Nicolaus Fest: Wenn die „Bild“ blank zieht

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Bild - da lacht der Leser (Foto: Collage)

Über Jahrzehnte weit vorn in Sachen leichtbekleideter Körperlichkeit war BILD. Die Barbusige von Seite 1 gehörte gleichsam zur Marke, und nie wurde das Versprechen von harter Berichterstattung und leichter Unterhaltung eleganter auf den Punkt gebracht als in dem Slogan: „Nackte Tatsachen? Wir bringen beides!“

Von Nicolaus Fest

Der immer wiederkehrenden Kritik begegnete Chefredakteur Diekmann mal mit Spott über derartige Verklemmtheiten in Zeiten des überall verfügbaren Hardcore-Porns, mal mit Verweisen auf die europäische Malerei, in der Nacktheit und bukolische Motive keineswegs frauenfeindlich gedacht waren. Nun allerdings scheint BILD selbst in halbnackter Haut eine Gefahr zu erkennen. So kommentiert die Zeitung das AfD-Plakat „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis“ mit den Worten: „Auch dieses Wahlplakat sorgt für Kritik: Denn was will die AfD damit sagen? Etwa, dass Frauen in erster Linie den Männern gefallen sollen – und sich daher am besten möglichst leichtbekleidet präsentieren?“

Das ist eine große, ehrliche Frage von einer Zeitung, die unter der irreführenden Rubrik Erotik jeden Monat das ‚BILD-Girl’ vorstellt. Dort legt man allerdings mehr Wert auf Aussagen: „Anna kommt immer auf dem Bike“ oder „Christina. Ich liebe Sex!“ Was das uns sagen soll, wird hier niemand fragen.

Tatsächlich ist die AfD-Kampagne ein Beispiel, wie anti-sexistisch das Spiel mit dem Sex zuweilen sein kann. Denn erkennbar geht es nicht um Männerfreuden; es geht um Frauenrechte. Es geht darum, die individuelle Freiheit des Westens gegen kollektivistische Kleider- und Denkvorschriften zu verteidigen – auch gegenüber jenen, die unter dem törichten Slogan „Refugees welcome“ Sexismus und Frauenfeindlichkeit die Tore öffneten.

In Wirklichkeit dürfte auch BILD kein Freund der neuen Prüderie sein. Würde die FDP mit dem AfD-Motiv für die Verteidigung der westlichen Freiheiten kämpfen, wäre die Zeitung sicherlich voll des Lobes. Aber im Kampf gegen die AfD kann man schon mal die eigene argumentative Nacktheit übersehen. Parteilichkeit macht keinen guten Journalismus.

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