Google-Ingenieur beklagt in internem Memo die linke Gesinnungspolitik im Unternehmen

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Werbung und Wirklichkeit. Zwei Königskinder! Foto: Shutterstock/Collage

Über das Wochenende sickerte ein von einem Google-Ingenieur geschriebenes internes Memo an die Öffentlichkeit, in dem er sich über die deutliche linke Neigung in der Unternehmenskultur, die damit einhergehende Echokammer und deren Nebenwirkungen beschwert.

Von Ingmar Blessing

„Ich wertschätze Vielfalt und Inklusion, ich leugne nicht, dass Sexismus existiert und halte es für falsch, Menschen in vorgefertigte Schubladen zu stecken“, so der erste Satz des Memos. Direkt darauf folgt dann das berühmte „aber“, woraufhin der Ingenieur dazu aufruft, bei der Ursachenforschung, warum Männer und Frauen in bestimmten Positionen und Berufen unterschiedlich vertreten sind, auch „Verteilungsunterschiede auf Ebene der Gesamtbevölkerung“ zu berücksichtigen. Sprich, Frauen arbeiten im Durchschnitt lieber in sozialen Berufen und wertschätzen Freizeit mehr als Männer, die lieber in technischen Bereichen und freiwillig mehr arbeiten, weshalb man sich nicht wundern muss, warum in einem Unternehmen wie Google mehr Männer in technischen Bereichen und in Führungspositionen arbeiten.

Dabei handelt es sich eigentlich um eine Binsenweisheit, allerdings nicht in modernen linksprogressiven Kreisen, wo das Geschlecht nicht genetisch definiert wird oder sich die eigene Stellung aus den persönlichen Ambitionen ergibt. Gemäß linksprogressiver Denkweise gibt es ausschließlich „soziale Konstrukte“, die einem von der Gesellschaft aufgedrängt werden. Laut Theorie ist der Mensch erst dann frei, wenn die Gesellschaft aufhört, dem Einzelnen diese sozialen Konstrukte aufzuzwingen und offenbar ist man bei Google intern vorne mit dabei im Kampf gegen diese Art der Unterdrückung.

Google eine linksprogressive Sekte?

Google, so sein Vorwurf, ist links und während sich die Alltagsdiskussionen ständig um unbewusste Neigungen drehen, also dem unbewussten Bevorzugen oder Benachteiligen von Menschen nach Rasse oder Geschlecht, so bleiben moralische Neigungen, auf denen politische Ansichten beruhen, außen vor. Der Ingenieur verweist darauf, dass nicht nur Google, sondern auch ein Großteil der Sozialwissenschaften, der Unterhaltungsindustrie und Medien links sind und wünscht sich, dass in diesen Bereichen endlich auch die eignen, unbewussten Neigungen beleuchtet werden.

Der Ingenieur bemängelt, dass Google intern eine Mentalität pflegt, in der Kritik verpönt ist und man besser seinen Mund hält. Dadurch, so der Ingenieur, entstand eine Echokammer, in der zwar niemand aneckt, in der es aber auch keine Ehrlichkeit gibt. Radikales oder schlichtweg falsches Verhalten wird nicht mehr verhindert und im Gegenteil, die moderaten Stimmen werden zum Schweigen gebracht, wodurch ein autoritäres System entstand, das dringend konkurrenzbedürftig ist, so der Ingenieur. Die Abwesenheit des Ausgleichs zwischen linken und rechten Ansichten, vor allem wenn es um die Themen Vielfalt und Inklusion geht, hat „eine politisch korrekte Monokultur geschafften, die sich damit schützt, indem Personen mit Gegenmeinung zum Schweigen gezwungen werden“. Mit anderen Worten, bei Google herrscht die Nazikeule.

Danach führt der Ingenieur aus, warum er die erzwungene Gleichbehandlung und massive Frauenförderung für falsch hält. Bei den vorgetragenen Argumenten handelt es sich um eine Zusammenfassung aller bekannten Argumente, die gegen die aktuelle linksprogressive Definition von Inklusion, Vielfalt, Feminismus und so weiter sprechen. Obwohl man erwarten sollte, dass aufgrund der Ausführlichkeit, mit der diese Themen öffentlich debattiert werden, inzwischen auch Google von den Gegenargumenten gehört haben sollte, so war dem bislang offenbar aber nicht so.

Zum Schluss listet der Ingenieur einige Verbesserungsmöglichkeiten auf, die man auch für die Gesellschaft insgesamt übernehmen könnte, darunter:

  • Das Thema der Vielfalt muss seinen moralischen Status verlieren
  • Konservative dürfen nicht mehr entfremdet werden
  • Es braucht eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse für die Vielfaltsprogramme
  • Etwas mehr Offenheit gegenüber der Wissenschaft und der menschlichen Natur

Die Reaktion von Google

 Inzwischen hat sich Danielle Brown, Googles Vizepräsidentin für „Vielfalt, Integrität und gute Unternehmensführung“ gemeldet und eine Antwort auf das Memo veröffentlicht. Darin bestätigt sie, dass man bei Google offen über alles sprechen kann, war aber trotzdem nicht bereit, in ihrer Antwort einen Link zum Memo zu setzen, damit sich jeder ein Bild davon machen kann.

Sie wirft dem Ingenieur vor, „falsche Annahmen zu Geschlechtern“ getroffen zu haben, ohne dies aber weiter auszuführen, während der Ingenieur seine Argumente auf mehreren Seiten dargelegt hat. Ebenfalls ohne tiefer darauf einzugehen bezeichnet Brown Vielfalt und Inklusion als fundamentale Werte für Google, da beide Aspekte als für den Unternehmenserfolg als kritisch erachtet werden.

Trotzdem sei das Äußern politischer Ansichten bei Google in Ordnung. Allerdings nur, wenn dies im Einklang mit der Philosophie des Unternehmens steht und diese wurde mit viel Mühe in Richtung Inklusion und Vielfalt gedreht, was sich laut Brown nicht ändern wird.

Lange wird der Ingenieur – oder die Ingenieurin – wohl nicht mehr bei Google arbeiten.

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