Ein großer Pädagoge

Symbolfoto: Durch Poznyakov/Shutterstock
Hier wird das teilen und das austeilen gelernt (Symbolfoto: Durch Poznyakov/Shutterstock)

Ein Mädchen hat Ärger im Kindergarten. Doch sie hat Glück. Ihr Vater findet einen erzieherischen Ansatz, der alle überzeugt.

Von Volker Kleinophorst

Probleme im Kindergarten. Ein Nachbar erzählte mir schon vor geraumer Zeit, seine kleine Enkelin wäre von einem Jungen gewürgt worden. Die Kleine, wirklich ein nettes  eher zurückhaltendes Mädchen, ich kenne sie persönlich, hat einen Vater, der als Leibwächter arbeitet und sie ist für ihr Alter ziemlich fit. Ein gleichaltriger Junge kann die nicht einschüchtern. Schneller als der gucken konnte, hatte sie ihn im Würgegriff. „Damit der mal weiß, wie sich das anfühlt.“

Die Erzieherin fand das nicht so toll. Sich selber zu wehren, geht gar nicht. Das Mädchen hätte einen Erwachsenen holen sollen. Heutzutage ist schnell großes Tam Tam wegen solcher Geschichten und auf einmal wollte das Mädchen auch nicht mehr in den Kindergarten.

Warum? Irgendwie hatte sich die pädagogische Fachkraft auf die Kleine eingeschossen und sie, als es Fruchtsuppe gab und das Mädchen nicht essen wollte, stundenlang vor dem Teller hocken lassen. Während die anderen Kinder spielen durften und obwohl das Mädchen bereits am Vortag gesagt habe, sie möge keine Fruchtsuppe. Offenbar ist „es wird gegessen, was auf dem Tisch kommt“ noch immer nicht tot im deutschen Kindergarten.

Der Vater, die Eltern leben getrennt, sollte tunlichst nichts davon erfahren. Damit er sich nicht aufregt.

Wie Silvester, als jemand vom Balkon einen Knaller zu nah an seinen Hund geworfen hat, ist er hoch, hat die Tür eingetreten und den Werfer vom Balkon geschmissen, 1. Stock.  Wortlos. Als die Polizei kam, wollte niemand, es waren noch andere in der Wohnung, Anzeige erstatten.

„Bin runtergefallen.“

„Der Herr…?“

„Hat mir nur geholfen.“

„Und die Tür?“

„Das ist schon länger so. Wir sind alles Freunde hier.“

Dass seine kleine Prinzessin traurig ist, kann man vor so einem Vater natürlich nicht verbergen. Das kriegt er einfach mit.

Und so schaute er denn mal im Kindergarten vorbei.

Während des Gesprächs fing er dann an, die Erzieherin ganz leicht zu schubsen.

Erst einmal. Sie guckt ganz erstaunt.

Zweimal. Langsam wird sie wütend.

Dreimal: Sie drückt ihn mit beiden Händen weg. „Was fällt Ihnen ein.“

Er lächelt: „Sehen Sie, sich wehren, ist also doch nicht so schlecht. Wenn meine Tochter angegriffen wird und sich wehrt, möchte ich nicht noch mal hören, dass sie dafür getadelt wird.“

Das Schweigen der Dame als Zustimmung wertend, sei er gegangen. Allerdings nicht ohne folgenden Hinweis:

„Wenn meine Tochter etwas nicht essen will, dann ist das völlig in Ordnung. Ich möchte nicht, dass sie dafür bestraft wird.“ Alles ohne auch nur einmal die Stimme zu heben.

Ist eigentlich ganz einfach.

Wer der Stärkere ist, versteht jeder.

Auch eine deutsche Erzieherin.

Originellerweise ist dieses Handeln sogar bei den „Keine Gewalt“-Gutmenschenmuttis in meiner Umgebung der Hit.

Was für ein Pädagoge.

Anzeige