Schade: Air Berlin meldet Insolvenz an

Foto: Von Ken Fielding/http://www.flickr.com/photos/kenfielding, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32293071
Foto: Von Ken Fielding/http://www.flickr.com/photos/kenfielding, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32293071

„Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways den Geldhahn zudrehte. Passagiere können dennoch vorerst aufatmen.“

Ich gestehe, daß ich von diesem Thema keine Ahnung habe, aber mein Bauchgefühl sagt mir, mich dazu zu äußern.

Ein Kommentar von Thomas Schlawig

„Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich.“

 Hier stellt sich die Frage, wie kann ein einst florierendes Unternehmen derart tief in die Roten Zahlen geraten?

Zunächst etwas über die Geschichte von Air Berlin. Die wenigsten werden wissen, daß Air Berlin vom Ursprung eine amerikanische Airline war.

Zitat:

Nachdem der Pilot Kim Lundgren im Zuge der Ölpreiskrise seine Arbeit bei der Pan Am verlor, gründete er im Juli 1978 die Air Berlin Inc. als Charterfluggesellschaft unter Zulassung durch die FAA im US-Bundesstaat Oregon, da nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 nur Flugzeuge der Siegermächte West-Berlin anfliegen durften.[5] Offizieller Sitz der Air Berlin USA war Miami in Florida, das zeitweise auch von Berlin aus angeflogen wurde.[6]

„Zum 1. Januar 2006 änderte Air Berlin ihre Unternehmensform von einer GmbH & Co. KG in eine Limited & Co. KG und überführte dabei die GmbH in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC). In diesem Fall ist die PLC, anstelle einer deutschen juristischen Person, ausländischer persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) der deutschen KG. Als Grund für diese Änderung wurden bilanzrechtliche Vorteile und bessere Abschreibungsmöglichkeiten sowie die Umgehung der Unternehmensmitbestimmung genannt.[11]

Es wurden hier ganz offensichtlich „Vorarbeiten“ für den geplanten Börsengang am 05. Mai 2006 geleistet. Am 04.Mai 2006 wurde der Börsengang verschoben. Offizielle Gründe wurden nicht angegeben. Die Erstnotierung fand am 11.Mai 2006 statt.

Mit dem Begriff Börsengang meldet sich auch mein Bauchgefühl, wie es scheint nicht zu unrecht. Denn oftmals gehen mit einem Börsengang Pleiten, Pech und Pannen einher. Siehe Deutsche Bahn. Auf einen gewissen Helmut Mehdorn komme ich noch zu sprechen.

Am 27. März 2007 wurde die Übernahme der deutschen Traditionsgesellschaft LTU durch Air Berlin bekanntgegeben.

Ebenfalls 2007 erwarb Air Berlin eine 49-prozentige Beteiligung an der Schweizer Fluggesellschaft Belair Airlines.

 Am 20. September 2007 gab Air Berlin bekannt, mit Condor eine weitere deutsche Fluggesellschaft übernehmen zu wollen. Die Thomas Cook Group, Hauptanteilseigner der Condor, wollte dazu bis zum 10. Februar 2009 ihre Anteile an Condor Flugdienst in Air Berlin einbringen und sollte im Gegenzug mindestens 500 Millionen Euro in bar und Aktienanteile an Air Berlin erhalten. Das Bundeskartellamt hatte die Prüfungsfrist mehrmals verlängert. Der Antrag auf Genehmigung der Fusion wurde jedoch am 11. Juli 2008 durch Air Berlin und den Reiseveranstalter Thomas Cook wegen „erheblich veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ zurückgezogen.

Air Berlin war seit dem Börsengang im Jahr 2006 kaum rentabel gewesen. Bis 2016 hatten sich innerhalb dreier Jahre 1,14 Milliarden Euro Schulden angesammelt.[84]Am 28. September 2016 erklärte Air Berlin, nachdem bereits vorab Medien verschiedentlich berichtet haben, eine „tiefgreifende Restrukturierung“ des Konzerns. 

