Steve Bannon: „Ich ziehe für Trump in den Krieg“

Foto: Milo Yiannopoulos/Facebook
Ein Kämpfer vor dem Herrn (Foto: Milo Yiannopoulos/Facebook)

„Stabschef John Kelly und Steve Bannon haben gemeinsam beschlossen, dass heute Steves letzter Tag im Weißen Haus sein wird. Wir sind dankbar für seinen Dienst und wünschen ihm alles Gute“, hieß es lapidar am 18.8. Bannon ist schon an seinem Schreibtisch bei Breitbart zurück und verspricht einen „Krieg gegen Trumps Gegner“ zu führen.

Von Collin McMahon

Der ehemalige und nun wieder Chefredakteur von Breitbart Steve Bannon war von Anbeginn eine polarisierende Figur im Weißen Haus. (Ein ausführliches Porträt auf JouWatch hier.) Nach den Ausschreitungen von Charlottesville und dem Tod einer jungen Demonstrantin durch einen rechten Autofahrer war der Hardliner für Trump unhaltbar geworden.

Obwohl Bannon sich noch am Mittwoch in einem seiner seltenen Interviews von den Rechtsextremen distanziert hatte und sie als „Clowns“ und „Loser“ bezeichnete, die es zu bekämpfen gelte, sehen viele Trump-Gegner Bannon als Steigbügelhalter für die Neue Rechte „Alt-Right“ und weißen Nationalisten. Bannon galt als federführend bei Trumps arbeiterfreundlichem, anti-elitärem „Bürger zuerst“ Wahlkampf, seiner historischer Rede in Warschau und seiner umstrittenen Pressekonferenz am Mittwoch, bei der er Linken wie Rechten eine Mitschuld an der Eskalation von Charlottesville gab.

Gleichzeitig gab es eine gemäßigte Fraktion im Weißen Haus, mit der Bannon in mehr oder weniger offenem Konflikt lag: Die gemäßigten Ivanka Trump und Jared Kushner, die auch schon mal die Demokraten unterstützt haben, sowie die Fraktion der „Globalisten“ um Sicherheitsberater H.R. McMaster, Verteidigungsminister James Mattis, und Wirtschaftsberater Gary Cohn. Diesem moderaten Flügel der Trump-Regierung wird auch eine Nähe zu Investmentbank Goldman Sachs und Milliardär und linken Aktivisten George Soros nachgesagt.

Ex-Marinegeneral John Kelly soll nach seinem Wechsel von Homeland Security zum Stabschef im Weißen Haus die Entmachtung Bannons vorangetrieben haben. Zeitgleich blies Breitbart.com mit einer Serie von Artikeln zum Angriff auf die „Globalisten“ und vor allem H.R. McMaster, dem die rechte Website Antisemitismus, Terrorverständnis und Nähe zu Soros vorwarf.

Nun scheint dieses Tauziehen zu Bannons Ungunsten entschieden worden zu sein. Der ehemalige Breitbart-Redakteur und Trump-Gegner Ben Shapiro verglich das Machtspiel mit „Game of Thrones“: „Bannon will die Kontrolle über diese nationalistische, populistische Bewegung an sich reißen, die er denkt mit Breitbart aufgebaut zu haben. Breitbart wird sich jetzt gegen Trump wenden. Sie werden Trump beschuldigen, die Bewegung verraten zu haben, und ihre Jünger auffordern, Präsident Bannon zu folgen. Bannon versteht den „Game of Thrones“, bei dem man siegt oder stirbt. Und Bannon hat nicht vor zu sterben.“

Shapiro spielt hier natürlich selber eine Art „Spinne“ aus „Game of Thrones“, da er sich selber mit seiner Trump-Kritik und öffentlicher Fehde mit Milo Yiannopoulos ins konservative Aus manövriert hat und vermutlich selber gerne wieder „mitspielen“ würde.

Viele Medien übernahmen diese Darstellung, dass Bannon nun zum Trump-Gegenspieler werden würde. „Mit Schaudern darf man darauf warten, wann der neue alte starke Mann bei „Breitbart“ seine erste Breitseite gegen Trump feuert“, schwadronierte Peter Huth in der ehemals konservativen „Welt“, die selber nie müde wird, Breitseiten gegen Trump abzufeuern.

Bannon selber machte im Gespräch mit Bloomberg deutlich, dass er weiterhin Trump unterstützt: „Falls da draußen Verwirrung herrschen sollte, will ich es deutlich sagen: Ich verlasse das Weiße Haus, um für Trump in den Krieg gegen seine Gegner zu ziehen – auf dem Kapitol, in den Medien und in den Großkonzernen.“ Bannon traf sich am Mittwoch mit dem konservativen Milliardär Robert Mercer, vermutlich um die Finanzierung dieses „Krieges“ zu besprechen. Wahlkampfspender Mercer traf traf sich anschließend auch mit Trump und einer Reihe republikanischer Spender.

Gerüchte sprechen bereits von einem Breitbart-Fernsehsender in Planung unter Bannon. Breitbart-Redakteur Joel Pollak tweetete den Hashtag „#WAR“ und löste eine Diskussion aus, wen er damit meinte: Hollywood, die Medien und das politische Establishment, stellte Pollak später fest.

Trumps Umfragewerte haben durch die jüngste Kontroverse nicht gelitten: Nach einer Umfrage des linken Radiosenders NPR unterstützten 62% der Befragten Trumps Aussagen zum Erhalt von Südstaaten-Denkmälern. Sogar unter Schwarzen wollten mehr diese Statuen erhalten (44%) als entfernt (40%) sehen. Eine Umfrage von Zogby Analytics Anfang August hatte einen Anstieg von Trumps Beliebtheit um 5% auf 45% festgestellt, sogar um +30% unter Latinos.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Bei Verlagsinteresse bitte Zuschrift.

 

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