Elon Musk will autonom fahrenden E-LKW bauen

Foto: Durch lassedesignen/Shutterstock
Bald auf der Straße ohne Kapitän und Benzin? (Foto: Durch lassedesignen/Shutterstock)

Nachdem der Gründer der Tesla E-Automarke immer wieder mit kühnen Ideen aufwartet und von Batterien über Hochgeschwindigkeitszüge bis Raketen so gut wie alles neu erfinden und produzieren will, plant er nun den Bau von kleinen, batteriebetriebenen und autonom fahrenden LKWs.

Von Ingmar Blessing

Bislang sind Batterien für Autos eher unpraktisch, da sie eine zu niedrige Energiedichte haben, also zu sperrig und schwer sind, um in der Masse im Strassenverkehr eingesetzt werden zu können. Bislang konnten sich die Autohersteller, darunter Musks Tesla, nur in einer Nische durchsetzen und dies auch nur mit Hilfe von staatlichen Subventionen und begeisterten Technikidealisten mit dem entsprechenden Geldbeutel.

Im Unterschied zu klassischen Fahrzeugherstellern setzt Elon Musk bei seiner Entwicklungsstrategie von Elektromobilen aber nicht auf teure, intensive und jahrelange Forschung und Entwicklung, sondern hat vielmehr eine hochmoderne und automatisierte Gigafabrik aus dem Boden gestampft, in der einfache Batterien in einer so großen Masse produziert werden, so dass die Grenzkosten quasi bei Null liegen. Den Effekt dieser Produktionsweise kann man am Preis normaler Laptopbatterien ablesen. Noch vor wenigen Jahren kosteten gängige Markenbatterien deutlich über 50 Euro, während heute selten über 30 Euro gezahlt werden müssen, wobei die Leistung aber nach wie vor in etwa die gleiche ist.

Für Musk, Tesla und die dahinterstehen Investoren bedeutet dies, möglichst viele Anwendungen für Batterien zu finden, um die Skaleneffekte der Gigafabrik voll auszutzen zu können. Bislang waren das in erster Linie Tesla Autos, da jedes Exemplar mehrere tausend Batterien benötigt. Wie Wired berichtet kommt nun eine weitere Fahrzeugkategorie in Form eines kleinen LKW dazu, der eine Reichweite von bis zu 400 km haben soll, also extrem viele Batterien benötigen würde.

Der vermutlich einzige Weg, dieses Gerät halbwegs konkurrenzfähig anbieten zu können besteht darin, das Gefährt autonom fahren zu lassen. Wired bezeichnet es als „wahrhafte Revolution des Transportwesens,“ was sicherlich nicht ganz falsch ist, da mit dem Wegfall der Fahrer zumindest einer der Grundpfeiler der Logistik umgestossen wird. Betriebswirtschaftlich betrachtet aber ist eher zu vermuten, dass die Autonomie aus der Not geboren wurde, um überhaupt den Markt betreten zu können.

Bislang können Elektroautos bei bescheidener Reichweite nicht viel mehr als sich selbst und zwei Insassen transportieren. Das ist eigentlich ein Ausschlusskriterium für E-LKWs. Wenn nun aber der Fahrer inklusive des Führerhauses entfällt, dann steigen die Parameter für Zuladung und Reichweite signifikant. Kommt nun noch hinzu, dass diese E-LKWs nur auf einer fest definierten, kurzen Strecke eingesetzt werden, wie es auch beim Modell eines norwegischen E-Schiffes angedacht ist, und am Zielort ein Batteriewechsel erfolgt oder diese über Nacht aufgeladen werden, dann könnte tatsächlich ein profitables Geschäftsmodell entstehen.

Insgesamt sind die Einsatzmöglichkeiten dieser E-LKWs (vergleichbar mit jenen auf schweizerischen Almen) aber so begrenzt, dass von der „Revolution“ wenig übrig bleibt. Es wäre eher eine kleine Reform im Detail. Die größte Auswirkung hätte es auf Musks Gigafabrik, die wieder um 20 Prozent mehr ausgelastet wäre. Für die wirkliche Revolution aber, die auch gängige Lieferwagen betrifft, braucht es aber noch zwei Jahrzehnte.