Es ist immer wieder dasselbe Spiel. Börsengang, Übernahmen, Fusionen, Beteiligungen, Umstrukturierungen, Restrukturierung, Insolvenz. Die leidtragenden sind am Ende Kunden und Mitarbeiter. Unter dem Strich nichts weiter als Pleiten Pech und Pannen. Seit dem Börsengang ist die Bahn zwar nicht insolvent, aber Chaos wie Verspätungen, Ausfälle eher die Regel als die Ausnahme. Und hier kommt der Name Mehdorn ins Spiel. Zufall, oder einfach nur Versagen eines hochbezahlten „Managers“?

Ich bin oft und gern mit Air Berlin geflogen, aber es war in den letzten Jahren schon am Service zu erkennen, daß hier etwas nicht mehr läuft.

Nun ist also die zweitgrößte deutsche Airline insolvent. „Wirtschaftsminister“ Zypries erklärte dazu, Zitat:

Der Flugbetrieb solle mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung in Höhe von 150 Millionen Euro weitergehen, erklärte Air Berlin. Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries zeigte sich auf einer Pressekonferenz zuversichtlich, dass die Fluggesellschaft den Kredit zurückzahlen kann. Dies sollte aus dem Erlös der Start- und Landerechte (Slots) möglich sein.“

 Überbrückungskredit der Bundesregierung  heißt nichts anderes, als das der Steuerzahler für das Versagen und den Größenwahn von Managern und Vorstand die Zeche zahlen soll. Ein Unternehmen, welches sich in die Insolvenz gewirtschaftet hat, hat am Markt nichts mehr zu suchen. Staatliche Unterstützung (Rettung) ist fehl am Platze. Sicher macht sich eine „Rettung“ von Arbeitsplätzen mitten im Wahlkampf besonders gut, aber das eingesetzte Geld ist oftmals in den Sand gesetzt. Begonnen hat das unsägliche „Retten“ von insolventen Unternehmen am 24.11.1999 mit der Philipp Holzmann AG durch den damaligen Kanzler Schröder, welcher ein „Rettungspaket“ verkündete. Die Gesamtsumme belief sich auf 4,3 Milliarden DM. Am 21.02.2002 war die Philipp Holzmann AG insolvent und 7000 Arbeitsplätze konnten nur durch Verkäufe gerettet werden. Hoher Einsatz und am Ende doch die Pleite. Diese läppischen Milliarden DM sind allerdings nichts gegen die Euro-„Rettung“ und das Faß ohne Boden Griechenland. Die „Politik“ soll sich aus derartigen Aktivitäten und „Rettungen“ zurückhalten und die Regulierung dem Markt überlassen.

Eingangs habe ich geschrieben, daß ich von dem Thema keine Ahnung habe, aber Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand sind oftmals höher zu bewerten als jahrelanges Studium mit herabgesetztem Niveau. Vor 100 Jahren und mehr haben wagemutige Menschen Unternehmen gegründet und aus dem Bauch heraus mit Erfolg geführt. Auch diese Unternehmer haben expandiert und sind Risiken eingegangen. Aber sie haben nie das Ziel aus den Augen verloren, nämlich ihre Mitmenschen in Lohn und Brot zu bringen. Arbeitsplätze zählen heute nur noch in der Statistik und man wird das Gefühl nicht los, daß sie für so manchen Unternehmer nur ein Klotz am Bein sind und im wahrsten Sinne des Wortes Geld kosten. Aber ohne geht es nun einmal nicht.  100 Jahre alte Unternehmen haben zwei Kriege überstanden und sind letztlich doch von neunmalklugen Betriebswirtschaftsheinis gegen die Wand gefahren worden. Wenn der Rotstift die Regie übernimmt, ist jeglicher Verstand ausgeschaltet.

Air Berlin wurde 1978 von einem Mann gegründet und ist 39 Jahre später insolvent. Schade, Air Berlin. Viele schöne Urlaube begannen mit Dir.

Wandere aus, solange es noch geht!
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