Wird Fiat Chrysler chinesisch?

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Bald in chinesischer Schrift (Foto: Wikipedia)

Wie beichtet wird sollen gleich mehrere chinesische Unternehmen an der Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens Fiat Chrysler interessiert sein. Es wäre nach Volvo die zweite Übernahme eines großen europäischen Autoherstellers durch ein chinesisches Unternehmen.

Von Ingmar Blessing

Fiat hat seit langem bereits Probleme. Konzernchef Sergio Marchionne meinte schon zu Beginn der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt, dass dem Automobilmarkt aufgrund der manglenden Profitabilität bis 2020 eine lange Konsolidierungswelle bevorsteht, was bislang auch zutraf und Fiat zum Handeln zwang. 2014 schloss das Unternehmen die Übernahme des seit langem kriselnden US Autokonzerns Chrysler ab, um eine breitere Plattform zu bekommen. Dazu wurde das neue gemeinsame Unternehmen Fiat Chrysler regulierungs- und steuersparend in den Niederlanden angemeldet, da Fiat vor allem an seinen italienischen Standorten Produktivitätsprobleme hatte. Genau genommen ist das Symbol des italienischen Nachkriegswirtschaftswunders also bereits heute kein italienisches Unternehmen mehr.

Gebracht hat das alles nicht viel. Wie AutomotiveNews berichtet buhlen nun mehrere chinesische Untenehmen aktiv um die Übernahme von Fiat Chrysler, wobei in erstes Angebot in diesem Monat abgegeben wurde, was den bisherigen Eigentümern aber zu niedrig war. Laut Quellen soll es sich bei den Bietern um etablierte und dank Technologie- und Kompetenztransfer konkurrenzfähige chinesische Autounternehmen handeln. Auch Volvo wurde damals von der chinesischen Geely Gruppe übernommen, die bis 2020 zwei Millionen PKW produzieren will. Geely kooperiert bereits heute mit Fiat Chrysler und soll ebenfalls mitbieten. Mit Fiat Chrysler, die jährlich über vier Millionen PKW absetzen würde das Absatzziel deutlich überschritten. Ebenfalls im Rennen sind die Dongfeng, Great Wall und die Guangzhou Autogruppe.

Fiat Chrysler ist derzeit etwa 15 Milliarden Euro wert. Laut AutoNews wären bei einem Verkauf an einen der chinesischen Konzerne die Marken Jeep, Ram, Chrysler, Dodge und Fiat inbegriffen, von denen zumindest Jeep hochprofitabel ist. Alfa Romeo, für das auch Ferdinand Piech von Volkswagen bereits einmal Interesse angemeldet hat, sowie die Edelmarke Maserati, die vor allem mit Ferrari Teilen bestückt wird, würden dagegen außen vor bleiben.

Die aktiven Bemühungen um die Übernahme des Autokonzerns folgt der staatlichen Strategie Chinas, nach der die auf dem heimischen Markt stark gewordenen Unternehmen ihre Arme global ausstrecken und mit Zukäufen auf Märkten weltweit Fuß fassen sollen. Wie ZeroHedge berichtet ist geplant, dass sich chinesische Unternehmen im Verlauf des kommenden Jahrzehnts für insgesamt 1,5 Billionen Dollar im Ausland einkaufen. Insbesondere auf Automobilmarkt, wo vieles über lange etablierte Marken läuft und Neueinsteiger, wie etwa Hyundai, einen sehr langen Atem brauchen ist es bei weitem risikoärmer, sich Prestige zuzukaufen, auch wenn die Werte dahinter nicht ganz so frisch sind.

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