EMMA wettert gegen Gender-Wahn und Terrorversteher

Soziologin Sabine Hark, Gender-Hohepriesterin Judith Butler und LinguistIn Profx Lann Hornscheidt Foto: EMMA
Soziologin Sabine Hark, Gender-Hohepriesterin Judith Butler und LinguistIn Profx Lann Hornscheidt Foto: EMMA

Herausgeberin Alice Schwarzer hat sich bereits mit ihrer Kritik zu den Massenübergriffen von Köln als mutiger, unabhängiger Geist offenbart und einige Kritik aus der politisch korrekten Ecke einstecken müssen. Nun rechnet das Sturmgeschütz der deutschen Frauenbewegung mit dem Gender-Wahn als „Sargnägel des Feminismus“ ab.

Von Collin McMahon

Autorin Vojin Saša Vukadinović studierte Geschlechterforschung in Freiburg und Basel, hatte eine Assistenz am Zentrum Gender Studies der Universität Basel inne, und ist seit 2015 am Zentrum Geschichte des Wissens an der Universität Zürich. In der EMMA beklagt sie, die Gender-Forschung sei heute uninteressiert an Frauenemanzipation als solcher. „Gender-Studies-Kurse tragen nunmehr Titel wie „Muslim Queer Subjectivities and Islamic Ethics“ oder „Einführung in die interdependente VerRücktheitsforschung/Mad Studies“. Viel diskutierte Postulate heißen „Critical Whiteness“, „Intersektionalität“ oder „Femonationalismus“.
Der Emma-Aufsatz könnte in weiten Teilen direkt der Feder des konservativen Provokateurs Milo Yiannopoulos, dem AfD-Wahlprogramm oder der Feminismus-Kritikerin Birgit Kelle und der Demo für Alle entstammen: „Der queerfeministische Nachwuchs pöbelt auf dem Campus, in den Straßen und im Internet gegen „weiße Cis-Männer“, gegen „TERFS“ (trans exclusionary radical feminists, also radikale Feministin, die Transmenschen ausschließt) oder „SWERFS“ (sex worker exclusionary radical feminist, also radikale Feministin, die Sexarbeiterinnen ausschließt), prangert unentwegt „Privilegien“ anderer an, fordert geschlechtsneutrale Pronomen ein und sinniert mit weinerlicher Verve über „Verletzbarkeit“. Das persönliche Leiden an der Welt wird zum wissenschaftlichen Thema verklärt, Schuld für das eigene Befinden als Dritte personifiziert.“

Vukadinović scheut sich auch nicht, die heiligsten Kühe des „Third-Wave-Feminismus“ anzugreifen, nämlich dass Geschlecht nicht biologisch vorgegeben sondern „sozial konstruiert“ sei und dass alle abweichenden Meinungen „Hate Speech“ seien. Das Ziel ist nicht mehr die Gleichberechtigung, sondern ein „antiimperialistischer Egalitarismus“ gegen „sexualpolitisch aufgeladene okzidentale Überlegenheitsnarrative“. Daher werden die mittelalteralterlichen, frauenfeindlichen Praktiken des Islams rigoros verteidigt. So würden irregeleitete Gender-Ideologen heute sogar die weibliche Geintalverstümmelung und den radikalislamischen Terror rechtfertigen, anstatt sich für die Rechte tatsächlich unterdrückter Frauen einzusetzen:

Claudia Brunner schließlich, Gender-Expertin für das Reden über Selbstmordattentate, leitet einen Artikel mit der rhetorischen Frage ein, ob es nicht besser wäre, statt von „Female Suicide Terrorism“ von „Female Suicide Bombing“ zu sprechen, da erstere Bezeichnung Massenmord „als illegitim generalisieren“ würde. Schlimmer noch: „Geläufige Darstellungen von Suizidbomberinnen tendieren dazu, historische westliche kolonialistische Auffassungen von Frauen aus der Dritten Welt widerzuspiegeln, gelenkt von imperialistischen Ansichten und deren spezifischen okzidentalistischen Genderismen, so die Autorin, die in einem Interview noch beklagte: „Terroristen werden durch ihre mediale Darstellung ausschließlich als brutal und irrational gezeigt, um dadurch ihre politischen Ziele unsichtbar zu machen […] Die Terroristinnen werden als Monster dargestellt.“ Dutzende, bisweilen Hunderte von Menschen, die durch ein einziges Selbstmordattentate zerfetzt oder auf Lebenszeit entstellt werden, sind der Gender-sensiblen „Analyse“ einer Claudia Brunner nicht eine Zeile wert.“

Der Gender-Forschung gehe es schon lange nicht mehr um Gleichberechtigung oder Frauenrechte, sondern um eine radikale Kritik an den Werten und Tugenden des Westens und der Aufklärung, die unser Leben erst möglich gemacht haben, aber nun als Produkt eines imperialistischen, unterdrückerischen weißen Cis-Hetero-Patriarchats diffamiert werden sollen. „Der angestrengte Jargon schaukelt gewichtige Denkleistungen vor, der junge Erwachsene weder zum kritischen Befragen der Gegenwart animiert, noch zu unabhängigen Denkerinnen und Denkern ausgebildet – sie werden vielmehr eingeschüchtert. Weil sie unweigerlich annehmen, dass das, was sie in einem universitären Rahmen zu hören bekommen, intellektuell gewichtig sein muss, wird ihr Verstand nicht geschärft, sondern vernebelt. Konkreter: Das Studium der Gender Studies macht Studierende oftmals nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer. Sie lernen nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern.“

Mehr zum Thema in der aktuellen Juli/August-EMMA.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump.

 

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