisverbände Main-Tauber und Neckar-Odenwald als Gast für eine Wahlveranstaltung zur Bundestagswahl eingeladen hatten, in Ihrem Hotel unerwünscht sei.

Sie erteilen somit dem AfD Landes- und Fraktionsvorsitzenden Brandenburgs Hausverbot.

Damit verstoßen Sie gegen das Grundgesetz Art. 3 Abs. 3:

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden….“

Sie verstoßen desweiteren gegen die Gleichbehandlungsrichtlinie der EU:

„Durch Beschluss des Europäischen Rates vom 29. Juni 2000 wurde die EU-Richtlinie 2000/43 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der „Rasse“ oder der „ethnischen Herkunft“[1] verabschiedet. Diese Richtlinie gründet sich in der EU-Grundrechtecharta, die jegliche Diskriminierung aufgrund von „Rasse“, Hautfarbe sowie ethnischer und sozialer Herkunft verbietet. Die Richtlinie 2000/43 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes verbietet grundsätzlich, dass jemand aufgrund einer rassistischen oder ethnischen Diskriminierung, des Geschlechts, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung ungerechtfertigt benachteiligt wird[2]….“

Die AfD Main-Tauber erhielt zur Landtagswahl 17,2 % und der Neckar-Odenwald Kreis 18 % der Wählerstimmen.

Jeder sechste Wähler dieser beiden Kreise hat sich für unsere Partei entschieden.

Die Bewertung Ihres antidemokratischen Verhaltens überlassen wir dem Bürger.

Eine persönliche Anmerkung von mir erlaube ich mir dennoch.

Ihr Verhalten erinnert an die vielen Mitläufer in der dunkelsten Zeit unserer Geschichte, als es hieß: „Kauft nicht bei Juden.“

Dr. Christina Baum/MdL

Kreisvorsitzende der AfD Main-Tauber

Direktkandidatin für den WK 276 Odenwald-Tauber