Randzonen des Medien-Käfigs

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Auch auf Merkelkurs: Der Neue Ruf (Foto: Google)

Anzeigenblätter besorgen in vielen Regionen die lokale Berichterstattung. Zur „Flüchtlingsfragen“ sind sie voll auf Leitmedienkurs. Da wird einem klar, wieso man von „herrschender“ Meinung spricht.

Von Volker Kleinophorst

Wenn ich bei meiner Mutter bin, liegt dort der „Der Neue Ruf Süderelbe“, ein Anzeigenblatt das in den Hamburger Stadtteilen südlich der Elbe und auch im angrenzenden Niedersachsen verteilt wird, auf dem Tisch.

Da schau ich schon gern mal rein. Schon allein deswegen, weil ich selber da mal vier Monate gearbeitet habe. Der Verlag ist sogar in die Literatur eingegangen, Frank Schulz, auch ein ehemaliger Mitarbeiter, ist heute ein renommierter Romanautor. Weite Teile seines zweiten Romans „Morbus fontikuli“ spielen in der „Ruf“-Redaktion.

Anzeigenblätter, ja eigentlich die Mutter der Zeitung, sind heute keine reinen Werbeschleudern mehr, sondern füllen den Raum aus, den die geschrumpfte Lokalpresse verlassen hat.

Besonders Ältere erwarten sie oft ungeduldig, weil man ja sonst nichts erfährt, aus dem eigenen Kiez. Für viele Menschen ist das lokale Anzeigenblatt „die Zeitung“, sie hat also auch inhaltliche Kompetenz.

Im „Ruf“ vom 22.7.2017 stieß ich auf den Artikel „Offene Einwanderungsstadt“,

Inhalt des Artikels, der eigentlich arg gebeutelte aber wohl mangels Personalmasse für die SPD „alternativlose“ Olaf Scholz macht nach G-20-Pleite „business as usual“ und begrüßte zum „40. Male mehrere hundert „Neubürger“ im Rathaus, „die vor kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben.“

Wieso an der Stelle Neubürger in Anführungszeichen steht, verstehe wer will. In vielen Foren wird man ja schon rausgeschmissen, wenn man Flüchtlinge in Anführungszeichen setzt. Subversion schließe ich aus, denn der Artikel ist so unkritisch wie nur was, wohl mehr oder minder aus dem PR-Material des Senats zusammengeschustert.

Scholz: „Hamburg ist eine offene und lebensfrohe Einwanderstadt. Die Menschen kommen hierher, weil man an der Elbe gut leben und eine Perspektive finden kann.“

Probleme gebe es auch. Mit denen die schon länger hier leben und „deren Leben sich durch die Hinzugekommen ebenfalls verändert.“

Doch das schaffen wir schon. Wir rücken einfach ein wenig zusammen. Scholz an die Eingebürgerten gewandt: „Deutschland braucht Frauen und Männer mit Ideen und Energie. Wer sich einbringen will, mehrere Sprachen spricht und sich in verschiedenen Kulturen auskennt, ist gefragt.“

Ja wieso sollte auch deutsch ausreichen, um sich in Deutschland zu verständigen. Das wäre ja spießig.

Seit dem Start der Initiative, freut sich Scholz, erhielten 21.000 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft. Die meisten Eingebürgerten stammen aus Afghanistan (Super, noch ne Moschee) und der Türkei (Und noch eine) gefolgt von Polen. Scholz stolz, mit dieser Einbürgerungsquote steht Hamburg an der Spitze der Bundesländer.

Und damit die „Hamburgerinnen und Hamburger“ (da geht mir schon der Hut hoch) nicht erst 2030 zur Minderheit in der eigenen Stadt werden, will man alle, „die beim letzten Mal die Voraussetzungen nicht erfüllt haben, jetzt anschreiben, sich noch mal zu bewerben.“ Denn wenn man nur lange genug hier bleibt, erfüllen sich ja die Voraussetzungen wie von selbst. Also nur Mut.

Die Neubürger stammen aus Bosnien-Herzegowina, Polen, Bulgarien, Bulgarien, Großbritannien, Kenia, Mongolei (mein Favorit), Tschechien, Japan, Slowakei, Ukraine, Mexiko, Italien, Irland, Österreich und Holland.

Die an dieser Stelle interessanten genauen Zahlen bleibt der Artikel schuldig, auch die Webseite des Senats hilft da nicht weiter.

Damit aber jeder weiß, wie er schnell an einen deutschen Pass kommt, darf natürlich der Hinweis die Webseite www.einbürgerung.hamburg.de nicht fehlen.

An meinem Wohnort gibt es das Elbe-Wochenblatt der Schrader Gruppe, deren diverse Anzeigenblätter rund um Hamburg eine große Verbreitung haben. Gut gemacht, die haben auch eine größere Redaktion.

Auffällig auch da, die einseitige Propaganda, die auch in deren Blättern betrieben wird. So gab  es eine ganze Phase in der sich jeder Redakteur immer wieder gerne an den üblichen Verdächtigen also  Trump, AFD, ganz allgemein den Rechten abarbeiten durfte.

Flüchtlinge immer positiv, tolle Initiative hier, toller interkultureller Nachmittag da, 10 Migranten als Hilfsfeuerwehrmann ausgebildet…. Schöne neue Migrantenwelt.

Ist aber in der Penetranz zurückgegangen, die „Flüchtlingskrise“ ist schließlich gelöst, auch bei der AFD ist ja die neue Taktik Totschweigen. Wie die das bloß immer alle wissen, wohin sich der Wind gerade dreht…

Nun gibt es auch in Süderelbe und der Nordheide Probleme satt mit „Männern“, „Gruppen von Jugendlichen“ und „Deutschen“, deren Nachnamen man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen kann…

Diese Themen werden klein gehalten und gerne pädagogisch flankiert. Damit man weiß, wie man was einzuordnen hat.

Der real existierende Medienkäfig hat „Big Brother“ längst getoppt.

Man kann endlos „Information“ konsumieren ob Leitmedium, Special Interest, Anzeigenblatt, Radio, TV, Werbung und bekommt doch immer die gleiche Soße serviert. Mit „Gleichschaltung“ hat das aber gar nichts zu tun, sondern die Botschaft ist das Ergebnis eines „kollektiven Erkenntnisprozesses“, natürlich vollkommen populismusfrei.

Ich bin übrigens ebenfalls kein gebürtiger Hamburger, bin aus dem Ruhrgebiet eingewandert.

  1. Da haben in Hamburg noch in deutlicher Mehrzahl Hamburger gelebt, auch in Harburg, Neuwiedenthal und Neugraben. Als ich 1985 beim „Ruf“ schrieb, rannte höchstens mal eine anatolische Oma mit Kopftuch rum. Einzelfälle.

Gehen sie da jetzt mal lang, Herr Scholz. Freuen Sie sich an der Vielfalt.

Allein, ohne Leibwächter, abends.

Sie glauben gar nicht, wie viele unterschiedliche Messer es gibt.

Und dann noch mit der S 3 zurück zum Hauptbahnhof.

Wenn Sie sich trauen.

PS:

Da ich diesen Text vor dem islamischen Attentat in Hamburg geschrieben habe, wollte ich mal abwarten, wie sich das in den Anzeigenblättern Harburgs und der Nordheide niederschlägt.

Bisher gar nicht.

Redaktionsschluss? Das Attentat war am Freitag. Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Aktuelle Straßenumfrage im aktuellen Nordheide Wochenblatt: „Soll Famila nach Neu Wulmsdorf kommen?“

Ob da auch Messer ausliegen werden?

Wandere aus, solange es noch geht!
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