Türkisches Wirtschaftswachstum trotz/wegen allem solide an dritter Stelle der G20

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Zumindest mit der Wirtschaft geht es in der Türkei bergauf (Foto: Durch M DOGAN/Shutterstock)

Nach neuesten Zahlen betrug das Wachstum der türkischen Volkswirtschaft im ersten Quartal diesen Jahres 5 Prozent, wie Aawsat berichtet. Laut Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci sollen die Zahlen für das zweite Quartal sogar noch besser ausfallen. Insgesamt wuchs die Wirtschaft der Türkei  gemeinsam mit jener Indonesiens unter den G20 Staaten am drittstärksten.

Von Ingmar Blessing

Stärker gewachsen sind nur Indien und China, während die deutsche Wirtschaft noch immer mit 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs, während alle G20 Staaten insgesamt mit etwa 3,4 Prozent wuchsen. In absoluten Zahlen sind die Veränderungen in Deutschland und der Türkei vergleichbar. Pro Kopf stieg das BIP jeweils um etwa 700 Euro. Am schlechtesten steht das krisengeschüttelte Brasilien da, das als einziges Land leicht geschrumpft ist.

Die EU und die Eurozone sind laut der Zahlen leicht gewachsen, allerdings sollte man die Werte dazu mit Vorsicht genießen, da inzwischen auch Schätzungen zur Schattenwirtschaft wie etwa zum Kokainhandel in die offizielle BIP Schätzung einfließen. Die hohe Politik hat also nicht nur ein Interesse daran, solche „Schätzungen“ möglichst großzügig ausfallen zu lassen sondern hat überdies einen rechnerischen Vorteil daran, wenn die Strafverfolgung in diesem Bereich möglichst klein gehalten wird.

Auch die Wirtschaftszahlen der Türkei gleichen eher einem Wunder als solider statistischer Erfassung. Seit Jahren bereits soll die Volkswirtschaft des Landes stetig und deutlich wachsen – lediglich im Finanzkrisenjahr gab es ein Minus – allerdings hat das Land gleichzeitig seit Jahren mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit zu kämpfen, die selten unter 10 Prozent liegt. Das ist eigentlich ein Krisenwert, zu dem positive Wachstumswerte der Wirtschaftsleistung (oder Jubelmeldungen) überhaupt nicht passen, vor allem da die Türkei auch mehrere Millionen anatolische Arbeitslose nach Europa exportiert hat. Trotzdem sinkt die statistische Staatsverschuldung seit Jahren und befindet sich inzwischen auf einem nachhaltigen Niveau.

Wie das alles zusammen passt ist kaum zu erklären. Leidlich der Blick auf die private Verschuldung gibt den Blick frei darauf, wie das mit vielen glitzernden Wolkenkratzern verzierte Wirtschaftswunderland Türkei am Laufen gehalten wird. Eine Grafik der IngDiba zeigt, dass türkische Privathaushalte massiv verschuldet sind. Fast drei Viertel zahlt Zinsen und das macht die Türkei massiv abhängig von aus dem Ausland ins Land fließendem Kapital. Bislang ging das mit einigen kleineren Unterbrechungen gut, da der Islamist Erdogan mit den Islamisten am Golf gut auskommt und die Ölmilliarden gerne in der Türkei investiert werden. Seitdem aber die Spannungen zwischen Katar und Saudi Arabien aufbrachen muss auch die Türkei aufpassen, da es sich auf die Seite Katars schlug. Laut offizieller türkischer Zahlen sinken die Kapitalzuflüsse aus dem Mittleren Osten seit einigen Jahren stetig und auch insgesamt haben sich die Kapitalzuflüsse aus aller Welt fast halbiert. Damit steigt die Abhängigkeit der türkischen Volkswirtschaft und vor allem der türkischen Haushalte von ausländischem Kapital und globalen Zinssätzen immer stärker an. Sobald weltweit eine Rezession einsetzt wird die Türkei das erste Land sein, das dies massiv spüren wird.

Angesichts der negativen Entwicklung fast aller Kennzahlen – bekanntlich sieht es auch beim für das Land so wichtigen Tourismus nicht gut aus – sind die guten türkischen Wachstumswerte (und auch die deutschen) jenseits statistischer Spielereien vermutlich auf die Migrationskrise zurückzuführen. Die Türkei nahm noch mehr Menschen auf als Deutschland, wobei sich das Land die Krise von Deutschland und der EU durchfinanzieren lässt und das Abkommen dafür wie JouWatch berichtete sogar verlängert werden soll. Volkswirtschaftlich bekommt die Türkei damit kostenlos das BIP aufgeplustert und überdies noch billige syrische Arbeitskräfte für den heimischen Markt. Deutschland wiederum muss zwar Schulden aufnehmen zur Finanzieung von Kost und Logie der aufgenommenen Migranten, allerdings sieht man dies auf dem Papier nur dann, wenn man will – und beispielsweise die Gelddruckerei der EZB miteinbezieht, die dafür sorgt dass die Zinszahlungen niedriger ausfallen und es damit so wirkt, als würde es keine Extrakosten geben, da aktuell keine neuen Schulden aufgenommen werden müssen und die absoluten Schulden seit 2012 sogar sinken.

In Wahrheit natürlich werden die Kosten gestemmt durch die kalte Enteignung von Kleinsparern, deren Ersparnisse mit jeder frisch gedruckten Euronote an Wert verlieren. Oberflächlich betrachtet und ohne diese störenden Details allerdings wirken sich Migranten aber durchaus positiv auf die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands aus, was sich aus der einfachen Logik ergibt, dass mehr Köpfe mehr Geld ausgeben. Diese vermeintlich gute Nachricht verbreitet der Mainstream bar jeder (brauchbaren) erklärenden Zusatzinformation über die versteckten Kosten natürlich nur zu gerne.

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