Rufmord und Journalismus

Es gibt wieder Aufregung um Carsten Maschmeyer (Foto: Von Nikolaj Gerogiew - Nikolaj Gerogiew per OTRS, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29338368
Es gibt wieder Aufregung um Carsten Maschmeyer (Foto: Von Nikolaj Gerogiew - Nikolaj Gerogiew per OTRS, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29338368

Der „Drückerkönig“ Carsten Maschmeyer ist eine Ausgeburt des Bösen, der alten Omas die Sparbücher geklaut hat. Doch ist er es wirklich, oder hat Stefan Schabirosky ihn dazu gemacht?

Von Volker Kleinophorst

„Mein Auftrag Rufmord“. Schon der Vorabdruck des Buches in Handelsblatt und Welt sorgt bei den Medien für Schnappatmung. „Journalist“ Stefan Schabirosky erzählt in dem Buch, wie er Carsten Maschmeyers AWD abgesägt hat und wie ihm dessen Hauptkonkurrent DVAG und die Medien dabei geholfen haben.

Kurz: Schabirosky war 10 Jahre bei der AWD, dann rausgeflogen und wollte sich rächen. Er marschierte zum Konkurrenten DVAG und bot denen an „die AWD platt zu machen“. Man zahlte ihm 5000 € pro Monat. Für den Fall, dass er erfolgreich sei, winkte noch ein Erfolgshonorar.

Schabirosky begann mit seiner „Operation Donnerwetter“ und gibt einen guten Einblick wie publizistische Diffamierung läuft

Man lässt Internet-Seiten vermeintlicher Opfer bauen. Man reichte anonym eine Strafanzeige ein. Daten-CDs an Presse geben und Finanzamt. Man munitionierte Verbraucheranwälte und GANZ WICHTIG: Man füttert Journalisten „seriöser Medien“ mit Halbwahrheiten, Lügen und frisierten internen Zahlen.

Doch als Maschmeyer 2008 „entnervt“ den AWD an den Konzern Swiss Life verkauft und Schabirosky von der DVAG seine angebliche siebenstellig vereinbarte Abschussprämie haben möchte, will die DVAG nicht zahlen. Nach endlosen für Schabirosky wenig erfolgreichen Streitereien jetzt das Enthüllungsbuch. Er wolle reinen Tisch machen, sicher auch Kasse.

Schon vor dem Erscheinen am Mittwoch haben erst einmal alle dementiert, die DAVG kennt den Mann quasi nicht, irgendwelche untergeordneten Funktionen. Der hätte doch gar nichts gewusst. Die Qualitätsmedien? Natürlich alles einwandfrei. Das weiß man aus dem Stand, selbst bei so einem lange zurückliegenden Fall. Hat wohl damit zu tun, dass man ja bei Panorama, Stern und SZ immer fehlerlos „Qualitätsjournalismus“ gemacht wird. Zu dumm das Schabirosky so akribisch E-Mails, Kanzleirechnungen und auch die Spesen belegen kann. Der Tagesspiegel ist sich auch nicht so sicher. Man möchte doch mal prüfen.

Ein Autor der Wirtschaftswoche gibt in Meedia aber schon mal die Absolution der „Heiligen Kirche zur reinen Wahrheit“, rät den Medien, nicht auf Schabirosky reinzufallen.

Als Leser fragt man sich doch da ganz blöd: „Woher weiß ich, dass dieser Experte nicht auch gekauft ist, oder wer jetzt eventuell Schabirosky unterstützt?“ Gar nicht natürlich, oft weiß es der Journalist auch nicht. Manchmal aber schon. Alles erlebt. Einer meiner Lieblingssprüche unter Kollegen: „Du bist doch Journalist. Und du glaubst noch, was in der Zeitung steht?“

Dieter Hildebrandt sagte schon vor langer Zeit in einem seiner begnadeten Solos: „Eine Hand wäscht die Andere. Wie kommt es, dass hinterher beide dreckig sind.“ In dieser Schlangengrube aus Journalisten, Anwälten und Anlageberatern haben wohl einige „Dreckspfoten“.

Anlageberatern trau ich eh nicht weiter, als man einem Amboss werfen kann, seit mich in jungen Jahren mal eine „Jugendsparberatung“ über den Tisch gezogen hat. War aber gut investiertes Geld. Denn als AWD und DVAG bei mir vorstellig wurden, kannte ich bereits das Geschäftsmodell. Dir wird mit hoher Provision ein riskanter Unsinn angedreht. Wenn das Ding daneben geht, sind schon Alle ganz weit weg.

Einen echten „Good Guy“ hat diese Geschichte wohl nicht. Auch dem eventuell geleimten Carsten Maschmeyer passt dieser Schuh nicht. Doch der „Skandal“ auch mal eine Aussage über den Zustand unseres Landes, wie verlottert es gerade unter den selbsternannten Eliten zugeht und das man der Presse auch schon vor „Lügenpresse“ besser nicht zu viel Vertrauen schenkt.

Das für die AWD erdachte Rufmord-Konzept von Schabirosky ist auch heute täglich im Einsatz.

Man muss nur einen Buchstaben austauschen.

Wandere aus, solange es noch geht!
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