Private Krankenversicherung: Geld oder Leben!

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Arzt oder Medizinmann? (Foto: Pixabay)

Berlin – Kunden in der Privaten Krankenversicherung (PKV) müssen weiter mit drastischen Beitragsanhebungen rechnen. „Die Beiträge für Nicht-Beamte werden sich in den nächsten zehn Jahren fast verdoppeln“, sagte Karl Lauterbach, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, der „Welt am Sonntag“. Er rechne mit durchschnittlichen Beitragsanpassungen von fünf bis sieben Prozent pro Jahr.

Bei Beamten seien die Anstiege hingegen weniger stark. Lauterbach sagte, die Private Krankenversicherung halte er für nicht mehr reformierbar: „Marginale Veränderungen ergeben aus meiner Sicht keinen Sinn“. Das Nebeneinander von PKV und GKV müsse beendet werden. Lauterbach: „Wir wollen schlicht eine Bürgerversicherung“.

Derzeit sind knapp neun Millionen Menschen in Deutschland privat krankenversichert. Sie plagten sich in den vergangenen Jahren mit teils massiven Preissteigerungen. Einzelne Versicherungsgesellschaften hatten die Prämien für bestimmte Tarife um mehr als 40 Prozent erhöht.

Zurückzuführen ist das zum einen auf die Alterung der Gesellschaft sowie allgemein steigende Gesundheitskosten, auch in der PKV. Obendrein sind die Behandlungskosten bei niedergelassenen Ärzten für PKV-Versicherte höher als für gesetzlich Versicherte. Nicht nur die SPD, auch die anderen Parteien sehen Handlungsbedarf. Die Grünen wollen den Anbieterwechsel erleichtern und erhoffen sich so mehr Wettbewerb und geringere Prämiensteigerungen.

Die CDU plädiert hingegen nur für kleinere Gesetzesänderungen. „Es wäre nicht gut, hier noch stärker einzugreifen“, so CDU-Gesundheitssprecherin Maria Michalk in der „Welt am Sonntag“. Die FDP hat noch keine klare Linie zur PKV. „Ich möchte die Unternehmen natürlich nicht in den Ruin treiben, aber es muss Wettbewerb zwischen den Anbietern geben“, meinte Heiner Garg, Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein. Von Wettbewerb könne aber keine Rede sein, wenn ein Wechsel zu hohen finanziellen Nachteilen für die meisten Versicherten führe. Garg: „Darüber muss zumindest diskutiert werden“. (Quelle: dts)

Kommentar:

Vertragswerkstätten der Autohersteller berechnen ihre Werkstattpreise auch nicht danach, wer das Auto zur Reparatur bringt, sondern danach, was an dem Auto zu reparieren ist. Mit Patienten und Ärzten könnte es genauso laufen. Es kann nicht sein, daß für die Behandlung ein- und derselben Krankheit bei zwei verschiedenen Personen extrem unterschiedliche Kosten und Honorare abgerechnet werden. Da könnte man einmal ansetzen – und dem Privatversicherten die Wahl lassen, sich aufpreispflichtigen Luxus, den er dem gesetzlich Versicherten voraus haben möchte, aus einer Liste von Fall zu Fall selbst auszusuchen. Was Lauterbachs sozialistischen Traum von der allgemeinen Bürgerversicherung angeht, kann ich nur sagen:“Nachtigall, ick hör´dir trapsen.“ Wann hätte es das schon jemals gegeben, daß durch ein Monopol etwas billiger geworden wäre? (ME)