Die nächste Krise der europäischen Banken kommt

Foto: Durch Who is Danny/Shutterstock
Foto: Durch Who is Danny/Shutterstock

Die ignorierten Ursachen liegen offen vor jedermanns Nase.

Von Martin Armstrong, übersetzt von Ingmar Blessing

Die Gewitterwolken hängen noch immer über der kontinentaleuropäischen Finanzwirtschaft. Die Ursache liegt offen sichtbar vor jedermanns Auge, man muss einfach nur hinsehen. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen seit der Finanzkrise 2007-2009, und doch wurde keines der Kernprobleme im Bankensektor gelöst, sie alle lauern nach wie vor unter der Oberfläche. Tatsächlich ist es so, dass die Welt nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers von einer Finanzmonsterwelle überschwemmt wurde. Der Zusammenbruch des Marktes für Immobilienkreditderivate in den USA löste eine Kettenreaktion aus, die sich in hoher Geschwindigkeit um die Welt ausbreitete. Die europäischen Banken versuchten davor, sich als Konkurrenz zu New York zu etablieren, indem sie vergleichbar lose Kredite vergaben. Am Ende, nachdem die Krise alles weggeschwemmt hatte, waren es dann drakonische Maßnahmen aus Brüssel, das permanente Erfinden neuer Regulierungsvorschriften für alle Bereiche der Privatwirtschaft und die ewig steigenden Steuern, die dafür sorgten, dass sich die Wirtschaft nicht wieder voll erholen konnte, was letztlich verhinderte, dass sich auch die Banken erholen konnten.

Die Federal Reserve pumpte damals 250 Milliarden Dollar in die Großbanken und ich meine es war Hank Paulson, der Lehman und Bear Sterns fallen ließ, also zwei der fünf Investmentbanken, wodurch Goldman Sachs effektiv einen Gutteil seiner Konkurrenz los wurde. Die ganze Nummer konnte nur deswegen ins Rollen kommen, da Bill Clinton auf Anraten des Vaters von Negativzinsen Larry Summers das Glass-Stegall Gesetz zurücknahm. In Deutschland sind die zweitgrößte Bank des Landes, die WestLB, und die größte Immobilienfinanzierungsbank Hypo Real Estate (HRE) genauso pleite gegangen wie Lehman und Bear Sterns. „HRE und WestLB waren die schwierigsten Fälle,“ erinnert sich Christopher Pleister, der einen Fonds für Notkredite leitet, der in Deutschland von 2009 bis 2014 aufgesetzt wurde. In den Fonds zahlten fast ein dutzend Banken mehr als 200 Milliarden Euro an Wertpapieren, Sicherheiten und sonstigen Zusagen ein.

Banken aber sind heute noch immer „too big to fail“ und Banker „too big to jail“ [also zu groß fürs Gefängnis], es hat sich also nicht wirklich was geändert. Auch wenn die Geldtöpfe wieder gefüllt werden für eine neue Runde mit Notkrediten, so besteht das Risiko, dass die nächste Krise viel größer ausfällt als die letzte. Die Interdependenz zwischen Staaten und Banken hat sich nicht verringert. Erstere brauchen noch immer die Banken, um überhaupt existieren zu können. Entsprechend sorgen die nationalen Interessen dafür, dass es keine wirklich wirkungsvollen Krisenmechanismen gibt, während gleichzeitig immer mehr Banken von Markt verschwinden, weil die umgesetzten Regulierungen den Finanzmärkten die Liquidität entziehen. Während die Verwaltungsabteilungen also weiter wachsen, steigen die Kosten für jene, die das eigentliche Geschäft betreiben immer mehr an. Wenn die nächste Finanzkrise zuschlägt wird sich die Frage stellen, ob das gegenwärtige System ein weiteres Mal standhalten kann.

Auch wenn jede Finanzkrise typischerweise ihre Ursache in einem Bereich hat, der übersehen und nicht antizipiert wird, so ist das fundamentale Muster hinter Krisen immer das gleiche. Es gibt keine brauchbare Risikoabsicherung gegen Zyklen und jede neue Krise wird in der Regel verursacht von den Maßnahmen, mit denen versucht wurde, die letzte Krise zu lösen. Es ist ein zyklenübergreifendes Problem, das nie beachtet wird, weil die herbeigerufenen Problemlöser in der Regel kein Verständnis von der Dynamik der Wirtschaft haben.

Die Lösung der letzten Krise über negative Zinsen hat die kommende Krise bei den Pensionen losgetreten. Nun, da die Banken sich darauf vorbereiten, dass die EZB schließlich doch noch ihre Politik ändern wird und die Zinsen anhebt, stoßen diese ihre Staatsanleihen ab. Und auf die höheren Zinsen wird ganz einfach ein Einbruch bei den Staatsanleihen folgen. Sogar die EZB wird zig Milliarden verlieren, weil sie diese im Portfolio hat.

Während für die Banken aber „too big to fail“ gilt und für die Banker „too big to jail“, so sind die Staaten selbst nicht „too big to fail“, da sie darauf angewiesen sind, dass die Leute weiter ihre ewig laufenden Schulden kaufen. Politiker können zwar durchaus „too big to jail“ sein, da sie sich gegenseitig nie vor Gericht bringen, allerdings zeigt die Gschichte, dass sie von Revolution nicht verschont bleiben und zwar egal, ob es sich dabei um friedliche oder gewaltsame Umstürze handelt.

Anzeige