Einfach eine Nummer zu groß

Foto: Von Ken Fielding/http://www.flickr.com/photos/kenfielding, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32293071
Foto: Von Ken Fielding/http://www.flickr.com/photos/kenfielding, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32293071

„Wer bei der Air-Berlin-Hotline in der Warteschleife hängt, bekommt einen alten Werbesong der Fluglinie vorgespielt. „From Kilimanjaro to Lady Liberty / from the Amazon Forest to the Islands of Greece“ schallt es durch den Telefonhörer. So lange, bis jemand abhebt. Sofern denn überhaupt jemand abhebt.“

 Ein Kommentar von Thomas Schlawig

Gestern hatte ich schon einmal über das Thema Air Berlin geschrieben und bedauert, daß ich vom Thema Wirtschaft eigentlich keine Ahnung habe. Aber es scheint tatsächlich so zu sein, daß ein Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand  höher zu bewerten sind, als ein BWL-Studium. Die Pleite von Air Berlin, als die zweitgrößte deutsche Airline ist dem Größenwahn und der Unfähigkeit des Managements zu verdanken. Eine Airline, zusammengewürfelt und aufgeblasen mit diversen anderen Airlines, auf allen Hochzeiten tanzend, (Kurz-, Mittel- und Langstrecke, Städteziele und Ferienorte, Geschäftsreisende und Urlauber) muß sich zwangsläufig verzetteln. Es ist eine altbekannte Tatsache, daß derjenige, der meint, alles zu können, am Ende nichts richtig kann. Ganz abgesehen von der Tatsache, daß Air Berlin mit sieben verschiedenen Jet-Typen von Airbus bis Boeing geflogen ist. Jede Spedition achtet darauf ihren Fuhrpark Typenrein zu halten um besonders gute Konditionen bei Kauf/Leasing, Service und Versicherungen zu erhalten. Permanent wechselnde Chefs (fünf in sechs Jahren) tragen weder bei Personal noch bei Kunden dazu bei, Vertrauen zu erwecken. Und wenn es sich dann auch noch um die Person Mehdorn handelt, schon gar nicht. Somit konnte es nur bergab gehen. Zitat: „Aber auch unter ihm [Thomas Winkelmann] geht es weiter bergab, es häufen sich Verspätungen und ausfallende Flüge, Im Mai weist der Flugdaten-Anbieter Flightstats Air Berlin als unzuverlässigsten Carrier Europas aus: mit 547 ausgefallenen Flügen und 5587 Verspätungen in einem Monat. Viele Mitarbeiter sind demotiviert.“

Es regiert ab 2016 regiert nur noch Chaos. „Unter anderem verleast Air Berlin 38 seinerseits geleaste Maschinen samt Besatzung an die Lufthansa-Gruppe weiter.“    Air Berlin fliegt einen Rekordverlust von 781,9 Mio. Euro ein. Angesichts der Schulden bekommt der Name des sechsten und gegenwärtigen Chefs von Air Berlin, Thomas Winkelmann eine besondere Bedeutung. Winkelmann war vorher Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings und ist Vertrauter von Lufthansa-Chef Spohr. Zitat:  „Viele Mitarbeiter sind demotiviert; für sie ist Winkelmann ein Lufthanseat. Und: „Die Lufthansa hat alles getan, um Air Berlin in den jetzigen Zustand zu bekommen“.  Es stellt sich die Frage, ob Air Berlin gezielt in die Insolvenz geflogen wurde? Zitat: „Nicht nur wegen der Personalie Winkelmann ist die Komplettübernahme durch den heimischen Branchenführer Dauerthema bei Air Berlin. Bisher ist der Deal allerdings nicht zustande gekommen: Vor allem wegen Air Berlins Schulden von zuletzt rund 1,2 Milliarden Euro, die die Lufthansa nicht übernehmen will. Nun öffnet die Insolvenz den Weg, diese Schulden loszuwerden. Und tatsächlich hat Lufthansa bereits angekündigt, Teile des Unternehmens übernehmen und auch Mitarbeiter einstellen zu wollen. „Dieses Szenario ist für die Lufthansa ideal“, sagt der langjährige Luftfahrtmanager Wissel. „Das Hindernis Schulden ist weg.“

Angesichts dieser Vorgänge ist der 150 Millionen-Kredit durch die Bundesregierung schon als Frechheit gegenüber dem Steuerzahler zu betrachten, auch wenn Merkel betont, Zitat: „Wir können mit großer, großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Steuerzahler das nicht bezahlen muss“.  Was Merkels Worte in der Wahlkampfzeit für einen Wert haben, ist ja hinlänglich bekannt.

„Die Gläubiger von Air Berlin müssen nach dem Insolvenzantrag um ihr Geld bangen. Der Chef der Fluggesellschaft, Thomas Winkelmann, hat diese Sorge nicht. Zur Absicherung der Verpflichtungen aus seinem bis Januar 2021 laufenden Vertrag gibt es eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro.“

Und weiter:

„Winkelmann hat laut dem jüngsten Geschäftsbericht für den Fall einer ordentlichen Kündigung Anspruch auf sein vertragliches Grundgehalt. Es liegt bei 950.000 Euro im Jahr und kann sich durch Boni verdoppeln.“

Ob das allerdings beim Steuerzahler und Wähler gut ankommt, darf bezweifelt werden. Deswegen sollte sich jeder gut überlegen, ob er Merkel am 24.September seine Stimme geben wird.

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