Kernschmelze bei Rebel Media, einem der größten Anbieter für Alternative Medien

Kurz vor dem Aus? (Foto: By Source (WP:NFCC#4), Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=54515656
Neues von Rebel (Foto: By Source (WP:NFCC#4), Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=54515656

Für Ezra Levant, Gründer von The Rebel Media, einem konservativen Alternativmedium aus Kanada, kommt es gerade knüppeldick. In nur einer Woche verabschiedete sich ein wichtiger Korrespondent, dem die eingeschlagene Richtung nicht gefiel, dann führte eine seiner wichtigsten Reporterinnen ein verstörend kuscheliges Interview mit bekennenden Neonazis und ehemalige Mitarbeiter werfen ihm nun vor, nicht nur cholerisch zu sein, sondern auch Mittel aus Spendensammlungen abzuzweigen und sich daran zu bereichern.

Von Ingmar Blessing

Bis vor wenigen Wochen sah die Zukunft für Rebel Media ziemlich rosig aus. Einst von Levant gemeinsam mit einigen anderen ehemaligen Mitarbeitern aus der Konkursmasse des insolventen konservativen kanadischen Senders Sun TV gegründet, wurde Rebel Media ohne teure Technik als reiner YouTube Kanal betrieben. Rebel Media schrieb sich auf sein Banner konservativ, rebellisch und politisch inkorrekt zu sein und erfüllte dieses Versprechen auch. So wurde das Angebot schnell zum Erfolg und das selbst weit jenseits der kanadischen Landesgrenzen. Inzwischen hat Rebel Media Ableger in Großbritannien und in Australien, die ebenfalls erfolgreich sind. Es treten auch immer mehr konservative Politiker bei Ezra Levant auf, weil sie den Einfluss seines Kanals nicht mehr ignorieren können.

Die Finanzierung erfolgt über Abonnements sowie Spendensammlungen für spezielle Projekte, mit denen Menschen mit Geld, Sachmitteln oder Demonstrationen geholfen wird, die vom Mainstream und dem Staat ignoriert werden. Seien es arabische Christen, die in ihre vom IS zerstörte Heimat zurückkehren oder Veteranen, die einen Rollstuhl benötigen, The Rebel hilft und positioniert sich als eine Art konservativer und islamkritischer Robin Hood für alle von der Globalisierung Vergessenen.

Großer Erfolg trotz heftigem Gegenwind

Die Mischung hatte bislang großen Erfolg, allerdings bekam das ganze seinen ersten ernsten Knacks, als YouTube bei den Videos keine Werbung mehr zuließ. The Rebel war da aber bereits so stark etabliert, dass es sich vor allem aus Abonnements finanzieren konnte, die aufgrund der Marktlücke für konservative Medien trotz (oder wegen) all der mainstreammedialen Kritik immer mehr wurden. Als YouTube vor einigen Wochen dann seine weltweite Säuberungsaktion lostrat, über die auch JouWatch berichtete, kündigte Levant selbstbewusst an, für The Rebel Media mit Hilfe von Zuschauerspenden eine eigene App zu entwickeln, um von YouTube unabhängig zu werden. Und auch hier sah es bislang so aus, als würde das Kalkül aufgehen.

Die Horrorwoche

Dann aber kam es diese Woche knüppeldick. Erst verließ Brian Lilly The Rebel. Er war einer der Mitgründer und feste Größe beim Kanal. Offiziell ging er aufgrund der Berichterstattung über die Zusammenstösse von Links- und Rechtsextremisten Charlotteville, wobei er auch die allgemeine Richtung des Kanals bemängelte. Ebenfalls im Zusammenhang mit Charlotteville entließ Levant Faith Goldy, eine seiner wichtigsten und energischsten Reporterinnen, die beispielsweise eine viel beachtete Recherche über die illegalen Grenzübertritte nach Kanada durchführte, über die auch JouWatch berichtete. In Charlotteville stand sie nur wenige Meter vom Autoanschlag entfernt und filmte diesen live. Goldy wurde dann aber entlassen, weil sie nach den Zusammenstößen ein Interview mit dem Daily Stormer führte – einem offen rechtsradikalen und antisemitischen Onlinemagazin – und dabei freundlich gesagt die professionelle Distanz vermissen ließ. Was im genauen dahinter steckte, ist aktuell noch unklar. Bislang hat sich Goldy nicht näher zu ihrer Entlassung geäußert. Ebenfalls diese Woche wurde bekannt, dass der Kommentator und „nach rechts übergelaufene Hipster“ Gavin McInnes abgeworben wurde und Rebel Media verlassen wird.

Bereits vor einiger Zeit verließ auch Lauren Southern ohne nähere Angabe der Gründe den Kanal und hier wird die aktuelle Entlassung oder Kündigung – je nachdem wie man es sieht – von Caolan Robertson relevant. Dieser arbeitete für The Rebel in Großbritannien und war dort gemeinsam mit seinem Freund für die Bearbeitung der Videos von Tommy Robinson zuständig, wobei er auch zunehmend erfolgreich eigene Videos für The Rebel drehte.

