Seymour Hersh: Russland steckt nicht hinter Clinton-Hacks

Foto: Gatewaypundit
Foto: Gatewaypundit

Seit Monaten werden die deutschen Medien nicht müde, unbestätigte Skandalberichte von CNN und New York Times über eine angebliche Russlandverschwörung Donald Trumps um geleakte E-Mails nachzuplappern. Die sensationellen Enthüllungen dieser Woche über die Leaks interessieren sie dagegen null.

Von Collin McMahon

Seymour Hersh ist nicht irgendwer, schon gar kein rechter Spinner oder Verschwörungstheoretiker. Er wurde 1969 als 28-jähriger Journalist weltberühmt, als er das Massaker von My Lai durch US-Truppen in Vietnam publik machte. 2004 deckte er für das New Yorker Magazin den Folterskandal von Abu Ghraib auf. Er kritisierte auch die Obama-Regierung und deren Umgang mit dem Tod von Osama bin Laden. In der Welt am Sonntag kritisierte er jüngst Donald Trumps Syrien-Angriffe scharf. Hersh ist bekannt für seine akribische Recherche und hochrangigen Kontakte in Washington. Neben Bob Woodward ist er vermutlich der führende US-Enthüllungsjournalist unserer Zeit.

Daher die Brisanz seiner Enthüllungen in einem Skandal, der seit einem Jahr durch Washington geistert und scheinbar direkt aus den Drehbüchern zu Kevin Spaceys Politthriller House of Cards stammen könnte: Der Mitarbeiter der Demokratischen Partei Seth Rich wurde am 10.7.2016 um 4:20 h morgens in Washington D.C. angeschossen aufgefunden. „Die Polizei geht von einem Raubmord aus – der Laptop, den Rich bei sich gehabt haben soll, war verschwunden. Allerdings trug der erst 27-Jährige noch seine Geldbörse, seine Uhr, sein Handy und andere Wertgegenstände bei sich. Laut Aussagen von Rettungskräften war Rich nach deren Ankunft bei vollem Bewusstsein und zeigte sich gesprächig. Nach Darstellung von Aaron Rich waren die Sanitäter „sehr überrascht“, dass sein Bruder Stunden später im Krankenhaus an den Schussverletzungen verstarb“, so Russia Today.

Am 22.7.2016 veröffentlichte WikiLeaks 44,053 vertrauliche E-Mails des Demokratischen Nationalkongresses, die dokumentierten wie die Parteiführung Bernie Sanders zugunsten von Hillary Clinton benachteiligte. Julian Assange deutete im niederländischen Fernsehen an, dass Seth Rich die Quelle für diese Leaks gewesen sein könnte: „Wir sprechen nie über unsere Quellen. Aber es gab einen 27-jährigen Mitarbeiter des DNC, der hinterrücks erschossen wurde, ermordet.“ Das Team um Hillary Clinton suggerierte jedoch, Russland stecke hinter den Hacks – eine Mär, für die es zwar keinerlei Beweise gibt, aber die sich bis heute hartnäckig auch in der deutschen Presse hält, bei Kongressanhörungen und Late-Night-Komikern.

Nun hat Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh ausgesagt, er habe einen FBI-Bericht zugespielt bekommen, der bestätigt, dass Rich und nicht Russland die Quelle für die WikiLeaks-Enthüllungen gewesen sei. Auf einem Audiomitschnitt, der von Big League Politics veröffentlicht wurde sagt Hersh, dass Rich Geld für die gestohlenen Daten gefordert habe. „Er hat eine ausführliche Kostprobe angeboten, dutzende von E-Mails, und sagte, ‚Ich will Geld.’ Später hat WikiLeaks Zugang zu seiner DropBox bekommen, sie haben das Password bekommen“, erklärte Hersh. Wie das genau ablief wisse er nicht, so Hersh, aber Rich habe Freunden ebenfalls Zugang zur DropBox gegeben, „damit es keinem was bringt falls mir etwas zustößt.“  WikiLeaks habe den Zugang kurz vor Richs Tod bekommen.

Er halte Richs Tod aber für einen Raubmord und keine Clinton-Verschwörung, so Hersh, da Rich in einer sehr schlechten Gegend gewohnt habe. Hershs Quelle sei jemand beim FBI, der „unglaublich genau und sorgfältig arbeitet. Er ist ein hochrangiger Kerl.“

Damit scheint die Russland-Hacker-Geschichte ein für alle mal ad acta gelegt zu sein. Aus der deutschen Presse werden wir es jedoch nie erfahren.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.