Kommissar iPhone

Foto: Durch Anna Hoychuk/Shutterstock
Die neue "Waffe" der Polizei? (Foto: Durch Anna Hoychuk/Shutterstock)

Bayern Polizei rüstet auf. Mit iPhones. Weil der neue Digitalfunk zwar teuer ist, aber wenig bringt. Ob man mit Apple glücklich wird?

Von Volker Kleinophorst

Die Polizei des Freistaates Bayern setzt jetzt aufs iPhone und Vodafone. „Ein Quantensprung für die Einsatzkommunikation“ laut dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU)

Grund: Der nagelneue und milliardenteure Digitalfunk funktioniert nicht so zuverlässig. Beim Münchener Amoklauf 2016 war der Funkverkehr zusammengebrochen. Außerdem könne der ja eh nur Sprache. Bilder kann die 1 Milliarde teure Neuentwicklung gar nicht schicken. Dass es mal nötig sein würde, konnte ja keiner ahnen. Dieses Internet. Neuland, wohin man schaut.

Deswegen schafft man jetzt 2.800 Apple-Handys an. Für die habe man eine spezielle App programmieren lassen, den Polizei-Messenger, für „nur“ 3,7 Millionen €.

Funk und Messenger seien perfekt aufeinander abgestimmt, jubiliert Herrmann. Die Nachrichten würden in Deutschland gesichert und ein „geschlossenes System“ wie das von Apple „erfüllt die sicherheitsrelevanten Anforderungen.“

Darauf gekommen, wie man die Funkkrise lösen könne, war man eben auch bei dem Ausfall während des Münchener Attentats. Denn die Beamten griffen beherzt zu ihren privaten Handys, obwohl dies natürlich verboten ist (Wenigstens da ist Deutschland noch Deutschland) und blieben so miteinander in Kontakt.

Und da kommen wir zum ersten Problem dieser „Lösung.“:

Der „private Handyverkehr“ hat in München genau so lange funktioniert, bis das Funknetz in Tatortnähe ebenfalls zusammenbrach. Dass wäre mit dem iPhone genau so, denn ein eigenes Funknetz steht Herrmann ja nicht zur Verfügung. Man ist auch nur vodafone Kunde.

Damit die Funknetze möglichst lange laufen, gibt es die sogenannte Vorrangschaltung, wenn ein Zusammenbruch droht. Der Datenverkehr also Bilder, Videos etc. wird zuerst abgeschaltet. Schon wieder nix mit Täterfotos schicken.

Die Daten führen zum nächsten Problem. Polizei ist Ländersache. Speichert vodafone alle Daten in Bayern, wie es sein müsste? Deren Serverfarmen sind doch in NRW und Hessen.

„Spezielle iPhones“ gibt es sicher nicht bei 2.800 Stück.

Auch Apple kann gehackt werden. Ein geschlossenes System mit Internetanschluss gibt es nicht.

Es gibt jedes Jahr ein neues iPhone. Das kann man nur bedingt ignorieren. Schneller als ein Lämmchen mit dem Schwanz wackeln kann, läuft die Software nicht mehr.

Im ländlichen Raum gibt es immer noch Funklöcher.

Noch ein paar Anmerkungen zum iPhone im Profi-Einsatz:

Ich gebe es zu. Ich ziehe Apple-Produkte ob Rechner, Ipod oder I“Wasauchimmer“ den Mitbewerbern vor. Aus Eigennutz. Ist „für mich“ einfacher zu bedienen. Vom FAN bin ich meilenweit entfernt, denn ich kenne die Unzulänglichkeiten nach fast 30 Jahren Dauertest ziemlich gut.

Zum iPhone:

  1. Man kann den Akku nicht wechseln. Man muss an eine Ladestation. Bei intensivem Gebrauch… Das Teil braucht halt Strom.
  2. Das Gerät ist nicht für einen harten Profieinsatz gemacht. Der Home-Button, also der dicke Knopf ohne den gar nichts läuft, ist anfällig.
  3. Fotografieren macht wirklich Spaß, die eingebaute Kamera ist unglaublich. Bei Sonne muss man blind schießen können, Regen auch nicht gut. Gilt natürlich für jedes smartphone.
  4. Die Bedienung des Touchscreens ist fehleranfällig, nichts für Datenversand in hektischen Situationen.
  5. Ein iPhone ist immer mit einem ganz bestimmten Rechner verknüpft. Gibt es Probleme muss es angeschlossen werden. Steht die „Mutter“ in der IT ist das Gerät erst mal weg. Alternative: Zu jedem Phone auch noch einen Mac kaufen.

So ganz ausgegoren scheint die Idee Millionen-Investition schützt vergurkte Milliarden-Investition nicht zu sein.

Eines kann man aber immerhin ausschließen.

Das iPhone wird sicher nicht zu schwer sein, um es im Streifenwagen mit sich zu führen, wie die neue Anti-Terror Ausrüstung.

Wandere aus, solange es noch geht!
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