Kriminelles Verhalten durch Ezra Levant?

Robertson wirft Levant nun in einem Video vor, die für einzelne Aktionen gesammelten Spenden nicht für die angegebenen Zwecke zu verwenden, sondern mehr zu sammeln als notwendig ist und impliziert, dass er sich daran bereichert und das Geld in die eigene Tasche steckt. Der Abgang von Southern soll aus genau diesem Grund geschehen sein. Offenbar wollte sie kein Spendenvideo drehen für eine bereits voll durchfinanzierte Aktion. Levant gefiel dies nicht und er warf sie deswegen raus. Er soll laut Robertson alle Rebel Reporter massiv unter Druck setzen, damit sie möglichst viele Spendenaktionen durchführen und Videos dazu drehen. Sein Vorwurf lautet, dass Levant eine Art digitale Drückerkolonne betreibt, während er nach außen vorgibt, konservative Standpunkte und verschwiegene Nachrichten zu veröffentlichen.

Damit das alles unter der Decke bleibt, ist er offenbar auch bereit, hohe Schweigegelder zu zahlen. Southern soll Zahlungen erhalten haben und auch Robertson bekam eine fünfstellige Summe, damit er sich nicht über Interna auslässt. Aufgrund des unethischen Charakters, so Robertson, ging er aber trotzdem an die Öffentlichkeit, wobei er sogar Tonmitschnitte präsentieren kann, die seine Vorwürfe mit dem Schweigegeld beweisen. Darüber hinaus kritisierte Robertson auch die Entscheidung, Videobeweise für unlauteres Verhalten bei einer parteiinternen Wahl von Ukip aus persönlichem Interesse zurückgehalten zu haben.

Levant auf der anderen Seite veröffentlichte inzwischen auch selbst ein Video, in dem er sich damit verteidigt, dass sich Robertson und sein Partner bei The Rebel quasi eingeschlichen haben und einfach so damit begannen Tommy Robinsons Videos zu verbessern, nur um nach und nach Geld für ihre Dienste zu verlangen. Tatsächlich wurde Levant in seiner Version sogar von Robertson erpresst, wobei er wie er selbst meinte einen Fehler machte, als er darauf einging. Die Mittelverwendung aus den Spenden verteidigt Levant damit, dass es bekannt sei, zu viel eingenommene Gelder für ein Projekt in andere Hilfsprojekte umzuleiten. Inzwischen sprang ihm auch Tommy Robinson zur Seite, der in einem Video bestätigte, dass von den Geldern nichts in private Taschen abgezweigt wird.

Eine Einordnung

Das alles klingt nach einer kleinen internen Schmierenkomödie, wie es immer wieder einmal vorkommt unter ambitionierten Personen mit unterschiedlichen Vorstellungen. Welche der Streitparteien am Ende Recht behalten wird kann erst beurteilt werden, wenn bei der Mittelverwendung Transparenz hergestellt ist. Was aber bleiben wird – und dies betrifft weit mehr als nur die Protagonisten und Mitarbeiter von The Rebel – ist ein massiver Reputationsschaden eines recht großen Spielers auf dem Alternativen Medienmarkt und das angesichts der gerade laufenden globalen Zensurwelle zum wohl ungünstigsten aller Zeitpunkte. Mit dem Verlust des guten Rufes und der Zersplitterung der Beteiligten in viele kleine Grüppchen wird es noch leichter sein, alternative Medienstimmen zum Schweigen zu bringen. Nicht zuletzt wirkt sich die öffentliche Streiterei unabhängig davon, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht auch auf andere Anbieter aus, die ebenfalls auf das Vertrauen jener Konsumenten angewiesen sind, die sich von der Beschallung der Mainstream Medien entfernt haben. Ohne Werbeeinnahmen und ohne freiwillig zahlende Nutzer bleibt für Personen ohne prall gefüllten Geldbeutel nur noch die Möglichkeit, politische Opposition als Hobby zu betreiben.

Es mag etwas verwegen klingen, angesichts des Timings und der Umstände aber – und aufgrund all der seltsamen Dinge, die in den letzten Jahren immer häufiger vorzukommen scheinen – ist nicht auszuschließen, dass auch hier eine unsichtbare Kraft am Werk ist, die ein Interesse daran hat, die mediale Opposition in mundgerechte Stücke zu zerteilen.

Bestenfalls könnte aus dieser Geschichte am Ende eine verbesserte, weil voll transparente Rebel Media entstehen, sowie ein oder mehrere Konkurrenten, die das Geschäft der Alternativen Medien beleben. Schlimmstenfalls aber könnte es das Totenglöckchen sein für einen Gutteil der alternativen Medien, da ihre Protagonisten aufgrund der Zersplitterung (und dem Nachhelfen durch YouTube und Co.) für die allermeisten Menschen schlichtweg nicht mehr sichtbar sind.

Wandere aus, solange es noch geht!
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