Nach anfänglichen Turbulenzen scheint sich Bitcoin Cash stabilisiert zu haben

Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)
Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)

Mit der Abspaltung von Bitcoin Cash aufgrund eines konzeptionellen Streits gingen die Betreiber ein hohes Risiko ein und nachdem es kurzzeitig so aussah, als würde die neue Währung schnell an Bedeutung verlieren, so sieht es momentan danach aus, als könnte sich der Preis stabilisieren.

Von Ingmar Blessing

Kurz nach der Abspaltung vor einer Woche, bei der alle Bitcoin Besitzer die selbe Menge an Bitcoin Cash auf ihre Konten gutgeschrieben bekamen, stieg der Preis der Abspaltung stark an und erreichte einen Preis von fast 600 Dollar. Es sah so aus, als würde die Neukreation preislich ihrer Mutter Bitcoin folgen, die gerade bei einem Stückpreis von deutlich über 2.000 Euro liegt. Danach allerdings fiel Bitcoin Cash auch wieder genauso stark, hat sich inzwischen aber im Bereich von 200-300 Euro einpendeln können, nachdem die Nutzer genügend – aber nicht alle – ihre neu hinzuerhaltenen Bitcoin Cash abgestoßen haben. Damit bleibt die neue Währung zwar deutlich hinter ihrer Mutterwährung zurück, kann aber mit Ethereum mithalten, das einen fast identischen Preis hat.

Interessant ist hierbei, dass sich der Preis offenbar tatsächlich an der Knappheit der Anwendungsmöglichkeiten bemisst. Während es für Bitcoin als Platzhirsch bereits zahlreiche Einsatzmöglichkeiten gibt, da sich der Anwendungsmarkt zuallererst an die größte Währung anpassen muss, so hinken Ethereum und nun auch Bitcoin Cash hinterher in Bezug auf die Zahlungsmöglichkeiten und ebenso im Preis. Das Einpendeln von Bitcoin Cash auf seinem aktuellen Preisniveau zeigt eindeutig, dass die künstliche geschaffene Knappheit mit den zunehmend komplexeren Berechnungsalgorithmen von den Nutzern angenommen wird.

In wieweit sich der Preismechanismus per künstlicher Knappheit langfristig halten wird, oder ob irgendwann mit weiteren Abspaltungen die horizontale Inflation zum Tragen kommt ist bislang noch unbekannt. Betrachtet man Bitcoin und Bitcoin Cash zusammen, dann lag der horizontale Inflationssprung durch die Abspaltung bei etwa 20 Prozent. So lange dies nur selten geschieht dürfte die Funktion von Kryptowährungen als Mittel der Wertaufbewahrung keinen Schaden erleiden.

Allerdings ist zu erwarten, dass künftige Abspaltungen von künstlicher Intelligenz getrieben sein wird. KI-Systeme sind fähig, Hochfrequenzhandel zu betreiben und dafür wird es bei weitem größere Speicherblöcke für Blockchain-Transaktionen brauchen, als es Bitcoin und auch Bitcoin Cash momentan anbieten. Mittel- bis langfristig sind also weitere Abspaltungen sehr wahrscheinlich und es ist möglich, dass die horizontale Inflation irgendwann zu galoppieren beginnt, da die KI-Systeme mit jeder Abspaltung durch die numerische Verdoppelung einen marginalen Gewinn erzeugen können.

Für Kleinanleger oder allgemein Menschen als Anleger ist dies gleichbedeutend mit der Aussicht, vom Handel komplett ausgeschlossen zu werden, da niemand ohne Hochleistungscomputer mithalten kann – was dann nicht nur für das Schüfen neuer Bitcoins gälte, wo dies heute schon der Fall ist, sondern auch für den Handel und das Anlegen von Werten in digitalen Währungen insgesamt, da niemand mehr sagen kann, welches die werthaltigste Währung bleiben wird. Momentan aber könnte sich ein Einstieg durchaus noch lohnen, da weitere Abspaltungen lediglich aus einer Handvoll Kryptowährungen erfolgen kann und man als Nutzer direkt von dieser horizontalen Inflationierung profitieren kann. Ob Bitcoin am Ende allerdings mehr sein werden, als ein Schneeballsystem mit interessanter Transaktionstechnik muss sich erst noch zeigen.