Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann?

Symbolfoto: Durch padu_foto/Shutterstock
Und wenn er kommt, dann laufen wir (Symbolfoto: Durch padu_foto/Shutterstock)

Einige von uns, die in ihrer Kindheit noch auf die Straße durften, deren Hände also noch nicht an ein Smartphone geklebt wurden, erinnern sich vielleicht noch an das aufregende Laufspiel „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“.

Wikipedia erklärt uns die Spielregeln:

Das Spiel ist für mehr als etwa acht Spieler gedacht. Nach oben sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Als Spielfeld dient eine möglichst große, ebene Fläche im Freien mit einer Spielrandbegrenzung.

Der Fänger ist der „Schwarze Mann“ und steht meist etwa fünfzehn Meter von den anderen entfernt auf der gegenüberliegenden Seite eines Platzes oder Raumes. Wenn er ruft „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“, wird mit „Niemand!“ geantwortet, dann auf „Und wenn er (aber) kommt?“ mit „Dann laufen wir (davon)!“ oder „Dann reißen wir (alle) aus!“ oder „Dann kommt er halt“. Die beiden Parteien rennen nun entgegengesetzt auf die andere Seite bis zur rettenden Wand bzw. Begrenzung. Der Fänger versucht dabei so viele wie möglich durch Antippen zu fangen.

Wer vom Schwarzen Mann erwischt wurde, hilft ihm im nächsten Durchlauf beim Fangen. Der Letzte, der übrig bleibt, hat gewonnen und ist meist im nächsten Spiel der Fänger.

Nun werden sicherlich einige Gesinnungsschnüffler denken: „Was für ein rassistisches Spiel, das muss sofort verboten werden“.

Stimmt aber nicht. Auch hier kann uns Wikipedia weiterhelfen:

Das Kinderspiel lässt sich auf die Kinderschreckfigur des Schwarzen Mannes zurückführen, die im ganzen deutschsprachigen Gebiet bekannt ist. Je nach Region und Zeit verstand man darunter verschiedene Wesen: eine dunkle schattenhafte Gestalt oder einen Mann mit schwarzer Kleidung. Andere Behauptungen, das Spiel stamme von Bunkerarbeiten ab 1939 am Schwarzen Mann, einem Berg der Eifel, entbehren jeder Grundlage, da das Spiel deutlich älter ist.

Der Liederforscher Franz Magnus Böhme beschrieb hingegen 1897, dass der Begriff auf den „Schwarzen Tod“ (die Pest um 1348) zurückzuführen sei. Das würde auch das Spielprinzip folgerichtig erklären: Jeder, der von der Pest befallen wird (im Spiel: angetippt wird), ist selber Träger des „Schwarzen Todes“ und gehört zum Heer des „Schwarzen Mannes“, das die Seuche ausbreitet.

Das Spiel wird manchmal auch anders genannt, z. B. „Wer hat Angst vorm bösen/wilden/blöden Mann?“ oder „Wer hat Angst vorm Weißen Hai?“, auch um eine rassistische Konnotation durch die Assoziation von „schwarz“ mit „böse“ zu vermeiden…

Wenn man allerdings dieser Tage durch die Straßen dieses Landes zieht und sich so umschaut, könnte man glatt annehmen, dass sich dieses Kinderspiel zur Erwachsenen-Realität gemausert hat und dass die Assoziation von „schwarz“ mit „böse“ gar nicht mehr zu vermeiden ist.

Auch die vielen Polizeimeldungen und Nachrichten aus den Lokalblättern könnten diese Assoziationen hervorrufen.

Nur, dass man im Ernst des Lebens wohl eher von „angrabschen“ statt antippen sprechen kann und auch das Ende des Spiels stimmt nicht mit der Realität überein. Denn wer heutzutage vom Schwarzen Mann erwischt wird, hilft ihm im nächsten Durchlauf sicherlich nicht beim Fangen. Und der Letzte, der übrig bleibt, hat nicht gewonnen, sondern macht das Licht in Deutschland aus.