Abt. Bravo: Endlich Eigeninitiative!

Lust auf ´ne Runde Krankenwagen? - Schlüssel steckt! (Foto: Pixabay)

Aus dem Newsticker des Stern:

Zitat: „Fürth: Autofahrer parkt eigenmächtig Krankenwagen um

Ein 27-Jähriger im fränkischen Fürth parkte am Mittwoch kurzerhand selbst einen Krankenwagen um, der in zweiter Reihe neben seinem Auto abgestellt war. Wie das Portal „Rettungsdienst.de“ berichtet, bereitete die Besatzung des Krankenwagens gerade einen Krankentransport vor. Weil sie keinen Parkplatz gefunden hatten, mussten sie in zweiter Reihe parken.

Der eingeparkte Autofahrer wollte gerade losfahren und geriet über die Situation so sehr in Rage, dass er den Krankenwagen eigenmächtig umparkte. Anschließend warf er dem Bericht nach Den Rettungskräften den Fahrzeugschlüssel vor die Füße und beleidigte sie. Die Polizei leitete ein Verfahren gegen den Fahrer ein, dieser erstattete seinerseits Anzeige wegen Nötigung gegen die Rettungsdienstmitarbeiter.“ – Zitatende.

Kommentar:

„Besatzung bereitete einen Krankentransport vor“, kann alles mögliche heißen. Gang und gäbe ist es z.B., daß Krankenwagen bettlägrige Nierenpatienten in der Dialysestation abholen wollen, um sie nachhause zu fahren. Allerdings sind Dialysepatienten selten zur vorgeplanten Abholzeit auch wirklich transportbereit. Eine halbe Stunde Wartezeit für so einen Krankenwagen ist da nicht ungewöhnlich. Es sind in den seltensten Fällen Rettungseinsätze, wenn Krankenwagen unterwegs sind. Besetzt sind sie allerdings fast immer mit Personal, welches keine Gelegenheit ausläßt, seine eigene Wichtigkeit auszustellen. Man wähnt sich gern hoheitlich. Da werden Hecktüren geöffnet und Rollstuhl- oder Liegenrampen ausgefahren, die dann eine halbe Stunde so bleiben und über die dann jeder drübersteigen muß, der durch will. Es wäre von den Herrschaften schließlich zu viel verlangt, nach Entnahme der Transportliege die Rampen erst einmal wieder einzufahren und die Türen wieder zu schließen. Die Pimperlwichtigs müssten sie womöglich nochmal öffnen, wenn es mit dem eigentlichen Transport losgeht. Unzumutbar. Krankenwagen werden oft schon dann nicht sozialverträglich abgestellt, wenn das zu einer Verlängerung des Fußweges für die Patientenchauffeure um zehn Meter führen würde.

Ich bin mir sicher, daß es in Fürth so gewesen ist. Der 27-jährige „Eigenmächtige“ hat die Krankenwagenfahrer auf eine Parkalternative hingewiesen. Die wiederum haben die Nase gerümpft und gesagt, sie seien schließlich die Rettung und daß sie es sich erlauben könnten, den Bürger ohne sachlichen Grund rettungslos zu blockieren. Sie könnten so lange parken, wie und wo auch immer sie wollen. Da der 27-Jährige den Krankenwagen selbst problemlos umparken konnte, hätten das die Krankenwagendespoten natürlich auch selbst gekonnt. Sie wollten halt nicht. Da hat es der Bürger in löblicher Eigenintiative eben selbst getan, ohne vom Roten Kreuz Geld für seine Umparkdienste zu verlangen. Im Übrigen würde ich den offiziellen Fahrer des Krankenwagens feuern, wenn ich das Rote Kreuz, der ASB oder die Johanniter wäre. Er hat ganz offensichtlich bei einem sauteuren Fahrzeug, das ich ihm anvertraut habe, den Schlüssel stecken lassen, so daß Unbefugte den Wagen bewegen konnten. Die Pimperlwichtigs von der Rettung hätten sicherlich besser daran getan, still und heimlich ihre Lehren aus dem Vorfall zu ziehen, als unter Verlaß auf die Korrektheit ihres Wahns von der eigenen Hohheitlichkeit die Sache auch noch an die große Glocke zu hängen.

Daß es die Lokalstory aus Fürth allerdings bis in den Stern schafft, ist ein Indiz dafür, daß man sich wohl auch beim Stern sicher ist, die Leserschaft würde sich über den 27-jährigen „Eigenmächtigkeits-Rüpel“ empören und einen Verfall der Sitten beklagen. Meinen Beifall hat der junge Mann allerdings. Der Krankenwagen konnte offensichtlich so abgestellt werden, daß aktuell niemand blockiert wurde. Alles bestens.

Ist übrigens schon einmal jemandem aufgefallen, daß alle diejenigen, die deswegen in Schnappatmung verfallen, weil sie rechts überholt worden sind, auch hätten links überholt werden können, wenn sie selbst vorschriftsmäßig rechts gefahren wären? Im Stern würden wir wahrscheinlich lesen: Gewissenloser Raser überholt Krankenwagen rechts. Nicht lesen würden wir, wenn das deswegen passiert wäre, weil der Krankenwagen im bräsigen Wahn seiner eigenen Hohheitlichkeit vorher dauerhaft und ohne Not die linke Spur blockiert hätte. Solange ich nichts über die näheren Begleitumstände des Vorfalls in Fürth erfahre, sage ich dem Stern deshalb: Schiebt euch eure Sensationsmeldung sonst wo hin. (ME)

 

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