Inge Steinmetz: Welche Farbe wird meine Fußfessel haben, Frau Bundeskanzlerin?

Symbolfoto: Fotolia/ thongsee
Eine Fußfessel schränkt die Bewegung ein (Symbolfoto: Fotolia/ thongsee)

Hallo Frau Bundeskanzlerin, ich bin blond und – stimmt – ich hab wieder eine Frage: Welche Farbe wird meine Fußfessel haben?

Sie als modisch orientierte Frau – der guter Stil über alles geht – werden das verstehen, die Fußfessel sollte farblich auf die neue Herbstgarderobe abgestimmt sein, oder umgekehrt!!!

Zum zweiten Male hat mir Facebook einen hässlichen Maulkorb verpasst, mich mundtot gemacht. Dabei leben allein in Berlin 630 Leute, denen der Maulkorb besser stehen würde als mir, ABER die bekommen keinen, dürfen sogar im Bundestag ein- und ausspazieren. Nun warte ich also auf die Fußfessel. Vielleicht habe ich mich in meinen Briefen an Sie manchmal etwas undeutlich und missverständlich ausgedrückt, deshalb möchte ich heute einiges richtigstellen, was Sie und der Verfassungsschutz in den falschen Hals bekommen haben.

Ich bin so alt wie Sie, also 63 – ABER, seien wir mal ehrlich – ist das für eine Terroristin nicht zu alt?

Ich trage keine Vollverschleierung, eine Schleierfahndung bei mir ist also vollkommen zwecklos.

Ich habe meinen Pass nicht verloren und besitze nur eine Identität. Ich beziehe keine Unterstützung vom deutschen Staat und zahle sogar Steuern und Sozialabgaben. Gab es schon mal einen Gefährder, der in dieses Raster passt? Somit wird auch die Rasterfahndung zu keinem Erfolg führen.

Gut, ich muss zugeben ich fahre Auto! ABER, das tun Sie auch!!! O.k., o.k., Sie fahren nur im Wald (die armen Re.. ach vergessen wir das!). JA, ich fahre auf der Straße, ABER ich habe noch nie bewusst einen Kratzer in mein nun schon 39 Jahre altes Auto gefahren und ich möchte mit diesem auch keinen tödlichen Unfall verursachen, ihn bewusst in eine größere Menschenmenge fahren, denn der schöne Käfer soll nach meinem Tod noch vererbt werden. Es haben sich schon Interessenten angemeldet, naja, Sie wissen ja wie Kinder so sind.

Jetzt haben Sie mich doch noch erwischt, ich habe Messer!!! Sogar ein ganzes Messer-Set! ABER, mit den einstmals messerscharfen Klingen kann ich mir heute nicht mal mehr leicht in den Finger schneiden. Ich wollte die schon oft schärfen, aber immer ruft mein Sohn: „Halt, doch nicht so, da machst du die schönen Messer kaputt, ich bringe meinen Schleifstein und schleife sie dir im richtigen Winkel!“. Und – Sie wissen ja wie Kinder sind – natürlich passiert nichts, die Messer bleiben stumpf!!!

Nun habe ich meinem Mann von der Fußfessel erzählt – ABER – ich glaube er hat wieder mal nicht richtig zugehört, stellt sich darunter etwas ganz anderes vor. Hat irgendetwas von „Hast du das bei Sex and the City gesehen?“ gesagt und „Meinst du nicht, dass wir dafür schon zu alt sind?“ gefaselt, naja, Sie wissen ja wie Männer sind!

Ich bin doch nur eine Frau, die harmlose Briefe schreibt und deshalb möchte ich vor Ihnen und dem Verfassungsschutz einen Eid ablegen – ja, ganz recht, genauso wie Sie Ihren Amtseid geschworen haben – also ich erkläre hiermit, dass von mir keinerlei Gefahr ausgeht, SO WAHR MIR GOTT HELFE!!!

Wandere aus, solange es noch geht!
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