Warnungen vor einem Absturz der Aktienmärkte erreichen den Mainstream

An der Börse wird gedreht (Foto: Durch Twin Design)
An der Börse wird gedreht (Foto: Durch Twin Design)

Während Finanzanalysten in ihrer Nische bereits seit längerem vor den Risiko warnen, dass es bald schon zu einem Bösencrash kommen könnte, warnen nun auch Großbanken und Medien mit breitem Publikum vor dem Platzen einer riesigen Blase. Der Business Insider berichtet aktuell über den immer lauter werdenden Chor an Analysten und Investoren an der Wall Street, die der Ansicht sind, dass es am Aktienmarkt bald schon ein böses Erwachen geben könnte.

Von Ingmar Blessing

Aktuell erklimmen Dow Jones, S&P500 und andere Indizes immer neue Höhen und auch die Unternehmensgewinne sprudeln, was oberflächlich betrachtet ein Zeichen ist. Doch wie der Business Insider meint, „denken einige Experten, dass diese sichtbare Stärke lediglich die tiefer liegenden Probleme unter der Oberfläche verdeckt“.

Marko Kolanovic von JPMorgan etwa meinte am Donnerstag bei einer Mitteilung an Kunden, dass die mangelnde Volatitlität des Marktes – also dass die Aktienpreise nur in eine Richtung gehen – „den Wertpapiermanagern zu denken geben sollte“. Kolanovic verglich die Situation mit den ausbleibenden Preisschwankungen mit den Bedingungen, wie sie vor dem Börsencrash von 1987 herrschten. Er meinte, dass die Situation wegen der „gegenwärtig rekordtiefen Volatilität darauf hindeutet, dass wir uns nahe an einem Wendepunkt befinden könnten.“

Nach Bekanntwerden seiner Warnung am Donnerstag gaben die Kurse kurze Zeit tatsächlich nach, was von vielen damit erklärt wurde, dass Kolanovics Einschätzung von vielen ernst genommen wird. Die Bank of America Merrill Lynch, eine weitere Größe an der Wall Street, wiederum geht weiter und meint, dass die aktuelle Situation im Herbst wahrscheinlich zu einer Preiskorrektur führen wird.

Unter den Wall Street Größen geben nicht nicht nur die Analysten von Großbanken Warnungen heraus. Auch zwei große Hedge Fonds wiesen kürzlich auf die Abwesenheit von Preisschwankungen hin, was auf eine bevorstehende neue Finanzkrise hinweist, weil die mangelnde Volatilität den falschen und gefährlichen Eindruck eines risikofreien Marktes erweckt, es also wirkt, als würden die Preise immer weiter steigen.

Michael Hartnett, Chefstratege von BAML Global Research meint, dass es ein „Zeichen klassischer Euphorie“ sei, wenn die Geldpolitik nicht gelockert wird, gleichzeitig aber die Aktienwerte stark ansteigen, eine Einschätzung die Byron Wien von Blackstone kürzlich in einer Nachricht an Investoren bestätigte.

Die Federal Reserve hat in diesem Jahr die Zinsen sogar etwas angehoben, wenn auch in nur begrenztem Rahmen. Die Wertpapiermärkte allerdings zeigen bislang keine Reaktion darauf. Das Ausbleiben neuen Geldes und die forgesetzten Aufkäufe durch Anleger haben inzwischen zur Folge, dass den Clienten das Bargeld ausgeht. Sobald dieses ausgeschöpft ist kommt es dann automatisch zu einem Halt bei den Preissteigerungen.

Insgesamt aber ist die Erwartungshaltung der Investoren an der Wall Street nach wie vor positiv, wie eine Umfrage durch Bloomberg zeigt, nach der die Mehrheit Wertpapierhändler nach wie vor die selben positiven Erwartungen für das Jahresende haben wie zuvor.

Laut BAML wie auch mehrere andere wird die Preisspitze im Herbst erreicht werden, von der an es mit den Preisen wieder abwärts gehen wird, sollten bestimmte Faktoren in Schlüsselsektoren gewisse Schwellen überschreiten. Für andere Analysten sind es aber weniger bestimmte Faktoren, die über die Aktienpreise der näheren Zukunft bestimmen werden.

JouWatch berichtete bereits zuvor über Analysten, die auf Grund der immer weiter betriebenen Geldschwemme der Jahre seit der Finanzkrise von 2007 den großen Knall im Oktober kommen sehen, zumal sich der Weltschuldenstand in schwindelerregender Höhe befindet und immer neue Problembereiche hinzukommen. In Europa ist dies die nach wie vor schwelende Eurokrise, da der italienischen Bankenindustrie nach wie vor der Bankrott droht und in Griechland und Portugal die Schulden trotz allem größer werden. In den USA rührt das Risiko von den rapide steigenden Studien- und Autokrediten her, da die Zinskosten dafür schneller steigen als das Einkommen zur Rückzahlung der Kredite. In Kanada ist der Immobilienmarkt so überhitzt, dass er laut Bloomberg demnächst platzen wird und auch der chinesische Immobilienmakt hat akute Stabilitätsprobleme.

Egal, was letztlich der Auslöser sein wird, er könnte den Rest angesichts der zum Reißen angespannten finanziellen Lage in fast allen entwickelten Volkswirtschaften mit sich reißen. Nicht zuletzt warnte auch Martin Armstrong im Februar vor der Staatsschuldenkrise, die laut seines Modells im Jahr 2017 erst so richtig durchschlagen wird und es in der nachfolgenden Zeit eine Wirtschaftsdepression droht. Bestätigt wird Armstrong vom ehemaligen Chef der Federal Reserve Alan Greenspan, der vor kurzem erst verklausuliert vor dem Platzen der Preisblase bei Staatsanleihen warnte.

Armstrong beschreibt die gegenwärtigen Preissteigerungen an den Wertpapiermärkten insgesamt als nicht von Euphorie getrieben, sondern als eine Flucht des Kapitals vor der kommenden Krise. Laut ihm bringen Investoren ihr Kapital in Sicherheit und das sind unter anderem Aktien von US Großunternehmen, für die sie aufgrund des Zugewinns an Sicherheit vor den kommenden Verwerfungen bereit sind, überhöhte Preise zu zahlen.

Auch wenn niemand wirklich sagen kann, was genau kommen wird und ob es in naher Zukunft überhaupt Probleme geben wird, so ist es wie der Business Insider schreibt, trotzdem „gut Bescheid zu wissen, dass sich an den Fundamenten des Marktes gerade Risse bilden. Und am Ende bitte nicht sagen, es hätte einen niemand davor gewarnt.“

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